Highlander mitten im Toggenburg

Oberhalb der Gemeinde Ebnat-Kappel, auf 1100 Metern über Meer, trifft man auf Schottische Hochlandrinder. Die Familie Keller züchtet diese seit zehn Jahren und beliefert einen treuen Kundenstamm in und um Ebnat-Kappel mit dem bekömmlichen und hochwertigen Fleisch.

Nadine Rydzyk
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Die sonst eher scheuen Tiere haben Vertrauen zu Ruth und Hans Keller. Das Ehepaar ist stolz auf ihre Herde Schottischer Hochlandrinder. (Bilder: Thomas Geissler)

Die sonst eher scheuen Tiere haben Vertrauen zu Ruth und Hans Keller. Das Ehepaar ist stolz auf ihre Herde Schottischer Hochlandrinder. (Bilder: Thomas Geissler)

TOGGENBURG. Sie sehen zottelig und liebenswert aus, die Schottischen Hochlandrinder vom Kebitz-Hof ob Ebnat-Kappel. Das Ehepaar Keller bewirtschaftet hier nach den Richtlinien der Bio Suisse rund 12 ha Land in der Bergzone. Ähnlich sieht es mit ihrem Charakter aus. Dieser ist eher liebenswert, am Anfang sogar zumeist schüchtern. Doch wenn diese Tiere erst einmal Vertrauen gefasst haben, findet man in ihnen herzige und liebenswerte Kühe mit einem herzerweichenden Aussehen. Dieses wird vor allem durch die grossen Hörner und ihrem langen Deckhaar bestimmt, durch die aufmerksamen Augen das Geschehen neugierig und interessiert beobachten.

Geglückte Umstellung

Die besonderen Eigenschaften hatten es auch Ruth und Hans Keller angetan, auch wenn die Hochlandrinder eher wenig Milch geben und sich dafür also nicht eignen. «Früher waren Schottische Hochlandrinder nur im Zoo zu sehen. Als dann in den 1990er-Jahren die ersten Bauernhöfe in der Schweiz die ersten Versuche mit dieser Rasse machten, haben wir uns gleich dafür interessiert und uns sofort in die Tiere verliebt», berichtet Ruth Keller. Überhaupt können beide mit grosser Begeisterung vom interessanten Herdenverhalten der Tiere und deren besonderen Eigenarten erzählen. Dass sie sich für diese Rasse entschieden haben, mussten sie nie bereuen.

Bis 2005 gab es auf dem Hof der Familie Keller das gängige Schweizer Braunvieh, und man betrieb Milchwirtschaft. «Wir mussten nach 20 Jahren die Betriebsform überdenken, da es finanziell nicht mehr aufging», berichtet das Ehepaar. So musste einer der Ehegatten ausserhalb des heimischen Betriebes einen Erwerb als zweites Standbein suchen. Die Kinder, zwei an der Zahl, waren zu diesem Zeitpunkt noch sehr klein. Auch dies musste in die neuen Überlegungen mit einfliessen.

Robust, kompakt und herzig

Die Lösung bot eine Umstellung auf die Zucht und Fleischproduktion mit Schottischen Hochlandrindern, welche es Ruth Keller ermöglichten, sich auch neben der Kinderbetreuung um die Tiere zu kümmern. «Ausserdem wollten wir unseren Betrieb auch auf etwas umstellen, was es noch nicht an jeder Ecke gibt», erzählt Hans Keller. Mit den amüsant aussehenden Hochlandrindern trafen sie eine Wahl, mit der sie gleich in mehrfacher Hinsicht sehr zufrieden sein können. So wurden die ersten Highlander gekauft und nach sanften Umbauten im Stall innerhalb von zwei Jahren die Betriebsform umgestellt. Am Hochlandrind-Zuchtverband angeschlossen, können sie den derzeit zwölf Rindern und dem zur Zucht auf dem Hof gastierenden Stier den empfohlenen, grosszügig bemessenen Raum bieten. «Das ist wichtig, denn wenn man ihnen genug Platz gibt, hat man mehr Ruhe in der Herde», erklärt Hans Keller. Ohnehin schon immer im Kontakt mit der ökologischen Landwirtschaft, ist ihr Betrieb auch mit der Bio-Suisse-Knospe gelabelt.

Die Rasse ist nicht nur robust und kompakt, sondern bringt auch einige Vorteile mit. Ursprünglich war das Schottische Hochlandrind im Norden Schottlands und auf den vorgelagerten Inseln verbreitet. Seit über 200 Jahren ist diese Rasse in unveränderter Form und ohne Einkreuzung vorhanden und heute weltweit verbreitet. Grundsätzlich halten sich die Tiere gern im Freien auf. Im Sommer sind sie auf genügend Schatten angewiesen, und im Winter benötigen sie einen geschützten Fressplatz. Vor Wind geschützt ertragen sie problemlos Minustemperaturen. Bei der Fütterung bevorzugen sie extensive Kost. Ihr Futter wird also eher spät geschnitten und verfügt damit über einen erhöhten Rohfasergehalt und geringen Proteingehalt.

Regelmässige Fellpflege

Das lange Fell bedarf zwar im Winter und Frühling durchaus einmal einer zusätzlichen Pflege, doch sind die Tiere auch gescheit genug, die ihnen angebotenen automatischen Bürsten selbsttätig einzusetzen. Zudem dienen ihnen die imposanten Hörner nicht nur zur Herstellung der Rangordnung innerhalb der Herde, sondern auch zum Kratzen. «Aber sie lieben es auch, wenn man sie striegelt oder kämmt», weiss Ruth Keller zu berichten. Dies hat nicht zuletzt auch einen weiteren positiven Nebeneffekt, denn: «Wir möchten zahme und zugängliche Rinder, die bei uns ein artgerechtes und schönes Leben haben.» Um das Vertrauen der Tiere zu erlangen, muss man allerdings viel Präsenz und Geduld mitbringen.

Vertrieb bis an die Haustür

Die Tiere, welche nicht für die Zucht behalten oder veräussert werden können, dienen der Fleischgewinnung. Sie werden in der Schlachtungsanlage der Region Ober- und Neutoggenburg in Ebnat-Kappel verarbeitet und ausschliesslich im Direktvertrieb veräussert. «Die Schlachtungsanlage kommt uns sehr zustatten, da wir wirklich das Fleisch und die Wurst von unseren Tieren komplett zurückerhalten und damit auch unseren Kunden in der unmittelbaren Umgebung genau sagen können, was sie erhalten. Das schätzen die Leute sehr, und es erfüllt für mich genau den Sinn des Direktvertriebs, genauso wie die Tatsache, dass wir aus Qualitätssicherungsgründen selber bis an die Haustüre ausliefern», erklärt Ruth Keller. Ebenso positiv bewertet sie, dass der Metzger die Tiere genau nach den Wünschen der Produzenten verarbeitet. «Und trotzdem ist unser Fleisch nicht teurer», ergänzt ihr Mann.

Die Schlachtungsanlage wurde auf die Initiative einiger örtlicher Landwirte hin ins Leben gerufen. Als vor über 20 Jahren die Schliessung der Ochsen-Metzgerei in Ebnat-Kappel bekannt wurde, schlossen sich Landwirte aus der Region zusammen, gründeten einen Verein, übernahmen die Schlachtungsanlage und stellten einen gelernten Metzger als Geschäftsführer an. Durch diese Schlachtungsanlage haben die Landwirte die Möglichkeit, ihre Tiere in der Region schlachten zu lassen. Im Jahr 2006 wurde die Anlage bio-zertifiziert, so dass auch Bio-Tiere verarbeitet werden dürfen.

Kundenstamm schätzt Qualität

Die kurzen Transportwege bedeuten weniger Stress für die Tiere, welche beispielsweise von der Familie Keller immer persönlich abgeliefert und begleitet werden. «Gern macht man das zwar nie, da man eine Beziehung zu den Tieren aufgebaut hat, aber es gehört auch dazu», lässt Ruth Keller wissen. Sie ist nicht nur Buchhalterin des Vereins, sondern engagiert sich auch mit neuen Ideen für den Erhalt der Schlachtungsanlage. So hat sie vor rund einem Jahr einen Gönnerverein ins Leben gerufen, durch den auch Nicht-Produzenten als Spender oder Mitglied einen Beitrag zum Erhalt der Schlachtungsanlage leisten können. «Damit kann man die Bauern im Tal darin unterstützen, ihre hochwertigen Produkte direkt zu vermarkten. Der Kunde weiss, von welchem Betrieb er einkauft, wie das Tier lebte, und beim Produzenten bleibt mehr Wertschöpfung», fasst sie die Vorteile zusammen.

Freuen kann sie sich auch über einen ansehnlichen und treuen Kundenstamm, der um die Qualität des Fleisches der Hochlandrinder weiss. «Das hat sich immer weiter herumgesprochen, so dass wir sogar Kunden haben, die eigentlich fleischlos essen, sich aber ein- oder zweimal im Jahr doch den Genuss unseres Hochlandrindfleischs gönnen», erzählt sie. Und dies hat auch einen guten Grund: Das langsame und extensive Wachstum der Schottischen Hochlandrinder wirkt sich besonders positiv auf die Qualität des Fleisches aus. Es entsteht ein kräftiges, dunkles, leicht marmoriertes und damit saftiges Fleisch, was nicht nur besonders geschmackvoll, sondern auch noch cholesterinärmer ist als herkömmliches Rindfleisch. Darauf allerdings muss man auch länger warten als beim klassischen Braunvieh. Die Hochlandrinder werden erst mit etwa zweieinhalb bis drei Jahren geschlachtet. So lange brauchen die Tiere, bis sie erwachsen sind. Wenn sie in der Zucht verbleiben, können sie dafür aber auch problemlos 15 bis 20 Jahre alt werden und jährlich ein Kalb bringen.

Die zotteligen Tiere sehen herzig aus und haben einen liebenswerten Charakter.

Die zotteligen Tiere sehen herzig aus und haben einen liebenswerten Charakter.

Das Fleisch der Schottischen Hochlandrinder ist sehr saftig und besonders gut bekömmlich.

Das Fleisch der Schottischen Hochlandrinder ist sehr saftig und besonders gut bekömmlich.

Bild: NADINE RYDZYK

Bild: NADINE RYDZYK