Hinterrugg weltweit zu sehen

WATTWIL. Ein Teil der Stuntszenen des Actionfilms «Point Break» wurde auf dem Hinterrugg gedreht. Der Film soll ein Kassenschlager werden. Diese Marktnische ist nach Ansicht der Touristiker zu klein, um sie aktiv zu bewerben.

Martin Knoepfel
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Im Remake des Actionfilms «Point Break» sind unter anderen Wing-Suit-Piloten zu sehen, die vom Hinterrugg aus starten. (Bild: Ascot Elite Entertainment Group)

Im Remake des Actionfilms «Point Break» sind unter anderen Wing-Suit-Piloten zu sehen, die vom Hinterrugg aus starten. (Bild: Ascot Elite Entertainment Group)

Vor kurzem ist in der Schweiz der Actionfilm «Point Break» in die Kinos gekommen. (In anderen Ländern war er schon früher zu sehen.) Der Film handelt von einem ehemaligen Extremsportler, der sich zum FBI-Agenten ausbilden lässt, nachdem ein Freund vor seinen Augen zu Tode gestürzt ist. Der FBI-Agent lässt sich in eine Gruppe Extremsportler einschleusen, die verdächtigt werden, durch Raubüberfälle das Finanzsystem an den Rand des Abgrundes gedrängt zu haben. Nach dem Willen der Produzenten soll der aufwendig produzierte Film ein Kassenschlager werden. Stuntszenen mit Wingsuits wurden am Hinterrugg und in Walenstadt gedreht.

«Nicht bewerben»

Bringt nun der Film für den Tourismus in der Schweiz und speziell im Toggenburg etwas? Denkbar ist auch, dass das Fliegen mit Fallschirmen durch den Film an Popularität gewinnt. Sonja Fuchs ist Leiterin Marketing und Co-Geschäftsführerin von Toggenburg Tourismus. Toggenburg Tourismus nehme den Film und die Starts von Basejumpern vom Hinterrugg zur Kenntnis, sagte sie. Es handle sich aber nicht um ein Marktsegment, in dem Toggenburg Tourismus präsent sein wolle. Marketingmassnahmen seien keine geplant. Toggenburg Tourismus weise auf der Website nicht auf den Startplatz Hinterrugg hin.

Berge und Natur als Hauptgrund

Ähnlich tönt es aus Zürich. Die Berge und die Natur seien der Hauptgrund, weshalb Gäste die Schweiz besuchten. Schweiz Tourismus freue sich grundsätzlich, wenn die Berge als Kulisse eines Filmes oder TV-Beitrages dienten, antwortet Mediensprecher Alain Suter. «Deshalb unterstützen wir punktuell ausländische Film-, aber hauptsächlich TV-Crews, logistisch. Ein positiver Inhalt respektive eine positive Szene mit Bezug zur Schweiz in einem Film ist Voraussetzung dafür, dass er Reisebegehren auslöst. Die Drehbücher können jedoch nicht beeinflusst werden.» Schweiz Tourismus bewerbe Extremsportarten nicht aktiv, heisst es weiter. Ihr Vorkommen und damit verbundene wertvolle Gäste seien jedoch eine Realität. Es könne von einem Nischeninteresse gesprochen werden, sagt Alain Suter. Diese Community vermarkte für sie spannende Standorte unter sich. Die Masse sei zu klein, um zielgerichtet für sie Marketing zu betreiben.

«Schöne Linien fliegen»

Patrick Kerber aus Uerzlikon ZH ist einer der erfahrensten Basejumper der Schweiz. Er habe rund 2000 Sprünge absolviert, sagt er. 2013 hat Patrick Kerber den wohl höchsten Wingsuit-Flug, von der Jungfrau ins 3200 Meter tiefer gelegene Lauterbrunnental, gewagt. An seinen ersten Sprung kann er sich noch gut erinnern, obwohl das vor rund zehn Jahren war. Er sprang von einer Brücke in Twin Falls (Idaho, USA). Patrick Kerber war an den Dreharbeiten zu «Point Break» nicht beteiligt. Die Stuntmen seien alles Ausländer. Teilweise seien es Angehörige des Red-Bull-Stunt-Teams, das auch professionelle Filmaufnahmen mache. Wer in der Szene Rang und Namen habe, sei für den Dreh eingeflogen worden, sagt Patrick Kerber.

Den Startplatz Hinterrugg kennt der Zürcher. «Es ist ein schöner Sprung. Man kann verschiedene schöne Linien fliegen. Der Hinterrugg ist relativ einfach. Sein Vorteil: Er ist gut zugänglich. Man kann bis zu drei Flüge am Tag absolvieren.» Der Hinterrugg oder das Lauterbrunnental seien nicht so seine Welt, sagt Patrick Kerber. «Meine Spezialität ist es, neue Sprünge zu finden. Ich bin deshalb meist allein oder mit einem Kollegen unterwegs. Es gibt so viele schöne Berge in der Schweiz, von denen noch niemand gesprungen ist.» Angst oder stattdessen einen Adrenalinstoss habe er nicht vor einem Sprung, sagt er. Er spricht vielmehr von sehr intensiven Gefühlen und von Respekt. Man mache sich Gedanken, was passieren könne, räumt Patrick Kerber ein. Er bereite sich mit Hilfe von Karten und von Berechnungen sehr gut auf jeden Sprung vor, sagt er, «aber sobald ich den Anzug anlege, bin ich ruhig und völlig fokussiert.»

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