Der virtuelle Trainer gibt die Richtung an: In Appenzell steht die modernste Squashbox der Schweiz

Appenzell verfügt über den ersten interaktiven Squashcourt der Schweiz. Damit will der Verein vor allem den Nachwuchs begeistern. 

Lukas Pfiffner
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Ein Nachwuchsspieler ist auf dem Court aktiv, Präsident und Trainer Ralph Lengwiler beobachtet.

Ein Nachwuchsspieler ist auf dem Court aktiv, Präsident und Trainer Ralph Lengwiler beobachtet.

Bild: PF

Seit dem 11.Mai läuft der Betrieb in der Sportanlage Schaies wieder auf allen Altersstufen, allerdings mit Auflagen. «Zum Beispiel müssen wir in der Box zwei Meter Abstand voneinander halten», erzählt Präsident Ralph Lengwiler, Präsident und Trainer des Squashclubs Appenzell. Normale Matches gegeneinander sind nicht erlaubt, nur Trainingsformen.

«Aber die Freude, sich wieder zu treffen und bekannte Gesichter zu sehen, ist trotzdem gross.»

Ein Mittwochabend, noch bevor es zu einschneidenden Massnahmen wegen des Coronavirus kommt. «Wir haben ein neues Spiel», teilt Lengwiler mit. Die Kinder, die sich in einer der drei Boxen für das Aufwärmen aufgestellt haben, jubeln. «Ihr müsst laufen!»

Steuern mit einer App

Die Spieler halten durch ihre Aktivitäten ein an der Frontwand sichtbares «Paddle» in Bewegung. «Blue wins!», meldet die digitale Einblendung. «Hier steht der erste interaktive Squashcourt der Schweiz», erzählt Lengwiler. Hightech im Schrank, Beamer und Kameras an der Decke machen es unter anderem aus. Mittels App und Bluetooth verschaffen sich externe Benützer den Zugang zur Anlage und verbinden sich mit dem System. Selbstverständlich könne man auch «normal» Squash spielen, sagt der Präsident.

Auf Mitte Mai war in Appenzell die Durchführung der Senioren-Schweizer-Meisterschaften vorgesehen gewesen. Wegen der Coronakrise wurde diese auf den 26./27.September verschoben. Es sei eine Gelegenheit, den Verein und die Anlage überregional zu präsentieren, ergänzt Lengwiler. Wettkämpfe in den Kategorien Ü35 bis Ü70 sind geplant.

Verein hat über 50 Mitglieder

Die Kinder holen bei einem anderen Spiel Punkte, indem sie Bälle in digitale Felder werfen, die möglichst hohe Rechnungsresultate ergeben. Die Sportanlage Schaies ist im Sommer 2019 eröffnet worden. «Für die Errichtung der Boxen steuerten wir einiges Kapital bei», sagt Lengwiler.

Der Verein ist vor 30 Jahren gegründet worden, er hat ein sehr gutes Einvernehmen mit der Öffentlichkeit und den Verantwortlichen des Bezirks. Vor der Einweihung hatten die über 50 Mitglieder zwei «gewöhnliche» Boxen in einem Freizeitzentrum auf der anderen Seite des Dorfes benützt.

Mit Anlage Nachwuchs fördern

Die Innerrhoder widmen sich dem Breitensport, ihre Interclubmannschaft spielt in der untersten Liga, der dritten. Appenzell hätte zu den Barragespielen um den Aufstieg in die zweite Liga antreten dürfen. Die Meisterschaft wurde aber abgebrochen. Die Spitzenklasse ist durch ein Plakat im Treppenhaus der Anlage vertreten: Es wirbt für den World Class Squash Event in Zürich. Auch dieser findet nicht statt.

Lengwiler hat im Frühling an der Generalversammlung des nationalen Verbandes Swiss Squash teilgenommen. Die Förderung des Nachwuchses sei schweizweit ein wichtiges Thema.

«Mit der neuen Anlage ist es natürlich unser Anliegen, dass wir Junge begeistern können.»

Augenmerk auf Schuhwerk

Es sei cool, aber streng, ist von den Mädchen und Knaben zu hören. Man sei im Squash rasch auf Betriebstemperatur, es laufe wegen der geringen Dimensionen in der Box stets etwas, ergänzt Lengwiler, bevor er sich mit der Gruppe ans Schlagen des Balles macht. Dieser ist kleiner als im Tennis, der Schläger länglich und mit einer kleineren Schlagfläche ausgerüstet. Auch die Bewegungsabläufe sind anders. «Man sieht einem Spieler sofort an, ob er vom Tennis kommt.»

Der Ball darf via Seiten- und Rückwand gespielt werden. Wenn der Ball an die Vorderwand geprallt ist, darf er nur einmal den Boden berühren. Dunkle Abdrücke an den Seiten zeugen von Dynamik. Besonders Wert gelegt wird auf das Schuhwerk, das auf keinen Fall schwarze Striche hinterlassen darf. Die Courtböden sind empfindlich. Eine Reinigung bedeutet einen enormen Arbeitsaufwand.

Pfeile geben Laufrichtung an

Bevor die Erwachsenen die Boxen betreten, steht für den Nachwuchs eine abschliessende Herausforderung auf dem Programm. Reaktion, Schnelligkeit, Laufvermögen sind gefragt, wenn der digitale Pfeil an der Frontwand die Bewegungsrichtung vorgibt: Nach rechts vorne, nach links hinten wird immer wieder gehetzt, dazwischen muss stets das «T» angelaufen werden, die zentrale Ausgangsposition für Squashspieler. Der Countdown der 60 Sekunden läuft, die Distanzanzeige ebenfalls. «Yes!» Einer hat die 90-m-Marke geschafft.