«Hier kann man noch Arzt sein»

Schon als kleiner Junge wollte Frank Spickhoff Arzt werden, wie sein Vater und Grossvater. Nun ist der 46-Jährige der neue Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe im Spital Herisau.

Silvan Heuberger
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HERISAU. Frank Spickhoffs beruflicher Werdegang lässt sich sehen. Neben Stellen als Oberarzt im deutschen Wuppertal und in Düsseldorf war er auch Chefarzt der Frauenklinik des Klinikums München und in Hamburg. Düsseldorf, München, Hamburg – und jetzt Herisau. Warum? «Hier kann man noch richtig Arzt sein», sagt Spickhoff. Das deutsche System sei sehr verwaltungsorientiert, hier hingegen habe man kürzere Dienstwege und flachere Hierarchien.

Zudem habe die südliche Region mit ihrem Klima ihre Reize: «Die Bodenseeregion ist traumhaft schön.» Und auch das Klima am Herisauer Spital gefällt ihm. «Ich geniesse die Atmosphäre und die Art und Weise, wie man miteinander umgeht», sagt Spickhoff.

«Viele Patientinnen heilen»

Der 46-Jährige, der in Wuppertal in der Nähe von Dortmund aufgewachsen ist, wurde in eine Ärztefamilie hineingeboren. Sein Grossvater und sein Vater waren beide auch schon Gynäkologen. Für ihn war zwar schon im Alter von zwölf Jahren klar, dass er auch Arzt werden wollte.

«Ich trieb viel Sport, spielte vor allem Tennis und wollte auch etwas in diese Richtung werden», erzählt Frank Spickhoff. Aus diesem Wunsch heraus lernte er die Faszination für Geburtshilfe und Gynäkologie kennen. «Die Gynäkologie hat einen Vorteil: Man kann viele Patientinnen auch wirklich heilen.» Die hohe «Erfolgsrate» in der Gynäkologie und die vielen positiven Rückmeldungen hätten ihn dazu bewegt, Frauenarzt zu werden.

24-Stunden-Versorgung

Seit dem 1. August ist Frank Spickhoff Chefarzt der Geburtshilfe und der Gynäkologie des Spitals Herisau. Eine der grossen Herausforderungen, denen er sich annehmen wird, ist die Umstrukturierung der Klinik. «Das Ziel ist, eine Frauenklinik aufzubauen, die das gesamte Fachgebiet der Geburtshilfe und der Gynäkologie abdeckt», sagt Spickhoff.

Die Idee sei, dass Patientinnen grösstenteils wohnortnah behandelt werden können. Vor allem im Bereich der Onkologie, also der Behandlung von Krebskrankheiten, wolle man zulegen, sowie bei alternativen Behandlungsmethoden. Zudem wolle man eine 24-Stunden-Versorgung garantieren können.

Inzwischen konnten alle offenen Stellen im ärztlichen Bereich mit kompetenten Fachärzten besetzt werden. So umfasst das Team nun neben Spickhoff zwei leitende Ärzte, eine Oberärztin und fünf Assistenzärzte.

Hohe Fallzahl in Herisau

«Ich würde mich selbst als einen fachlichen Allrounder bezeichnen», sagt Frank Spickhoff. Seine Ausbildung habe er in Kliniken absolviert, in denen er alle Bereiche abdecken musste. Es gäbe daher keine Themen, die er ausgrenze. In den nächsten zwei bis drei Jahren würde er auch gerne vermehrt Sprechstunden zu Bereichen wie Brust, Inkontinenz und Beckenboden durchführen.

Im Spital Herisau werden jährlich 650 Geburten durchgeführt. Gemäss Spickhoff sind die hohen Fallzahlen der guten Patientenversorgung zu verdanken. Für ihn gibt es bei der Geburtshilfe drei Aspekte zu beachten: die Sicherheit, die individuelle Betreuung der Patientinnen und die Fallzahlen.

«Die familiäre Betreuung wird insbesondere von den Wöchnerinnen geschätzt», sagt Spickhoff. Geburten kämen aber nicht saisonal, sondern unterliegen Schwankungen, die nicht berechenbar seien. «Das ist das Schöne an der Geburtshilfe», sagt der Chefarzt. Zum Ausgleich in der Freizeit gehört für ihn Zeit mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen. Daher pendelt er zurzeit oft nach Deutschland, wo seine Familie bis nächsten Sommer noch wohnen wird.

Zudem spielt er gerne Tennis und fährt seit dem siebten Lebensjahr auch Ski, was ihn schon früher häufig in die Schweiz gebracht habe. «Und zugegebenermassen auch nach Österreich», sagt Spickhoff mit einem Lächeln. Über die Schweizer weiss er nur Gutes zu sagen: «Die Mentalität der Schweizer ist eine sehr angenehme.»