«Hier oben ist es wie in einer anderen Welt»

Seit 2009 bewirtet Brigitte Schoop zusammen mit ihrem Mann Hampi Wanderer auf der Tierwis. Die gebürtige Alt St. Johannerin liebt die Einfachheit und geniesst die ruhigen Stunden an der Grenze zwischen dem Toggenburg und dem Appenzellerland.

Christiana Sutter
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Brigitte Schoop beim Brotbacken in der Küche der Bergwirtschaft. (Bild: Christiana Sutter)

Brigitte Schoop beim Brotbacken in der Küche der Bergwirtschaft. (Bild: Christiana Sutter)

Brigitte Schoop, seit 2009 verbringen Sie jeden Sommer auf der Tierwis. Vermissen Sie das Tal nicht?

Brigitte Schoop: Das Tal habe ich ja im Winter (lacht). Ich gehe einmal wöchentlich oder sicher alle zehn Tage nach Urnäsch. Es kommt auch immer etwas auf das Wetter an.

Wandern Sie, oder nehmen Sie die Säntisbahn ab Stütze 2?

Schoop: Wenn ich keinen schweren Rucksack habe, laufe ich. Oft zuerst auch noch auf den Säntis, dann nehmen wir die Bahn zum Hinunterfahren. In der Zwischenzeit hat sich auch ein Wettrennen zwischen mir und den Knaben entwickelt. Wir zählen pro Saison die Anzahl Aufstiege von der Schwägalp auf die Tierwis und auch hinauf zum Säntis. Wenn ich mehr habe als einer der Knaben, muss dieser mir im Berggasthaus helfen. Gewinnt einer meiner Knaben, darf er sich etwas wünschen.

Haben Sie keine Angst vor den Gewittern in den Bergen?

Schoop: So lange ich mich im Innern befinde, habe ich keine Angst, draussen ist es dann schon ungemütlich. Ich geniesse die Blitze und Donner. Natürlich schlagen die Blitze oft in der Nähe ein.

Dieser Sommer ist im Vergleich zum Sommer 2014 sehr gut, es hat viele Berggänger. Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Schoop: In den vergangenen Wochen sind bereits um sechs Uhr die ersten Wanderer von der Schwägalp her eingetroffen, dann geht es los. Ich bin dann den ganzen Tag beschäftigt mit Kochen, Putzen und Gäste bedienen. Mir hilft ein Angestellter. Am Abend geht es so lange, wie die Gäste «höckig» sind.

Was machen Sie bei schlechtem Wetter?

Schoop: Jemand ist immer hier, eine Person genügt dann. Es wird die Arbeit nachgeholt, die während der schönen Tage liegen geblieben ist. Ich muss auch wieder Bestellungen machen, vorbereiten und waschen. Ich habe eine Waschmaschine, die mit einem Generator betrieben wird – und dann kann ich auch in Ruhe den Kafi geniessen.

Wie kommen die Lebensmittel auf die Tierwis?

Schoop: Wir haben einen Transportbahn von der Schwägalp aus. Den Helikopter benötigten wir bis jetzt nur einmal.

Was machen Sie im Winter?

Schoop: Ich habe eine Ausbildung als Technische Leiterin gemacht und schaue jetzt zum Skilift in Urnäsch. Für den technischen Unterhalt schaut mein Mann oder eine weitere Person. Ich muss dafür sorgen, dass der Betrieb läuft. Wobei der Lift nur einen Monat pro Winter läuft, wenn es gut geht. Sonst bin ich Hausfrau.

Zwei der Knaben gehen noch zur Schule. Wo sind diese während des Sommers?

Schoop: Sie können bei der Schwiegermutter in Urnäsch wohnen. Wenn sie schulfrei haben, kommen die beiden auch auf die Tierwis.

Was fasziniert Sie am Leben auf der Tierwis?

Schoop: Die Einfachheit. Ich würde diese Arbeit nie machen, wenn ich viele Hilfsmittel hätte. Ich koche beispielsweise mit Holz, das gefällt mir. Hier ist alles etwas langsamer – ich bin auch kein schneller Typ (lacht). Hier oben ist es wie in einer anderen Welt. Die Geschehnisse auf der Welt sind ganz weit weg. Wenn man hier oben ist, hat man den Überblick über das ganze Land und kann denken: Das ist alles mein.

Hat Brigitte Schoop eine Lebensphilosophie?

Schoop: Ja. Hier oben kann ich nicht planen, es kommt sowieso alles ganz anders.