Herisau
Wegzug nach über 130 Jahren: Kommt der berühmte Kuhn-Zopf bald aus Herisau?

Die Kuhn Back & Gastro AG verlässt nach Unstimmigkeiten das Neckertal. Als neuer Produktionsstandort kommt Herisau in Frage.

Karin Erni und Simon Dudle
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Die Bäckerei Kuhn interessiert sich für Bauland im neuen Gewerbegebiet Nordhalden in Herisau.

Die Bäckerei Kuhn interessiert sich für Bauland im neuen Gewerbegebiet Nordhalden in Herisau.

Bild: Alessia Pagani

Die Bäckerei Kuhn setzt den in Brunnadern geplanten Bau einer Produktionshalle nicht in die Tat um und verlässt stattdessen die Gemeinde. Dadurch gehen im Neckertal 50 Arbeits- und Ausbildungsplätze verloren. Profitieren könnte die Gemeinde Herisau. Als möglicher Standort für die Grossbäckerei kommt das neue Gewerbegebiet Nordhalden in Frage. Wie Gemeindepräsident Kurt Geser auf Anfrage bestätigt, wurde mit der Kuhn Back & Gastro AG kürzlich ein Erstgespräch geführt. Darin seien die betrieblichen Bedürfnisse erhoben worden. Die Gemeinde lasse für die Entwicklung des Gewerbegebiets Nordhalden einen Masterplan erarbeiten, so Geser. Die Kuhn Back & Gastro AG betreibt insgesamt zwölf Standorte. Acht davon befinden sich in den Kantonen St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden. Die Filialen Herisau und Shopping-Arena befänden sich in unmittelbarer Nähe zur Produktion, sollte die Standortentscheidung zu Gunsten von Herisau fallen. Im Gespräch sind aber auch noch weitere Baugebiete.

Anwohner verhindern Bauvorhaben im Neckertal

Warum kehrt die Bäckerei Kuhn dem Neckertal den Rücken? Das Unternehmen konnte sich in den bestehenden Räumen in Brunnadern nicht mehr weiterentwickeln. Es schmiedete Pläne für den Neubau einer Produktion an der Gewerbestrasse in Brunnadern. Doch das passte nicht allen. Zwar wurde der Bäckerei Kuhn im vergangenen August die Baubewilligung erteilt, doch damit war der Weg noch längst nicht frei. «Die Anwohner der Gewerbestrasse bemängelten primär die Erschliessungsstrasse», sagt Richard Kuhn, Inhaber des Unternehmens. Die Einsprache landete schliesslich als Rekurs beim Baudepartement des Kantons St.Gallen. Vergangene Woche fand ein Augenschein vor Ort statt, Richard Kuhn sagt:

Richard Kuhn, Geschäftsleiter der Kuhn Back & Gastro AG vor dem Mutterhaus in Brunnadern.

Richard Kuhn, Geschäftsleiter der Kuhn Back & Gastro AG vor dem Mutterhaus in Brunnadern.

Bild: Urs M. Hemm 3.07.2019
«Die Rekurrenten, es sind Anwohner der Gewerbestrasse in Brunnadern, haben es für alle Anwesenden hörbar auf den Punkt gebracht, dass man den Betrieb und somit den Neubau der Produktion an diesem Standort nicht will.»

Zudem sei seitens des Vertreters des Tiefbauamts darauf hingewiesen worden, dass die Erschliessung der Durchfahrtsstrasse sowie die Verzweigung mit der Dorfstrasse und Abzweigung zur Gewerbestrasse für Lastwagen über 7,5 Tonnen voraussichtlich nicht genügend sei. Auch der Wendeplatz am Ende der Gewerbestrasse wurde in Frage gestellt und als ungenügend bewertet.

Bruch mit der Tradition

Seit der Gründung der Firma im Jahr 1888 ist die Kuhn Back & Gastro AG in Brunnadern beheimatet und verwurzelt. Was einst mit einfachsten Mitteln begann, ist ein Bäckerei- und Gastrobetrieb geworden, der in fünfter Generation geführt wird. Alles in allem werden 220 Mitarbeiter beschäftigt. Die Herstellung der Produkte erfolgt zentral im Stammhaus in Brunnadern. Nun sieht Richard Kuhn keine Zukunft mehr an diesem Standort.

«Der Entscheid ist uns sehr schwergefallen und wir haben lange an das Projekt in Brunnadern geglaubt. Nun müssen wir aber loslassen.»

Wie lange die Bäckerei noch im Neckertal produzieren wird, ist offen. In der ersten Jahreshälfte will man sich entscheiden, wo der neue Standort sein soll. Die Baueingabe könnte so im dritten Quartal des laufenden Jahres erfolgen. Bis der neue Produktionsstandort steht, wird der Betrieb in Brunnadern fortgeführt.

Präsidentin spricht von Verhinderungstaktik

Ein herber Schlag ist der Wegzug der Bäckerei Kuhn für die Gemeinde Neckertal. Deren Vorsteherin Vreni Wild sagt: «Der Verlust von 50 Arbeits- und Lernplätzen schmerzt besonders, weil die Firma Kuhn ein Produktions- und Traditionsbetrieb ist, der zu Brunnadern gehört. Neuansiedlungen von Produktionsbetrieben mit einer solchen Anzahl von Arbeitsplätzen sind im ländlichen Raum praktisch ein Ding der Unmöglichkeit.» Man bedaure sehr, dass die Verzögerungs- und Verhinderungstaktik der Einsprecher aufgegangen sei.