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Herr Jütting, Teil 2

Brosmete
Richard Fischbacher

Ich hätte nicht gedacht, dass ich Herrn Jütting aus Ostfriesland nochmals auspacken muss. Erinnern Sie sich? Anfang Oktober des letzten Jahres schrieb ich über den Ausrufer, der noch heute durch sein Dorf zieht und einen Todesfall verkündet. Ich hoffte damals, dass der Kanton Appenzell Ausserrhoden sich dazu besinnt, die Veröffentlichung von Zivilstandsereignissen – und dazu gehören die amtlichen Todesanzeigen – wieder zuzulassen. Und siehe da: Es ist so gekommen.

Wenn ich aber nun das «St. Galler Tagblatt» lese, so fällt mir auf, dass zwar Todesanzeigen aus Wittenbach oder Gossau amtlich veröffentlicht werden, seit Anfang Jahr aber jene aus St. Gallen fehlen. Was nun? Sterben in St. Gallen keine Leute mehr? Mitnichten. Gemäss Stadtpräsident Thomas Scheitlin wird aus rechtlichen Gründen und aus Datenschutzgründen darauf verzichtet. Im Übrigen sei das öffentliche Interesse nicht gegeben. Herr Präsident, wenn ich einmal sterbe, möchte ich, dass dies viele meiner Freunde und Bekannte erfahren. Es soll sich eine grosse Trauergemeinde, um mein Grab versammeln können. Psychologen sagen, dass Abschied nehmen wichtig sei. Aber wenn meine Freunde und Bekannte nicht wissen, dass ich gestorben bin, wie können sie denn Abschied nehmen? Nein, nein, so geht das nicht.

Viele denken anscheinend wie ich. Die Reaktionen auf den Entscheid waren denn auch zahlreich und zum Teil nicht sehr höflich. Zu bedenken gilt es, dass es nicht jeder Trauer- familie möglich ist, die hohen Kosten für eine Traueranzeige zu berappen. Klar, hinter dem Datenschutz lässt sich’s heute immer gut verstecken. Facebook, Twitter, Whatsapp und weiss ich, was es noch gibt, lassen grüssen. In der Zwischenzeit gibt es sogar einen politischen Vorstoss zweier CVP-Politiker. Meine Taktik in dieser Sache steht auch schon fest. Sollte die Stadt nicht einlenken, rufe ich unverzüglich den ehemaligen Standesbeamten, Herrn Jütting, an. Vielleicht zügelt er ja von Ostfriesland nach St. Gallen.

Richard Fischbacher

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