Hinaufsteigen zur heiligen Messe

A wie Alpsteingottesdienste: Von Juni bis September nehmen viele Gläubige einen langen Fussmarsch in Kauf, um einem Berggottesdienst beizuwohnen. Gefeiert werden solche auch am Seealpsee – kürzlich sogar mit einer Taufe. Unter den Gläubigen war manch bekanntes Gesicht.

Roger Fuchs
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SEEALPSEE. Sie alle haben ihren eigenen Tagesplan, doch der Glaube führt sie zusammen: Bruno Huber, Bezirkshauptmann von Rüte (AI), und Walter Bach, Kirchenverwaltungsratspräsident der Pfarrei Herisau, wohnten kürzlich dem Alpsteingottesdienst beim Seealpsee ebenso bei wie die Urnäscher Journalistin Esther Ferrari oder der Innerrhoder Kantonspolizist Roland Koster. Die Bäume bei der Bruderklausenkapelle direkt neben dem Gasthaus Forelle spenden an diesem heissen Tag willkommenen Schatten. Zelebriert wird die Feier von dem aus Gonten stammenden Kaplan Sebastian Wetter. Noch gleichentags reist er wieder nach München, wo er in Kirchengeschichte doktoriert.

Fitness und Glaube in einem

Alpsteingottesdienste sind beliebt, rund 150 Gläubige feiern an diesem Morgen gemeinsam. Keine Halbschuhe, sondern Wanderschuhe wurden geschnürt. Viele dürften von Wasserauen her zum Seealpsee aufgestiegen sein, so auch der Journalist. Es ist ein spezielles Gefühl, in die Berge zum Gottesdienst aufzubrechen. Fitness und Glaube werden vereint. Pünktlich zu erscheinen ist aber ungleich schwerer als beim Gang in die Dorfkirche. Erst eine Stunde vor Beginn in Wasserauen auf den Parkplatz zu fahren, bringt Zeitdruck mit sich. Doch das Schöne bei Alpsteingottesdiensten ist, dass man vor Ort kein knarrendes Kirchenportal öffnen muss. Niemand wird bei einer Verspätung beäugt.

Zu Beginn der Messe läutet kurz die Glocke der Kapelle, danach liegt wieder das Gebimmel der Kuhglocken in der Luft. Der Seealpsee schimmert blau zwischen den Baumstämmen hindurch, aus der Ferne sind die Stimmen gutgelaunter Menschen wahrzunehmen.

Ein grosses Geschenk

Die Gläubigen erwartet an diesem Morgen ein Gottesdienst mit Taufe. Kaplan Sebastian Wetter nutzt dies, um die Anwesenden an ihre eigene Taufe zu erinnern. «Doch macht es Sinn, bereits als Kind getauft zu werden?», fragt Wetter. Durchaus, so seine Antwort. Die Vertrautheit mit Gott, die man als Kind erfahren dürfe, sei ein grosses Geschenk. Würde man erst im Erwachsenenalter getauft, spiele sich vieles im Kopf ab, und man könne das Christsein womöglich nicht mehr so stark mit dem Herzen lernen wie als Kind. Der kleine Valentin Rempfler-Fuchs aus Appenzell wird daraufhin mit Wasser aus dem See getauft.

Alpsteingottesdienste finden regelmässig auch an folgenden Orten statt: Ahorn, Bollenwees, Meglisalp, Plattenbödeli, Wildkirchli und Schwägalp. Je nach Örtlichkeit ist die Durchführung witterungsabhängig. Via Google ist eine Übersicht der Alpsteingottesdienste auffindbar.

Gottesdienst bei der Kapelle am Seealpsee. Zur Taufe eines Kindes holt der Götti Weihwasser vom See (oben rechts). Auch Hund und Jogger geniessen den ruhigen Moment (rechts unten). (Bilder: Roger Fuchs)

Gottesdienst bei der Kapelle am Seealpsee. Zur Taufe eines Kindes holt der Götti Weihwasser vom See (oben rechts). Auch Hund und Jogger geniessen den ruhigen Moment (rechts unten). (Bilder: Roger Fuchs)