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Akademische Titel gegen Gebühren: Herisauer Schein-Uni muss schliessen

Die «Freie und private Universität Herisau» hat jahrelang dubiose akademische Titel für teures Geld angeboten. Nun stellt sie den Betrieb ein. Grund dafür ist eine Gesetzeslücke, die geschlossen wurde.
Jesko Calderara
Die Universität Herisau vergab den Titel «Doktor der industriellen Wissenschaften». (Bild: Getty)

Die Universität Herisau vergab den Titel «Doktor der industriellen Wissenschaften». (Bild: Getty)

Sie braucht keinen Hörsaal, keine Professoren und kostet den Steuerzahler keinen Franken: «Die Freie und private Universität Herisau». Das Institut gehört zu den sogenannten Titelmühlen, die gegen hohe Gebühren akademische Titel vergeben. In solchen Schein-Universitäten ist es für Studierende ein Leichtes, zu einem Abschluss zu kommen, sofern sie tief in die Tasche greifen.

Ein Doktortitel kann dabei gegen 20000 Franken kosten.

Wer an der Universität Herisau als Doktorand zugelassen wurde, ein einjähriges Promotionsstudium absolvierte und eine Dissertation einreichte, konnte seine Ausbildung in der Hinterländer Gemeinde mit dem «Doktor der industriellen Wissenschaften» (Dr. sc. ind.) abschliessen. Der Haken daran: Solche Titel sind weder in der Schweiz noch in Deutschland und Österreich, wo viele der Kunden herkommen, anerkannt.

Universität Teufen war bis Ende 2009 aktiv

Die Universität Herisau ist offiziell in einem Geschäftshaus mitten im Zentrum untergebracht und existiert seit über 20 Jahren. Sie steht unter der Leitung der «Gesellschaft für Lehre und Forschung in den Industriellen Wissenschaften». Nun musste die Universität Herisau aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben ihren Betrieb per sofort einstellen. Der Internetauftritt wurde bereits abgeschaltet. Auf der Website heisst es lediglich: «In Folge der Änderung des Bundesgesetzes über die Förderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich und der Rechtsprechungsauslegung, ist es unserer Privatschule unmöglich geworden, sich an die neuen Parameter, die verlangt werden, anzupassen.» Mehr wollten die Verantwortlichen auf Anfrage dazu nicht sagen.

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden scheint ein beliebtes Pflaster für Titelmühlen zu sein. Zwischen 1985 und 2009 war die «Freie Universität Teufen» aktiv. Sie verkaufte teure und wertlose akademische Grade. Damit sorgte sie in Deutschland immer wieder für Schlagzeilen. So waren etliche Topmanager aufgeflogen, weil sie sich mit falschen Titeln schmückten.

Wenig Spielraum für den Kanton

Private Universitäten wie jene zwei im Appenzellerland profitierten jahrelang von einer Gesetzeslücke. Nun wurde diese geschlossen. Auf Bundesbern ist im Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz mit der institutionellen Akkreditierung ein Instrument verankert worden, welches das Bezeichnungsrecht als Universität regelt. Für die Titelmühlen hat dies Folgen.

«Private Anbieter müssen sich ebenfalls akkreditieren, wenn sie sich weiterhin Universität nennen wollen», sagt Martina Weiss, Generalsekretärin der Swissuniversities, der Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen. Für diesen Schritt nennt das Gesetz einige Voraussetzungen, unter anderem eine hohe Qualität in der Lehre und Forschung. Kaum Möglichkeiten, um unseriösen Bildungsinstitutionen ein Ende zu setzen, hat dagegen Appenzell Ausserrhoden. Der Kanton habe kein eigenes Hochschulgesetz, sagt Weiss. «Damit fehlte die gesetzliche Grundlage, um eine Schule zu schliessen.»

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