Herisauer Kultbier jubiliert

HERISAU. Vor zehn Jahren gründeten Jugendfreunde aus Herisau die Kleinbrauerei Bofo. «Mitschuldig» daran ist ein Alt-Bundesrat. Am Samstag finden im Alten Zeughaus die Jubiläumsfeierlichkeiten statt.

Patrik Kobler
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Prost: Die erfolgreichen Bierbrauer Marco Forrer, Jeremias Bolt und Florian Erny (von links). (Bild: Bruno Eisenhut)

Prost: Die erfolgreichen Bierbrauer Marco Forrer, Jeremias Bolt und Florian Erny (von links). (Bild: Bruno Eisenhut)

Wie viel Bier sie heute produzieren, bleibt Geschäftsgeheimnis. Es ist aber wohl mehr, als sich die beiden Jugendfreunde Marco Forrer und Jeremias Bolt jemals erträumt haben. Sie hatten einst im Ausgang die «Juxidee», ihr eigenes Bier herzustellen. Sie bestellten sich im Internet ein Starterkit und überraschten ihren Kollegenkreis mit der «Bieridee». «Das Bier war zwar geniessbar, jenes der Brauereien aber besser», sagt Marco Forrer. Danach verfolgten sie ihre Bierbrauer-Karriere vorerst nicht weiter.

Dann aber führte ein Ausflug die Freunde zu einem Hopfenbauer in Unterstammheim. Als im Dezember 2003 Hans-Rudolf Merz in den Bundesrat gewählt wurde und ihm zu Ehren eine Feier geplant war, beschlossen Marco Forrer und Jeremias Bolt, ein Hans-Rudolf-Merz-Bier zu kreieren. Dieses stellten sie damals nicht selber her, sondern bezogen es in Unterstammheim. Sie versahen jedoch über 1000 Flaschen mit ihren eigenen Etiketten. Weil das Bier reissenden Absatz fand, gründeten sie ihre eigene Brauerei Bofo Bräu.

Learning by doing

In der Folge eigneten sich Jeremias Bolt, Marco Forrer und der Dritte im Bunde, Florian Erny, das nötige Wissen an. Dabei gingen sie nach dem Prinzip «Learning by doing» vor. Sie starteten mit bescheidenen Mitteln, mussten sie sich doch die Utensilien mit dem Lehrlingslohn beschaffen. Inzwischen hat ihre Brauerei eine stattliche Grösse erreicht. Eingerichtet haben sich die Freunde im Mühlebühl, wo sie 2006 zur Fussball-WM in Deutschland auch ihr Braulokal eröffnet haben. Dieses ist jeweils am Dienstag- und Freitagabend geöffnet und als Treffpunkt für Jung und Alt bekannt. «An Länderspielen der Schweizer Nati hatten wir schon über 100 Leute und eine super Stimmung hier», sagt Marco Forrer.

Längst verkaufen die Freunde ihr Bier nicht mehr in Flaschen. Obwohl sie im Eigenbau eine Maschine gebaut haben, war das Abfüllen ein grosser Aufwand. Für den Offenausschank an Anlässen haben sie ein spezielles Gefährt auf drei Rädern gebaut. Dieses gehört zu den Markenzeichen von Bofo Bräu.

Bierbrauen als Hobby

Obwohl ihre Brauerei in den letzten Jahren sukzessive gewachsen ist, gehen die Freunde hauptberuflich einem anderen Broterwerb nach. Das Bierbrauen ist für sie immer noch ein Hobby, das vor allem Spass macht. Schützengarten & Co. müssen sich nicht vor einem Konkurrenten aus dem Ausserrhodischen fürchten. Wie sie ihr Geschäft in den nächsten Jahren weiterentwickeln wollen, lassen Marco Forrer und Jeremias Bolt offen. Wenn sie ihre Brauerei als Hobby weiterführen wollen, sind dem Wachstum Grenzen gesetzt. «Der Reiz ist da, der Nachfrage gerecht zu werden», sagt Forrer. Jede Entwicklung löse jedoch einen «Rattenschwanz an Investitionen aus». Deshalb suchen sie nach Optimierungen; beispielsweise, indem sie sich mit einer anderen Brauerei das Sudhaus teilen.

Jubiläumsfest

An diesem Samstag feiert Bofo Bräu ab 15 Uhr im Alten Zeughaus das Jubiläum. «Das Programm hält für jeden Geschmack etwas bereit», sagt Marco Forrer. Gespannt sind sie, wie viele Leute kommen werden und ob Hans-Rudolf Merz vorbeischaut, an der Firmengründung ist er ja nicht ganz «unschuldig».