«Hermann» wirbt für die Menschenrechte

Vor 100 Jahren

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Vor 100 Jahren

24. Juni: Lichtensteig. In Lichtensteig sind durch eine Kommission des Volkswirtschaftsdepartements des Kantons St. Gallen eine Anzahl Milchkühe zu sehr hohen Preisen für die Oesterreichische Viehverwertungs-Gesellschaft in Wien aufgekauft worden. Im ganzen wurden, wie toggenburgische Blätter berichten, 23 ältere, schwere, zum Teil trächtige Kühe zu dem horrenden Preise von 23 690 Franken verkauft.

24. Juni: Wattwil. Mit der nächsten Kino-Vorstellung wird den Besuchern als Hauptnummer «Der Raub des indischen Tempelkleinods» vorgeführt. Dieses Stück, das sich in dem Wunderlande Jndien abspielt, ist in grösseren Städten mit sehr grossem Beifall aufgenommen worden und wird auch hier ohne Zweifel ein dankbares Publikum finden. Neben einigen lustigen und fröhlichen Stücken wird auch wieder ein interessanter Kriegsfilm dem sehr reichhaltigen Programm eingeschaltet.

28. Juni: Wattwil. Nach einer Meldung der «Neuen Zürcher Zeitung» soll hier am Samstag ein schweres Hagelwetter niedergegangen sein. Glücklicherweise bestätigt sich diese Nachricht nicht; vermutlich liegt eine Verwechslung mit Wattenwil im Bernbiet vor.

28. Juni: Dietfurt. Am Montag abend ertrank in der Thur bei Reparatur der Turbine der Spinnerei Dietfurt ein Arbeiter. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden.

Vor 50 Jahren

24. Juni: Heiterswiler Chronik. «Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere». Diesem Ausspruch begegnete der Chronist erstmals vor Jahren, als ein Geschäftsführer mit der Kasse verschwand und eine vertrauensselige, verwitwete Firmeninhaberin anschliessend in Konkurs brachte. Seither ist er ihm schon öfter wieder zu Gehör gekommen. Ja es scheint ihm, dass mit der Zunahme der Bevölkerungsdichte der Abstand von Mensch zu Mensch innerlich zu wachsen droht. Vielleicht ertragen und vertragen sich im allgemeinen die Heiterswiler deshalb so gut, weil sie die nötige «Aermelfreiheit» gegenüber dem Nachbarn rein räumlich schon haben.

27. Juni: Ebnat-Kappel. Friedlich leben gegenwärtig im Garten von Kantonsrat T. Zimmermann in Ebnat-Kappel ein Rehkitz, ein Hirschkalb und ein Hund zusammen. Das kleine Bambi wurde beim Heuet von einer Mähmaschine verletzt und dem als Tierfreund ebenso wie als Obmann einer Jagdgesellschaft bekannten Kantonsrat gebracht. Am gleichen Tag wurde nicht weit vom «Unfallort» entfernt auch ein verletztes Hirschkälblein gefunden, und auch dieses Tierchen, wie das Rehkitz erst einen Tag alt, kam zu Zimmermann in Pflege.

Vor 20 Jahren

24.Juni: Nesslau. Ortsgemeinde Nesslau und Kreisalpenkorporation Krummenau-Nesslau mit neuem Werkhof. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes soll auch in Zukunft erhalten bleiben, auch wenn die momentane Situation besser sein könnte. Aus diesem Grund realisierte die Ortsgemeinde den neuen Werkhof Stich, und die Kreisalpenkorporation Krummenau-Nesslau erhielt eine neue Einstellhalle im Seebengattern, es wurden 440 000 Franken investiert.

26. Juni: Bütschwil. Spatenstich für den Bau der 80 Meter Rutschbahn beim Hallenbad Bütschwil. Erst die Vergabe von 420 000 Franken à-fonds-perdu-Beiträgen der Gemeinden Bütschwil, Ganterschwil, Lütisburg, Mosnang und Oberhelfenschwil machte es möglich, in die Detailplanung einzusteigen. Damit der Bau überhaupt realisiert werden kann, war vom Kanton eine Grenzerweiterung zum Zivilschutzausbildungszentrum nötig, die jedoch problemlos erteilt wurde.

Vor 10 Jahren

26. Juni: Schwägalp. Das Oldtimertreffen auf der Schwägalp entwickelt sich zu einem festen Wert der Szene: Der grosse Parkplatz bei der Säntisbahn war fest in der Hand der Liebhaber der alten Fahrzeuge. Und was sie zu sehen bekamen, war vom Feinsten. Liebevoll restaurierte Oldies aus den 20er-Jahren waren ebenso zu bewundern wie auch heute noch alltagstaugliche Wagen aus den 50ern. Die ganze Bandbreite automobiler Technik sowie als Pendents die zahlreichen Motorräder waren vertreten. Es waren aber beileibe nicht nur die «Hardcore»-Fans angereist – auch viele Familien verbanden einen Ausflug mit dem Schnuppern von Benzindunst.

27. Juni: Toggenburg. Hermann wirbt für die Menschenrechte. Der Hermann-Teig ist eine flüssige Sauerteigmasse, die über Wochen, Monate oder gar Jahre immer weitergegeben wird. Die temporäre Besitzerin oder Besitzer (es soll auch Kuchen backende Männer geben) hegt und pflegt, «-füttert» (mit Mehl, Zucker und Milch) die erhaltene kleine Teigmasse, vermehrt sie auf diese wundersame Weise, teilt sie nach zehn Tagen in vier gleiche Teile auf und verschenkt drei Teile davon weiter. Als Lohn für zehn Tage lange Aufmerksamkeit bleibt die Aufgabe, aus dem hermanniglichen Grundteig mit Zutaten nach Wahl einen feinen Kuchen zu backen. Als Menschenrechts-Hermann-Kuchen will er auffordern, bei der Abstimmung über das Asyl- und Ausländergesetz ein Nein in die Urne zu legen.