Herrmann hat den Dreh raus

1946 eröffnete Firmengründer Ernst Herrmann zusammen mit seiner Frau in Walzenhausen einen Betrieb für Präzisionsmechanik. Während 70 Jahren hat sich die Vorderländer Firma vom Kleinbetrieb zum Marktleader entwickelt.

René Bieri
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Elektrische Spritzgussmaschine, welche Produkte im Reinraum produziert.

Elektrische Spritzgussmaschine, welche Produkte im Reinraum produziert.

WALZENHAUSEN. Ernst Herrmann ist ein weiteres leuchtendes Beispiel eines gesunden appenzellischen Unternehmertums. Der Vorderländer Geschäftsmann setzte seine Ideen unbeirrt um – die Herrmann AG ist heute ein hochspezialisiertes Unternehmen für die Herstellung von Kunststoffverschlüssen mit rund 75 Mitarbeitenden und Kunden rund um den Globus.

Die Produkte finden Abnehmer in der Agro-, Lebensmittel- und der Pharmaindustrie. Kosmetikverschlüsse sind ebenso auf dem Markt wie solche im Reinigungssektor. Die Schlagzeile «Vom Kleinbetrieb zum Marktleader» auf der Webseite widerspiegelt die Entwicklung des Unternehmens seit der Gründung im Jahre 1946. Und sichtbar wurde dies mit der ständigen baulichen Erweiterung des Unternehmens – die letzte erfolgte im Jahre 2000.

Kunststoff als Zukunft

Als Ernst Herrmann als gelernter Mechaniker und Konstrukteur mit seiner Gattin Fanny nach dem Zweiten Weltkrieg eine kleine Einzelfirma für Präzisionsmechanik eröffnete, löste dies bei den Dorfbewohnern lediglich ein müdes Lächeln aus. Der Firmengründer beschreibt die damalige Zeit mit folgender Notiz: Es war am Abend des 1. August 1946, als von der Bahnstation Walzenhausen telefoniert wurde, dass eine Maschine eingetroffen sei. Als man dann Fanny Herrmann am Nationalfeiertag im flaggengeschmückten Dorf mit dem schwer beladenen Leiterwagen sichtete, kam da und dort Mitleid mit den zugezogenen Leuten auf. Das Ehepaar Herrmann liess sich nicht beeindrucken. Es sollte aber eine Ferienreise sein, die sich die beiden 1950 nach Deutschland gönnten. Auf der Heimfahrt stiessen sie zufällig auf das Hinweisschild «Kunststoffmesse Düsseldorf». Damit erfolgte jener Impuls, der dem Unternehmen eine neue Richtung beschied und am Anfang des heutigen Betriebs stand. Man besuchte die Messe, und für den Tüftler Ernst Herrmann war sofort klar, dass die Zukunft seiner Firma in den Kunststoffen liege. Werkzeuge stellte die Herrmann AG schon früher mit Erfolg her, so dass der Schritt eher klein war, um die Produktion von Kunststoffteilen zu wagen. Rasch entstanden die ersten brauchbaren Verschlüsse. Für das Ehepaar Herrmann war klar geworden: «Jetzt haben wir endgültig Neuland betreten.»

Zulieferer für bekannte Marken

Die ersten Muster überzeugten Firmen wie Ebneter in Appenzell und Zeller in Romanshorn, die für ihre Flüssigprodukte schon lange nach qualitativ guten Kunststoffverschlüssen Ausschau hielten. 1950 wurde die erste Spritzgussmaschine in Betrieb genommen. Der Maschinenpark wie auch die Produkte wurden ständig weiterentwickelt, rund 650 Millionen verschiedener Verschlüsse und anderer Kunststoffprodukte für den Verpackungssektor werden heute hergestellt. Namentlich erwähnt die Herrmann AG jenen der Marke «Topcap», ein revolutionärer Verschluss für Flaschen von Qualitätsweinen. Wetten, dass die Appenzellerinnen und Appenzeller – und nicht nur sie! – an einem solchen Verschluss aus dem Hause Herrmann in Walzenhausen gedreht haben…

Eine Auswahl von Produkten, die für verschiedene Branchen hergestellt werden. (Bilder: Toni Küng)

Eine Auswahl von Produkten, die für verschiedene Branchen hergestellt werden. (Bilder: Toni Küng)

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