HERISAU: Wenn Schüler Schüler belehren

Seit Beginn des Projekts «Freelance» nimmt Lehrerin Selma Göltenboth mit ihren Schülern daran teil. Bei den vier Plakatwettbewerben haben sie bis anhin immer die Endausscheidung erreicht.

Alessia Pagani
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Die vergangenen Plakate der Oberstufenschüler von Selma Göltenboth thematisierten Alkohol, Zigaretten und das Kiffen. Das diesjährige Plakat dreht sich um die Spielsucht. (Bild: PAG)

Die vergangenen Plakate der Oberstufenschüler von Selma Göltenboth thematisierten Alkohol, Zigaretten und das Kiffen. Das diesjährige Plakat dreht sich um die Spielsucht. (Bild: PAG)

Alessia Pagani

alessia.pagani@appenzellerzeitung.ch

«Wir haben an der Schule kein akutes Problem bezüglich Rauchen. Vielleicht haben das einzelne Schüler, nicht aber die Mehrheit. Es ist aber wichtig, darüber zu reden», sagt Selma Göltenboth. Die 32-Jährige unterrichtet seit zehn Jahren an der Oberstufe Herisau Deutsch, Englisch, Französisch und Sport. Zudem ist sie Präsidentin des Kodex-Vereins Herisau und Umgebung, der unter anderem nichtrauchende Jugendliche vereint und jährlich ehrt. Mit ihren Schülern hat die Gaiserin bereits viermal beim Plakatwettbewerb der Präventionskampagne «Freelance» teilgenommen. Dabei geht es darum, dass Oberstufenschüler Ideen entwickeln zu den Themen Tabak, Alkohol und Drogen sowie zu den digitalen Medien und diese als Plakate gestalten (siehe Zweittext). «Die Themen lassen sich gut in den Deutschunterricht integrieren», so Göltenboth. Immer die gleichen Unterrichtsmaterialien oder dieselbe Herangehensweise würden den Wert der Diskussionen allerdings mindern. «Das ist eine neue Art der Prävention. Ich schätze die Ideen der jeweiligen Schüler. Jeder Jahrgang geht wieder neu und sehr offen an das Thema heran.» Für die Jugendlichen sei es sehr motivierend, wenn sie Plakate gestalten könnten mit der Aussicht, dass diese der breiten Öffentlichkeit vorgestellt würden. Einzige Bedingungen für Selma Göltenboth: Die Plakate müssen Jugendliche ansprechen, sie dürfen nicht schockieren, und sie müssen zum Denken anregen.

Nicht immer den Mahnfinger erheben

Selma Göltenboth ist konsequente Nichtraucherin, dafür umso mehr ein Sportfan. Die Lehrerin war lange im Schwimmclub Gais und organisiert seit acht Jahren einen regionalen Wettkampf für Kinder und Behinderte. Zudem macht sie viel Ausdauersport, läuft mehrmals pro Jahr Halbmarathons und hat auch einen Marathon absolviert. Göltenboth ­bezweifelt, dass dies mit dem Rauchen vereinbar wäre. «Ich verurteile niemanden, der raucht. Die Ehrlichkeit vor allem der Jugendlichen ist wichtig. Und die Schüler wissen das.» Manche Menschen könnten schlicht nicht ohne rauchen, sie selber wolle allerdings nicht den Mahnfinger erheben. «Mir ist es wichtiger, diejenigen zu loben, zu unterstützen und in der Lebensweise zu bestätigen, die nicht rauchen.»

Der jungen Lehrerin merkt man den Enthusiasmus und die Freude an, wenn sie über «Freelance» spricht. Und sie schafft es mit ihrer Art und ihrem Wesen immer wieder, die Jugendlichen und auch Lehrpersonen zu motivieren. «Ich sage den Schülern immer, sie dürfen nicht mit der erstbesten Umsetzung zufrieden sein», so Göltenboth. Mit ihrer Unterrichtspraxis scheint sie erfolgreich zu sein. Bei den vergangenen vier «Freelance»-Wettbewerben wurden fünf Plakate ausgezeichnet, die allesamt aus den Ideen ihrer Schüler erarbeitet wurden.