Historischer und weiser Kompromiss

Endlich hat der Kanton entschieden. Endlich hat das nervenaufreibende und zermürbende Seilziehen zwischen den Regionen ein Ende.

Hansruedi Kugler
Drucken
Teilen

Endlich hat der Kanton entschieden. Endlich hat das nervenaufreibende und zermürbende Seilziehen zwischen den Regionen ein Ende. Mit dem Standort Ricken hat Bildungschef Stefan Kölliker eine überraschend kreative und überzeugende Lösung gefunden: Ricken liegt im geographischen Zentrum des Einzugsgebiets, besitzt in zentraler Lage ein riesiges, freies Areal und Platz für Sportanlagen ist auch vorhanden. Zudem müssen die schon bestehenden Busverbindungen nur unwesentlich ausgebaut werden und entlasten zudem die ohnehin überfüllten S-Bahnen Richtung Toggenburg. Insgesamt schafft Stefan Kölliker so ein Symbol für die eidgenössische Kompromiss-Kultur. Man erinnere sich nur an die Kappler Milchsuppe, als sich 1529 die zerstrittenen Innerschweizer Katholiken und die Zürcher Reformierten nach dem Feldzug die Hand und die Suppenschüssel reichten. So wird auch die Einweihung der Kanti Wattwil-Linth auf dem Ricken ablaufen: Mit einem Suppenzmittag, in dem die Kantonsräte beider Regionen gemeinsam diejenige Suppe auslöffeln, die sie in ihrer Sturheit vorher versalzen hatten. Ein Schulstandort darf aber nicht nur symbolische Bedeutung haben. Ricken ist auch schulpraktisch ideal. Dort kann man sich die Turnhalle sparen: Im Sommer wird Waldlauf gemacht und im Freien Fussball gespielt, im Winter steht eine hervorragende Langlaufloipe gleich vor der Haustüre. Doch das Aufatmen wird nur kurz anhalten. Es ist absehbar, dass auch dieser Entscheid vor allem eines zur Folge hat: Die Kantonsräte beider Regionen werden Regierungsrat Köllikers Kompromiss als Aprilscherz kritisieren und weiter an ihren Forderungen festhalten. Schade.

@toggenburgmedien.ch

Aktuelle Nachrichten