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HISTORIE: Kanton als Ehrengast eingeladen

Im deutschen Waldshut gedenkt man jährlich an der Chilbi im August der Belagerung der Stadt durch die Eidgenossen im Jahr 1468. Im nächsten Jahr wird sich dieses historische Ereignis zum 550. Mal jähren. Innerrhoden wird dann Ehrengast sein.
Achilles Weishaupt
Die Stadt Waldshut in Sebastian Münzers «Cosmographia», um 1580. (Bild: PD)

Die Stadt Waldshut in Sebastian Münzers «Cosmographia», um 1580. (Bild: PD)

Achilles Weishaupt

redaktion

@appenzellerzeitung.ch

Nach der erfolglosen Machtdemonstration im Sundgau be­lagerten eidgenössische Haufen, zwischen 15 000 bis 16 000 Mann stark, ab Ende Juli 1468 die habsburgische Stadt Waldshut. Obwohl damals die Appenzeller die Ostgrenze der Eidgenossenschaft zu sichern hatten und etwa 1600 Mann über den Arlberg ­gezogen sein sollen, schickten sie dennoch ein Kontingent an den Hochrein zum eidgenössischen Heer. Zusammen mit den Zürchern, Zugern und Glarnern wartete man vor dem Osttor von Waldshut auf das Zeichen zum Sturm. Während der Belagerung kam es zu Streifzügen, so unter Beteiligung von Appenzellern nach Bonndorf im Südschwarzwald, wo man das Dorf grösstenteils verbrannt sowie über 400 Stück Vieh und zehn Wagen erbeutet hat.

Doch die Eroberung von Waldshut kam aufgrund innereidgenössischer Konflikte nicht zustande. Während Bern zum Sturm drängte, setzten Zürich und die anderen Orte auf Verhandlungen mit den Habsburgern. Am 27. August kam es in Dogern zu einem Abschluss, wo auch der zugewandte Ort Appenzell eingeschlossen wurde. Herzog Sigismund von Habsburg verpflichtete sich zur Zahlung von 10 000 Gulden bis zum 24. Juni 1469. Ansonsten sollten Waldshut und die habsburgischen Gebiete im Schwarzwald unter eidgenössische Kon­trolle fallen. Durch Verpfändung von vorderösterreichischem Besitz an Herzog Karl den Kühnen gelang es dem Habsburger, diese Summe aufzutreiben und den mit den Eidgenossen geschlossenen Vertrag zu erfüllen.

Jährliches Gedenken an Waldshuter Chilbi

In Waldshut, wo den Belagerern gerade mal 800 Verteidiger ge­genübergestanden haben sollen, gedenkt man noch heute all­jährlich dieser Ereignisse an der Waldshuter Chilbi, die am dritten Sonntag im August stattfindet. Das Patrozinium der Stadtkirche in Waldshut wird jeweils am 15. August, an Mariä Himmelfahrt, gefeiert.

Für Waldshut findet sich 1256 in einer Urkunde die erste Erwähnung. Man nimmt eine Gründung im Zusammenhang mit der Politik der Grafen von Habsburg an. Bis 1805 war die Stadt ein Teil von Vorderösterreich, danach gehörte sie zum Grossherzogtum Baden. Seit 1975 ist Waldshut mit Tiengen zu einer grossen Kreisstadt im deutschen Bundesland Baden-Württemberg vereinigt.

Zur Waldshuter Chilbi gehört der Chilbi-Bock, der am sonntäglichen Festumzug mitgeführt und danach durch die Junggesellen verlost wird. Denn es geht zur feindlichen Belagerung von Waldshut die Legende, wonach sich die Eidgenossen aus einem anderen Grund nicht durchsetzen konnten: Während der Belagerung durch die Eidgenossen waren die Lebensmittel in der Stadt sehr rar geworden. Schliesslich sei nur noch ein Schafbock übrig geblieben. Waldshuts Junggesellen hatten nun, um die Feinde zu täuschen und den Anschein hervorzurufen, man besitze noch genügend Vorräte, diesen Bock auf der Stadtmauer herumgeführt. Es sollte bewiesen werden, dass die Stadt so bald nicht auszuhungern sei. Die Eidgenossen hätten sich täuschen lassen und seien abgezogen.

Der Kanton Appenzell Innerrhoden zu Gast

Im nächsten Jahr jährt sich die Belagerung von Waldshut zum 550. Mal, was dann vom 18. bis zum 21. August in einem besonderen Rahmen gefeiert werden soll.

In diesem Zusammenhang wird dem Kanton Appenzell Innerrhoden die Ehre zuteil werden, an den Feierlichkeiten als Ehrengast teilzunehmen. Geplant ist ein Auftritt mit einer Blasmusik, mit Botzerössli, einem Chörli und Trachtenleuten. Mitglieder des Vereins Mittelalter-Spektakel werden eine friedliche Belagerung durchführen. Vorgesehen ist die Abordnung von Kriegern, Trommlern und Pfeifern in historischer Bekleidung sowie eine aktive Teilnahme am historischen Markt mit bunten Aktionen und der Abgabe von Appenzeller Spezialitäten.

Überdies steht zur Diskussion, dass am darauffolgenden Wochenende das Mittelalter im Dorf Appenzell wieder lebendig werden soll. Geplant ist der Gegenbesuch einer Delegation aus der Stadt Waldshut.

Waldshut und die Reformation in Appenzell

Während der Glaubenswirren war im Land Appenzell in die dortigen Ereignisse eine Person involviert, die ab Frühjahr 1523 in Waldshut die Reformation voranzutreiben versuchte. Der «Doktor von Waldshut», der weit­herum bekannte Balthasar Hub­maier, liess sich auch für eine Predigt im Hauptflecken gewinnen. Er dürfte 1523 in Appenzell um die Kirchweih herum, also Ende September, gepredigt haben.

Hubmaier ergriff in Waldshut die Flucht, als die Stadt infolge des Bauernkrieges Ende 1525 durch habsburgische Truppen besetzt und zur Rückkehr zum alten Glauben gezwungen wurde. Da er sich vermehrt für die täuferische Bewegung einsetzte, kam es zum endgültigen Bruch mit Zwingli. Danach wirkte er in Konstanz, in seiner Heimatstadt Augsburg und schliesslich im südmährischen Nikolsburg. Ende 1527 wurde er inhaftiert, nach Wien überführt und dort schliesslich am 10. März 1528 beim Stubentor als Aufrührer und Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Am 10. Juni 2003 wurde für ihn an der Stelle des aufgefundenen Tors eine Gedenktafel enthüllt. Sie soll an den Tod des Begründers des religiösen Toleranzgedankens erinnern, den er in seinem Traktat «Von Ketzern und ihren Verbrennern» (1524) entfaltete.

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