HERISAU/BERN: Der Musterschüler

Vor einem Jahr ist der Ausserrhoder Nationalrat David Zuberbühler bei null gestartet. Inzwischen scheint er sich gut in Bern eingelebt zu haben. Sein Wirken löst allerdings zwiespältige Reaktionen aus.

Patrik Kobler
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David Zuberbühler (rechts) sitzt im Nationalratssaal ganz zuvorderst. Sein Nachbar ist Lukas Reimann. (Bild: Karl-Heinz Hug)

David Zuberbühler (rechts) sitzt im Nationalratssaal ganz zuvorderst. Sein Nachbar ist Lukas Reimann. (Bild: Karl-Heinz Hug)

Patrik Kobler

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@appenzellerzeitung.ch

Seit einem Jahr gehört David Zuberbühler dem Nationalrat an. In den Medien wird er ganz unterschiedlich wahrgenommen. Der «Tages-Anzeiger» sieht ihn als Zukunftshoffnung der SVP:«Er schaltet sich gerne mit Zwischenfragen in die Ratsdebatte ein, hat keine Scheu vor grossen Themen.» Weniger wohlwollend fällt das Urteil der «Zeit»-Journalistin Aline Wanner aus. Sie hat den 37-jährigen SVP-Politiker ein Jahr lang begleitet. Einer wie «dä Zubi» könne in Bern nicht viel erreichen, schreibt sie. «Im Wahlkampf, da mochte Zuberbühlers ehrliche Ahnungslosigkeit überzeugen. Aber in Bern funktioniert das nicht.» Im Nationalratssaal besetzt der Herisauer einen Platz in der vordersten Reihe. Die Leute mit Einfluss in der Partei würden jedoch hinten sitzen, heisst es in der «Zeit». Zuberbühlers Sitznachbar ist Auns-Präsident Lukas Reimann. «Ich geniesse es, vorne am Puls des Geschehens zu sein», sagt der Ausserrhoder. Dass er nach einem Jahr in der 65-köpfigen SVP-Fraktion noch nicht zu den Schwergewichten gehört, ist auch ihm bewusst. Das vernichtende Urteil der «Zeit»-Journalistin lässt ihn nicht kalt. «Viele wissen aber auch nicht, wie der Betrieb in Bern funktioniert», so Zuberbühler. Man erhalte die Unterlagen kurz vor Sessionsbeginn zugestellt. Es sei gar nicht möglich, über jedes Geschäft detailliert Bescheid zu wissen. Durch die Zugehörigkeit in Kommissionen erwerben sich die Nationalräte aber ihre Spezialgebiete. Zuberbühler gehört der Sicherheitspolitischen Kommission an. Er versucht aber auch, mit anderen Themen Präsenz zu markieren; beispielsweise mit dem Vorstoss zur Abschaffung der Halbkantone. Apropos Präsenz: Zuberbühler übernimmt im Rat die Rolle des Musterschülers. Er will möglichst keine Abstimmung verpassen. Die meisten anderen seiner Ratskollegen sind hier weniger diszipliniert. Wenn es Ausserrhoder Interessen dient, wagt er auch, von der Fraktionsmeinung abzuweichen. «Dafür ernte ich immer wieder böse Kommentare.» Es brauche Rückgrat, dennoch der eigenen Meinung treu zu bleiben, sagt er. «Ich hatte deswegen schon einige schlaflose Nächte.» Auf die leichte Schulter nimmt er seine Aufgabe nicht. Doch er scheint sich in Bern wohlzufühlen. Wenn er durchs Bundeshaus geht, wird er immer wieder gegrüsst. Besonders gut sei der Kontakt zu anderen Neugewählten. Es habe sich «ein Grüppli» gebildet, das auch ausserhalb des Bundeshauses Zeit miteinander verbringe. So sei er auch schon zu vorgerückter Stunde von Ratskollegen mit einer Flasche Appenzeller im Hotel erwartet worden, plaudert er aus dem Nähkästchen. Während der Session wohnt der verheiratete Vater zweier Söhne in Bern. Daheim in Herisau arbeitet er auch immer noch im Schuhgeschäft mit, für das allerdings sein Bruder die Hauptverantwortung trägt. Das lässt ihm die Möglichkeit, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen: Im kommenden Frühjahr wird er eine Vorstandsfunktion im Schweizerischen Schuhhändler Verband übernehmen. Ganz unbemerkt ist David Zuberbühlers Wirken in Bern also nicht geblieben.

 

David Zuberbühler (rechts) sitzt im Nationalratssaal ganz zuvorderst. Sein Nachbar ist Lukas Reimann. (Bild: Karl-Heinz Hug)

David Zuberbühler (rechts) sitzt im Nationalratssaal ganz zuvorderst. Sein Nachbar ist Lukas Reimann. (Bild: Karl-Heinz Hug)

Im Gespräch mit Roger Köppel. (Bild: Keystone)

Im Gespräch mit Roger Köppel. (Bild: Keystone)