Herzschlagfinal mit gutem Ende

Volley Toggenburg hat sich nach einer mässig verlaufenen Saison in den Auf-/Abstiegsspielen nach drei abgewehrten Matchbällen gegen Nationalliga-B-Meister Aadorf doch noch in der Nationalliga A gehalten. Trainer Marcel Erni blickt auf eine Zeit mit Hochs und Tiefs zurück.

Beat Lanzendorfer
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Marcel Erni: Ein letzter Blick zurück, dann beginnen die Planungen für die neue Saison. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Marcel Erni: Ein letzter Blick zurück, dann beginnen die Planungen für die neue Saison. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Haben sich die Emotionen nach dem Herzschlagfinal in Aadorf schon gelegt?

Marcel Erni: Es war tatsächlich unglaublich. Die Leute sprechen mich jetzt noch auf das Spiel an. Es hat Kraft und Nerven gekostet, schenkt den daran Beteiligten aber auch unglaubliche Glücksmomente und ist letztlich ein versöhnliches Ende einer zugegebenermassen verkorksten Saison.

Gibt es rationale Gründe, warum Volley Toggenburg am Ende den Kopf aus der Schlinge zog?

Erni: So ist Sport. Nach dem ersten Spiel, das wir 3:0 gewannen, hatte Aadorf nichts mehr zu verlieren. Danach lagen sie in der zweiten sowie in der entscheidenden dritten Partie nach Sätzen jeweils 2:0 vorne. Ich bin mir nicht sicher, ob Aadorf sich mental mit der Extremsituation der letzten Punkte bei einem Aufstieg vorbereitet hat. Und dann kam dazu, dass wir in diesem Spiel einfach auch mal Glück hatten.

Wie würden Sie das letzte Jahr in einem Satz charakterisieren?

Erni: Eine Saison mit einigen Hochs und vielen Tiefs haben wir zusammen erfolgreich durchgekämpft.

Hochs? Gab es die?

Erni: Sportlich mag es nicht so aussehen. Ich habe aber speziell bei den jungen Spielerinnen enorme Fortschritte festgestellt. Namentlich gehören hier sicher Melanie Brogli erwähnt oder dann auch Jasmine Fiechter, die zur Jugendnationalspielerin aufgestiegen ist. Zu den Hochs zähle ich auch das Trainingslager in Italien und den direkten Wiederaufstieg der 2. Mannschaft in die 1. Liga.

Der Abstieg wurde knapp vermieden. Wäre die Nationalliga B

eigentlich auch eine Option?

Erni: Es gibt Spielerinnen, die bei uns sind, weil sie hier in der höchsten Klasse spielen können. Wären wir eine Liga tiefer, könnten sie sich auch einem Verein in ihrer näheren Umgebung anschliessen. Zudem muss man sehen, dass auch der Aufwand in der Nationalliga B enorm ist – auch finanziell müssten wir uns auf dem gleichen Niveau bewegen.

Obwohl die Saison ein glückliches Ende nahm, kann man nicht zur Tagesordnung übergehen!

Erni: Keineswegs, wir werden die letzten Monate genau analysieren – und zwar sowohl innerhalb der Mannschaft als auch mit Trainerstaff und dem Vorstand Verbesserungsvorschläge für die nächste Saison unterbreiten.

Wenn der Erfolg ausbleibt, kommt meistens die Unzufriedenheit. Gab es auch Auseinandersetzungen innerhalb des Teams?

Erni: Die gab es. Wir haben der Mannschaft immer klar gesagt, dass es ohne gemeinsamen Nenner nicht geht. Trotz unterschiedlicher Charaktere haben wir uns immer wieder zusammengerauft – besonders in der entscheidenden Phase.

Stellen Sie sich grundsätzlich auch in Frage?

Erni: Selbstverständlich. Ich habe die Vertrauensfrage bereits während der Playout-Phase gestellt und dort haben mir Mannschaft und Vorstand signalisiert, dass sie mit mir weiterarbeiten möchten.

Dann wird Marcel Erni Volley Toggenburg auch nächste Saison betreuen?

Erni: Grundsätzlich besteht diese Möglichkeit. Ausser die Verantwortlichen im Vorstand oder die Spielerinnen würden in den kommenden Gesprächen andere Zeichen aussenden.

Wie will Volley Toggenburg nächste Saison unangenehme Überraschungen auf der Position der Ausländerinnen vermeiden?

Erni: Die Amerikanerin Stephanie Zielinski, die am Mittwoch heimgeflogen ist, hat ihr Interesse bekundet, zurückzukehren. Weil sie gut ins Konzept passt und falls die Verhandlungen gut verlaufen, könnten auch wir uns eine Weiterverpflichtung durchaus vorstellen. Die zweite Ausländerin sollte, wenn möglich, aus dem gleichen Kulturraum kommen. Wir schauen uns somit in den USA um, womit wir Startschwierigkeiten eher abfedern könnten. Weiter müssen wir unbedingt die Betreuung der Ausländerinnen vor Ort optimieren.

Die Bulgarin Varbanova, welche ab der Playout-Phase verpflichtet wurde, ist keine Option?

Erni: Aus heutiger Sicht eher nein. Im Verhältnis zu ihrem Preis waren ihre persönlichen Leistungen zu wenig stabil.

Volley Toggenburg hat in den letzten zwei Saisons sieben Ausländerinnen verbraucht. Ist es so schwierig, die richtigen Verstärkungen zu finden?

Erni: Das ist es. Uns werden unzählige Videos angeboten. Anhand dieser Sequenzen zu entscheiden, ist sehr schwer. Darüber hinaus sehen wir nicht in den Menschen hinein. Die zwei letzten Beispiele zeigen, dass die Situation in der Schweiz von den Athletinnen zum Teil unterschätzt worden ist.

Gibt es Schweizer Spielerinnen, die nach den Erfahrungen der vergangenen Saison Volley Toggenburg verlassen wollen?

Erni: So weit sind wir noch nicht. Es wurden mit den Spielerinnen zwar bereits unverbindliche Gespräche geführt. Dabei zeigte sich, dass die meisten bereit sind, eine weitere Saison bei uns zu spielen. Konkretes wissen wir aber erst nach den Gesprächen, die in den kommenden Wochen anstehen. Ich bin mir aber sicher, der Stamm bleibt uns erhalten.

Gibt es schon Zuzüge aus anderen Vereinen?

Erni: Von der Talentschule Zürich werden Vivian Guyer und Stefania Sommer fix zu uns stossen. Zwei Talente, die sich bei uns in idealer Weise weiterentwickeln können und so an das Top-Niveau herangeführt werden. Es ist uns auch gelungen, die Zusammenarbeit mit der Talentschule zu intensivieren. Die zwei Verpflichtungen sind das Ergebnis davon.

Welche Spielerinnen sind reif, um aus der zweiten Mannschaft ins NLA-Team nachzurücken?

Erni: Das ist bei uns ein ständiger Prozess. Miriam Reiser, Nora Terinieri, aber auch Melanie Brogli spielten in dieser Saison sowohl in der 2. Liga als auch in der Nationalliga A. Und mit der Rückkehr dieses Teams in die 1. Liga konnte auch die Lücke zur NLA wieder besser geschlossen werden.

Zurück zu den finanziellen Möglichkeiten. Wie sieht es mit den Finanzen aus? Volley Toggenburg ist bekanntlich seit Jahren nicht auf Rosen gebettet.

Erni: Wir haben uns in dieser Spielzeit eine knallharte Budgetdisziplin auferlegt. Das Rechnungsjahr endet Ende April. Ich als Trainer habe den Überblick noch nicht. Ich wäre aber überrascht, wenn die Rechnung nicht eher positiv abschliesst.

Wie sieht die unmittelbare Zukunft von Volley Toggenburg aus?

Erni: Vorerst haben die Spielerinnen einen Monat Pause. Für den Trainerstaff und den Vorstand beginnt die Zeit der intensiven Gespräche und Entscheidungen. Durch die Entscheidungsspiele wurde die ganze Planung für die neue Saison leider verzögert. Da sind wir jetzt eher spät dran und im Vergleich mit anderen Vereinen sicher nicht im Vorteil. Ich persönlich leite vorerst noch die Trainings mit den Juniorinnen. Wenn es dann mit den Aktiven wieder losgeht, sind drei bis vier Trainings in der Halle sowie zwei wöchentliche Krafteinheiten Pflichtprogramm.