Hilfe in 83 persönlichen Krisen

Die Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen bietet Menschen in schwierigen Lebenslagen Unterstützung. Sie ist Teil der landeskirchlichen Diakoniearbeit und bietet ein niederschwelliges Angebot – das fast verschwunden wäre.

Ruth Frischknecht
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Die Psychologin und Logopädin Madeleine Eberle Egli im Beratungsraum. Manchmal stehen statt Blumen Taschentücher auf dem Tisch. (Bild: ruf)

Die Psychologin und Logopädin Madeleine Eberle Egli im Beratungsraum. Manchmal stehen statt Blumen Taschentücher auf dem Tisch. (Bild: ruf)

HERISAU. Die evangelische und die katholische Landeskirche bieten eine Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen, kurz BEFL, an. Madeleine Eberle Egli ist der Kopf hinter der Stelle. Sie berät Einzelpersonen, Paare und von Zeit zu Zeit auch Familien in schwierigen Situationen. Die ausgebildete Psychologin und Logopädin bearbeitete im vergangenen Jahr 83 Fälle.

Schliessung abgewendet

Um die Personen möglichst gut zu unterstützen, arbeitet die BEFL mit anderen Beratungsstellen wie der freiwilligen Sozialberatung, der Mütterberatung oder der Suchthilfe zusammen. «Deshalb ist es für uns sehr wichtig, dass man diese Anlaufstelle auch in anderen Organisationen kennt», sagt Madeleine Eberle Egli und spielt damit auf die Situation vor zwei Jahren an. Damals gab es in der evangelischen Landeskirche Tendenzen, die BEFL aufzulösen. Die Synode sprach sich jedoch gegen die Auflösung der Beratungsstelle aus. Wegen der unsicheren Perspektive stieg der Kanton Appenzell Ausserrhoden als dritter Träger der BEFL aus und ging eine Kooperation mit der Familienberatungsstelle St. Gallen ein. Seither tragen die evangelische und die katholische Landeskirche die Beratungsstelle allein und in kleinerer Form. Der Standort in Teufen wurde geschlossen und das Pensum von 100 auf 50 Prozent verkleinert. Madeleine Eberle Egli ist nun die alleinige Stelleninhaberin – zuvor war ein zweiter Berater bei der BEFL tätig.

Niederschwellige Beratung

«Die Veränderungen waren struktureller Natur und haben keinen Einfluss auf meine Arbeit», so Madeleine Eberle Egli. Auf die Frage, ob die Kirche ihre Arbeit beeinflusse, entgegnet Madeleine Eberle Egli: «Die BEFL appelliert an Grundwerte, die wichtig für das Zusammenleben aller Menschen sind: Ein wertschätzender Umgang, Toleranz und Fairness.» Die Stelle stehe, unabhängig von der Religion, allen Leuten offen, sei aber Teil der Diakoniearbeit der Landeskirchen, hält sie fest. Die Kosten für die Beratung werden an die finanzielle Situation der Klienten angepasst und aufgrund des Einkommens berechnet. «So gewährleistet die BEFL ein niederschwelliges Angebot», sagt die Psychologin.

Trennung oder Übergang

«Zu mir kommen Personen in Krisensituationen– meist dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist», sagt Madeleine Eberle Egli. Und meint damit: Paare suchen oft erst Hilfe, wenn einer der Partner bereits mit der Beziehung abgeschlossen hat. Trennungen zu begleiten sei deshalb eine ihrer Aufgaben. Oft wenden sich Personen an sie, die sich in einer Übergangsphase befinden – dazu gehört die Familiengründung genauso wie die Pensionierung.

Die Beratungsstelle ist wie ein Wohnzimmer eingerichtet. Der Raum ist hell und freundlich, an den Wänden hängen farbige Bilder. «Manche Leute kommen ungern – zumindest in die erste Sitzung. Umso wichtiger ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem man sich wohl fühlt», sagt die Psychologin. In einem ersten Schritt orientiert Madeleine Eberle Egli sich bei der Beratung am Zustand und den Zielen der Hilfesuchenden: «Mit meinen Klienten spreche ich ab, was das Ziel der Beratung ist, was sie sich davon erhoffen und wie wir das erreichen möchten. Ich arbeite mit einem klaren Auftrag seitens der Klienten.»