Herz- schmerz

Brosmete

Philipp Langenegger
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Ein Stich ins Herz. Mitten rein. Ich konnte kaum atmen. Geschweige dynamisch auf die Haustüre zu laufen. Himmel! Ich war mitten in Dreharbeiten für eine deutsche Serie in München. Das kann doch nicht war sein. Just erinnerte ich mich an ein Whatsapp-Filmli, welches mir vor wenigen Wochen zugespielt worden war. Die Botschaft der Nachricht waren die Symptome bei einem Herzinfarkt und die wichtigsten Schritte zum Handeln. Nicht warten – handeln.

Ein Arzt versicherte mir einmal, dass mein Herz einem Pferd ähnle. Die Gedanken kreisten sich um das Atmen und das Rossherz. Die Maskenfrau erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden – die einzige, die etwas bemerkte.

Als die Szene im Kasten war, hatte ich zwei Stunden Pause. Ich entfernte mich unbemerkt vom Drehort, stieg in die nächste Münchener Untergrund-Bahn und fuhr in die City. Bei der Haltestelle Max-Weber-Platz stieg ich aus. Rolltreppe hoch und ein Ärztehaus winkte mir zu. Zum Glück gibt es viele Ärztehäuser in deutschen Städten. Wenn auch überfüllt mit Patienten. Am Empfang erklärte ich meinen Herzschmerz. Mit grossen Augen schaute mich die Brünette an. Das Wartezimmer quoll über. Dann ging plötzlich alles schnell. Ich lag auf dem Schragen, sie rasierte mir die Brusthaare, Drähte wurden angehängt, EKG, ein Stich in den Zeigefinger, Blut genommen und da stand sie, die Frau Dr. F. vor mir. Ganz in Weiss. Sie stellte Fragen über Fragen und schaute immer wieder in die verschiedenen Blätter, die die Maschinen ausspuckten. Die Frau Dr. F. nahm sich unendlich Zeit.

Es verklemmte sich ein Muskel in der Herzgegend. «De Suuchog». Die Liebesszene konnte ich doch noch zu Ende spielen. Mein Wegbleiben bemerkte keiner – ausser die Maskenfrau. Die Rechnung der schicken Münchener Arztpraxis kam auch schon: 101 Euro. Und die Moral der Geschichte? Lieber einmal zu früh als zu spät.

Philipp Langenegger