HERISAU: Wenn der Bär vor der Türe steht

Vorsorgeaufträge und Patientenverfügungen beschäftigen viele Personen. Peter Dörflinger, Leiter Kesb Appenzell Ausserrhoden, erläuterte in einem Vortrag, worauf es ankommt.

Astrid Zysset
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Wie kann ich heute bestimmen, wie mein Lebensabend aussehen soll? (Symbolbild: Archiv)

Wie kann ich heute bestimmen, wie mein Lebensabend aussehen soll? (Symbolbild: Archiv)

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

«Ihr seid nicht verloren», beschwichtigte Peter Dörflinger, Leiter der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Appenzell Ausserrhoden. Am Montagabend lud die Pro Senectute AR zu einem Informationsanlass in das evangelische Kirchgemeindehaus nach Herisau. Das Thema: Selbstbestimmung im Alter. Genau genommen referierte Dörflinger über die Notwendigkeit eines Vorsorgeauftrags und einer Patientenverfügung. Schwerpunkte, die auf reges Interesse stiessen. Rund 80 Personen besuchten den Vortrag und stellten im Anschluss Fragen. Verständnisfragen waren es in erster Linie. Denn einfach zu ­verstehen, war das Ganze nicht. Aber eines hatte Dörflinger ­bewirkt: Die Angst, was geschieht, wenn man keinen ­Vorsorgeauftrag gemacht hat, schien am Ende des Abends etwas verflogen. «Ihr seid nicht verloren», wiederholte sich Dörflinger.

In einer Patientenverfügung werden die medizinischen Massnahmen festgehalten. Diese sind für den behandelnden Arzt grundsätzlich verbindlich. Allerdings muss die Verfügung schriftlich erfolgt und unterschrieben sein. Sonst ist sie ungültig. Dörflinger ermahnte die Anwesenden, die Verfügung nicht «im stillen Kämmerchen» aufzusetzen. Eine Beratung in Anspruch zu nehmen, sei empfehlenswert. «Wenn ich aufschreibe, dass ich keine künstliche Ernährung verabreicht bekommen möchte, verstehe ich darunter wohl, dass keine Magensonde eingesetzt werden soll. Der Arzt kann eine künstliche Ernährung aber auch in Form einer Nährlösung über eine Infusion veranlassen», so Dörflinger. Solche Details müssen in der Patientenverfügung berücksichtigt werden.

Der Vorsorgeauftrag hingegen definiert, wer in welchen Bereichen Vertretungsaufgaben wahrnehmen soll. Und zwar in den Bereichen Personensorge, Vermögensverwaltung und Rechtsbelangen. Prinzipiell könne da alles festgehalten werden. Der Vorsorgeauftrag muss aber vollständig von Hand verfasst werden – analog zu den Formvorschriften eines Testaments. Denn: «Bei einem Vorsorgeauftrag geht es quasi um den Tod des Denkens, des Handelns», so Dörflinger. Aufgesetzt werden muss der Vorsorgeauftrag, wenn die Person noch urteilsfähig ist. Wirksam wird er allerdings erst, wenn die Person über die geistige Zurechnungsfähigkeit nicht mehr verfügt. Dann wird er durch die Kesb validiert, sprich: Es wird geprüft, ob die Formvorschriften eingehalten wurden, ob die Person damals urteilsfähig und heute urteilsunfähig ist, und ob die eingesetzte Person ansatzweise geeignet ist. Dörflinger stellte einen besonderen Vergleich: «Einen Vorsorgeauftrag aufzusetzen, ist wie ein Gewehr zu laden. Gebraucht wird es aber erst dann, wenn der Bär vor der Haustüre steht. Die Waffe zu entsichern, übernehmen dann wir von der Kesb.» Die im Vorsorgeauftrag beauftragte Person müsse sorgfältig ausgewählt werden. Sie erhalte quasi eine Generalvollmacht. Wird kein Vorsorgeauftrag aufgesetzt oder ist dieser unzureichend, springt die Kesb ein, respektive die Alltagsgeschäfte könnte auch der Ehegatte vollziehen und die primären Ansprechpersonen bei medizinischen Belangen sind ebenfalls gesetzlich geregelt. Die Kesb kann eine Vertretungsbeistandschaft ernennen. Diese übernimmt dieselben Aufgaben wie die Person, die in einem Vorsorgeauftrag genannt wird. Allerdings ist die Kesb bei einer Vertretungsbeistandschaft weisungsbefugt. Will heissen: Finanzieller Schaden, der durch den Beistand angerichtet wird, ersetzt der Kanton. Die Generalvollmacht im Vorsorgeauftrag wird hingegen nicht beaufsichtigt.

Hinweis

Am 8. Januar findet derselbe Vortrag in Teufen statt.

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