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HERISAU: Subtile Liedkunst und Poesie

Renommierte deutsche Spitzenmusiker – der Tenor Julian Prégardien und der Pianist Michael Gees – gestalteten in Herisau einen Liederabend mit Kunstliedern, Gedichten und Klavierstücken von Robert Schumann.
Ferdinand Ortner
Grossartige Künstler: Julian Prégardien (Tenor) und Michael Gees (Klavier). (Bild: FO)

Grossartige Künstler: Julian Prégardien (Tenor) und Michael Gees (Klavier). (Bild: FO)

Ferdinand Ortner

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Das 5. Kammermusikkonzert der Saison 2017/18 im intimen Herisauer Casinosaal bot unvergessliche Kunstgenüsse, denn die beiden Musikstars gestalteten den Schumann-Liederabend auf aussergewöhnlich lebendige Art und Weise und zogen die Zuhörer in ihren Bann.

Sie präsentierten nicht nur – wie üblich – eine delikate Auswahl hochkarätiger Kunstlieder mit Klavierbegleitung, sondern sie «sangen und spielten Robert Schumann» und vieles, was ihnen dazu an passenden Gedichten und Klavierstücken einfiel. In einer exquisiten Vortragsform mit Wort und Gedicht liessen sie mit Hingabe und künstlerischer Fantasie den Komponisten und die deutsche Romantik unter dem Motto «Schumann lebt!» mit zwingender Ausdruckskraft wirklich «leben». Sie schufen damit eine schöpferische Atmosphäre, wie man sie einst bei den Schubertiaden und höfischen Soireen erlebte.

Das Konzertprogramm umfasste Schumanns frühen Liederkreis op. 24 nach Texten von Heinrich Heine – erweitert durch Klavier-Intermezzi – und einen exquisiten Liederkreis nach Gedichten von Andersen, Eichendorff, Goethe, Heine und Kerner sowie poetische Klaviermusik von Clara und Robert Schumann.

Hervorragende Interpreten

Julian Prégardien, der schon 2016 in Herisau mit Schuberts «Winterreise» gastierte, identifizierte sich voll mit den farbenreichen romantischen Liedern und liess seine klangschöne lyrische Stimme begeisternd erblühen. Er überzeugte dabei auch durch eine verinnerlichte wortdeutliche Textgestaltung sowie Ausdrucksvielfalt.

Der souveräne Pianist Michael Gees beeindruckte sowohl als gleichrangiger, sensibel mitgestaltender Partner – aufmerksam, konzentriert und pianistische Akzente setzend – wie auch mit gefühlvoll vorgetragenen bezaubernden Schumann-Klavierstücken. Dazu rezitierte Julian Prégardien einige berührende romantische Gedichte, sodass der Abend auch eine besondere poetische Note erhielt.

Berühmte Liederzyklen

Schon beim Heine-Liederzyklus konnte man die literarisch geprägte Schumannsche Lieder-Ästhetik geniessen: Liedkompositionen mit Melodien voller Innerlichkeit, Wahrhaftigkeit und ohne äusserlich kantable Effekte – eingebettet in stimmungsdichte Klaviersätze und dezente Klavier-Intermezzi. Vergebliches Warten auf die Liebste, Einsamkeit und Abschied waren die Themen, die Schumann in die wohlklingenden, teils schlichten Lieder gefasst hat: sehnsuchtsvoll die Liebeslieder «Morgens steh ich auf», das erregende «Es treibt mich hin», das packende «Lieb Liebchen» und – als melodischen Schwerpunkt – das Abschiedslied «Schöne Wiege meiner Leiden» mit elegischem Klavier-Nachspiel. Von stürmischen Gefühlen, wie Liebesleid und Todesahnen, erzählten die folgenden Lieder, die mit dem ausdrucksvollen «Mit Myrten und Rosen» ihre Krönung fanden.

Im zweiten Teil des Abends spielte das Wort der Dichter der Romantik eine wichtige Rolle. Beginnend mit der bekannten «Lorelei», den «Waldszenen» op. 82, dem schmerzlichen «Die alte Laute» und zwei hochromantischen «Eichendorff»-Liedern erlebten wir eine Auswahl fesselnder Lieder mit farbenprächtigen Gefühls- und Stimmungsbildern. Es folgten die frisch rhythmisierte «Frühlingsfahrt» und die berühmte Ballade «Die zwei Grenadiere». Die «Soldatenlieder» beeindruckten durch den starren Marschrhythmus, erregende Ausbrüche und den monotonen Trommelklang – die wilde Ballade «Belsazar» durch die mitreissende Gestaltung als dramatische Szene, die aus dem Festrausch im Schweigen des Todes endete. Musikalisch besonders delikat und ergreifend erklangen Goethes sanftes «Nachtlied» («Über allen Gipfeln ist Ruh») und die wunderschöne «Mondnacht» – Schumanns Traumbild der vollkommenen Harmonie von Erde und Himmel. Für den jubelnden Schlussbeifall bedankten sich die Künstler mit der Zugabe von Schumanns «Der Sandmann».

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