HERISAU/ST. GALLEN: Hoch hinaus mit der St. Galler Feuerwehr

HERISAU/ST. GALLEN. Was machen die Angehörigen der St. Galler Berufsfeuerwehr, wenn es nicht brennt? Die beiden Herisauer Schüler Nael und Ozan durften im Rahmen der Aktion «Blick hinter die Kulissen» das Feuerwehrdepot besichtigen. Was sie sahen: Den Feuerwehrleuten geht die Arbeit nicht aus.

Karin Erni
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Zum Abschluss der Führung geht es mit dem Hubretter in luftige Höhen. (Bilder: ker)

Zum Abschluss der Führung geht es mit dem Hubretter in luftige Höhen. (Bilder: ker)

HERISAU/ST. GALLEN. Was machen die Angehörigen der St. Galler Berufsfeuerwehr, wenn es nicht brennt? Die beiden Herisauer Schüler Nael und Ozan durften im Rahmen der Aktion «Blick hinter die Kulissen» das Feuerwehrdepot besichtigen. Was sie sahen: Den Feuerwehrleuten geht die Arbeit nicht aus. Zu den Aufgaben der ältesten Berufsfeuerwehr der Schweiz gehört weit mehr als das Löschen von Bränden. So sind die Männer bei Chemie- oder Ölunfällen im Einsatz und bekämpfen Hochwasserschäden. Den grössten Anteil an der Arbeit hat indes der Bereich Dienstleistungen. Darunter fällt beispielsweise die Entfernung von Wespennestern oder die Rettung von Tieren.

Ungewöhnliche Arbeitszeiten

Während sich in ländlichen Gemeinden ausschliesslich Freiwillige als Feuerwehrleute betätigen, beschäftigt die Stadt St. Gallen eine 39 Mann starke Berufsfeuerwehr. Ihre Angehörigen stehen Tag und Nacht bereit, um bei einem Alarm innert 90 Sekunden ausrücken zu können. Damit dieser Dienst stets gewährleistet ist, stehen zwei Züge à 18 Mann zur Verfügung. Elf davon sind jeweils 24 Stunden im Einsatz. Drei Personen sind in der Leitung tätig. Schichtwechsel ist morgens um 6.45 Uhr. Die Feuerwehrleute essen und schlafen im Gebäude. Ein eigentliches Wochenende haben sie nicht. Jeder sechste Arbeitstag ist ein fest zugeteilter Rasttag. «Wenn wir einen Dienst auslassen, ergeben sich dadurch drei Freitage», erklärt Korporal Daniel Häfliger. Trotz der ungewöhnlichen Arbeitszeiten kennt die Berufsfeuerwehr St. Gallen keine Rekrutierungsprobleme. Kürzlich haben gerade wieder drei Männer den 18monatigen Lehrgang zum Berufsfeuerwehrmann mit eidgenössischem Fachausweis absolviert.

Geregelter Tagesablauf

Wer sich für eine Ausbildung interessiert, muss einen Handwerksberuf erlernt und vier Jahre Berufserfahrung haben. Dies, weil die Feuerwehrleute während des Tages in den hauseigenen Werkstätten beschäftigt sind. Hier führen sie diverse Wartungs- und Reparaturarbeiten aus. «Neben unserem eigenen Material warten wir auch jenes von anderen Corps in der Region», sagt Daniel Häfliger. So werden in einer Abteilung Atemschutzausrüstungen gereinigt und kontrolliert. «Diese Ausrüstung ist für uns lebenswichtig und die regelmässige Kontrolle unumgänglich.» In der hauseigenen Schlosserei werden Spezialanfertigungen für Feuerwehrautos hergestellt. «Hier fertigen wir auch für andere Feuerwehren gemäss ihren Bedürfnissen.» Die Ausrüstung muss sauber gehalten werden. Für die Uniformen steht dafür eine professionelle Waschmaschine zur Verfügung und auch die Schläuche werden maschinell gereinigt. Der Wagenpark, der zurzeit aus 18 Fahrzeugen besteht, muss gereinigt und betankt werden.

Beeindruckender Fuhrpark

Während des Besuchs der Appenzeller Zeitung sind zwar nicht alle Fahrzeuge im Depot. Dennoch sind die beiden Jugendlichen beeindruckt von den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten des Fuhrparks. So verfügt die St. Galler Berufsfeuerwehr über zwei verschiedene Tanklöschfahrzeuge. Eines davon ist speziell für den Einsatz auf dem Land konzipiert. «Die Stadt ist mit ihren 90 Bauernhöfen wie ein grosses Dorf», sagt Daniel Häfliger.

Auf Interesse bei den beiden Jugendlichen stösst das Pionierfahrzeug, das bei Unfällen im Strassenverkehr eingesetzt wird. Es verfügt über kräftige Rettungsscheren und Spreizer, mit denen eingeklemmte Personen aus beschädigten Autos befreit werden.

Körperliche Fitness wichtig

Wer stundenlang mit einer rund 40 Kilo schweren Ausrüstung unter schwierigen Bedingungen im Einsatz steht, muss über eine gute körperliche Verfassung verfügen. Zweimal pro Woche treiben die Männer deshalb während der Arbeitszeit Sport. Dazu haben sie sich eine eigene «Muckibude» eingerichtet. Hier stehen verschiedene Ausdauergeräte und Hanteln für das Krafttraining. Manche absolvieren abends noch zusätzliche Trainingseinheiten und nehmen an den speziellen Feuerwehr-Meisterschaften teil.

Ob die Feuerwehrleute auch wie im Film die Stangen hinunterrutschen, wollen die beiden Jugendlichen wissen. Tatsächlich führt im Treppenhaus der schnellste Weg durch ein Loch in den unteren Stock. Gefährlich sei das nicht, sagt Daniel Häfliger. «Wenn wir nachts schlaftrunken die Treppe hinunterrennen würden, wäre das Verletzungsrisiko grösser.» Man dürfe nur nicht mit nassen Händen die Stange hinunterrutschen, so der Feuerwehrmann. «Das brennt!»

Hier werden die Atemflaschen mit Pressluft gefüllt.

Hier werden die Atemflaschen mit Pressluft gefüllt.

Wie im Film: Die Feuerwehrleute rutschen die Stange hinunter. (Bild: ker)

Wie im Film: Die Feuerwehrleute rutschen die Stange hinunter. (Bild: ker)

Nach einem anstrengenden Tag ist ein TV-Abend das richtige.

Nach einem anstrengenden Tag ist ein TV-Abend das richtige.

Blick ins Schlafzimmer, das sich vier Feuerwehrleute teilen.

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Der Zentralist verlässt die Zentrale nur zum Essen.

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Bild: KARIN ERNI

Bild: KARIN ERNI