Herr über 39 000 Steuerdossiers

Am 1. Januar übernimmt Reto Müller die neugeschaffene Stelle als stellvertretender Sekretär des Finanzdepartements. 20 Jahre lang leitete er die Steuerverwaltung. Nicht alle Entwicklungen erlebt der Betriebswirtschafter als positiv.

Jesko Calderara
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Als stellvertretender Departementssekretär wird sich Reto Müller vor allem mit ökonomischen Themen beschäftigen. (Bild: cal)

Als stellvertretender Departementssekretär wird sich Reto Müller vor allem mit ökonomischen Themen beschäftigen. (Bild: cal)

HERISAU. In wenigen Tagen erhält Reto Müller innerhalb des kantonalen Finanzdepartements einen neuen Arbeitsplatz. Nach 20 Jahren als Leiter der Steuerverwaltung wird er ab 1. Januar stellvertretender Sekretär des Finanzdepartements. Im Rahmen der Reorganisation der Verwaltung ist in sämtlichen Departementen eine solche Stelle geschaffen worden. «Bis zu meiner Pensionierung werde ich noch zwei Jahre vollzeitlich und nochmals so lange Teilzeit als Departementssekretär arbeiten», sagt Müller. Der 61-Jährige fällt beim Gespräch in seinem Büro im Gutenberg-Zentrum durch seine sachliche und ruhige Art auf.

Interner Wechsel als Chance

Den internen Wechsel zum Ende seiner beruflichen Laufbahn sieht Reto Müller als Chance. «Eigentlich sollte man alle 10 Jahre etwas Neues machen.» Als stellvertretender Departementssekretär wird er wieder im Regierungsgebäude arbeiten und sich vor allem mit ökonomischen Themen beschäftigen. Dazu gehört beispielsweise die Mitarbeit bei der Aufgaben- und Finanzplanung des Kantons. Auch mit den Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III auf Appenzell Ausserrhoden und der Umsetzung eines internen Kontrollsystems wird sich der studierte Betriebswirtschafter künftig beschäftigen.

Zwei Chefs in 20 Jahren

Seit März 1995 leitet Reto Müller die Steuerverwaltung. Zuerst war Marianne Kleiner seine Chefin, seit zwölf Jahren ist es der aktuelle Finanzdirektor Köbi Frei. «Meine Aufgabe war es, das Amt so zu organisieren, dass es funktioniert», sagt Müller.

Der Prozess beginnt mit der steuerlichen Veranlagung und endet bei der Abrechnung mit den 68 Körperschaften, zu denen die Steuereinnahmen weitergeleitet werden. Dazu zählen etwa der Kanton, die 20 politischen Gemeinden und die Kirchgemeinden. Müller erwähnt verschiedene Aspekte seiner bisherigen Tätigkeit, die ihm besonders gefallen haben. «Ich legte immer Wert auf ein kundenorientiertes Verhalten im Umgang mit den Bürgern.» Freude bereitet hätten ihm auch die Führung des Amts als eigenständiges Unternehmen mit den verschiedenen Funktionen und die Weiterentwicklung seiner Angestellten, betont er.

Starkes Personalwachstum

Bestand das Team bei Müllers Amtsantritt noch aus 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sind es heute bereits deren 52. Insgesamt bearbeitet die kantonale Steuerverwaltung, die künftig Jacques Oberli führt, 39 000 Steuerdossiers von Privatpersonen und juristischen Personen. Laut Müller hat das personelle Wachstum mehrere Gründe: «Seit 2002 gibt es in den Gemeinden keine Steuerämter mehr, diese Aufgabe hat der Kanton übernommen.» Zudem sei die jährliche Veranlagung eingeführt worden. Zwei zusätzliche Steuerkommissäre wurden im Rahmen des Entlastungsprogramms angestellt. In den zwei Jahrzehnten hat Müller so manche Veränderung miterlebt. «Entscheide der Behörden werden weniger akzeptiert als früher.» Auch die Zahl jener, die keine oder eine fehlerhafte Steuererklärung einreichen, habe eher zugenommen. Solche gesellschaftlichen Entwicklungen müsse man wohl oder übel akzeptieren, sagt Müller. Noch heute werden in der Steuerverwaltung relative viele Arbeitsschritte manuell ausgeführt. Abhilfe schaffen soll eine Steuersoftware, welche 2017 eingeführt wird.

Diplomierter Wirtschaftsprüfer

Mit Steuerfragen beschäftigt sich der Vater dreier Kinder schon sein ganzes Berufsleben lang. Nach Abschluss des Studiums an der Universität St. Gallen bildete sich Müller zum Wirtschaftsprüfer weiter. Später baute er für PricewaterhouseCoopers den Bereich Steuerberatung für die Niederlassung St. Gallen auf.

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