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HERISAU: «Strahlung von Smartphones wird ignoriert»

Die Salt Mobile AG will ihre Infrastruktur im Appenzellerland ausbauen. CEO Andreas Schönenberger über den schwierigen Umgang mit Antennen-Gegnern.
Jesko Calderara
Zurzeit hat Salt im Appenzellerland 30 Mobilfunkantennen in Betrieb. Das Unternehmen sucht weitere Standorte. (Bild: APZ)

Zurzeit hat Salt im Appenzellerland 30 Mobilfunkantennen in Betrieb. Das Unternehmen sucht weitere Standorte. (Bild: APZ)

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

Die Bewohner im Ifang-Quartier in Herisau wehren sich gegen die Pläne der Salt Mobile AG für eine neue Mobilfunkanlage. Auch in Walzenhausen gibt es Widerstand gegen ein entsprechendes Vorhaben. Im Gespräch erklärt Salt-CEO Andreas Schönenberger, welche Strategie das Telekommunikationsunternehmen in der Region verfolgt und weshalb eine Erhöhung der Grenzwerte notwendig ist.

Andreas Schönenberger, warum plant die Salt Mobile AG in Herisau und Walzenhausen neue Mobilfunkantennen?

Das Kundenecho sowie unsere Messungen haben ergeben, dass die Versorgung vor Ort zum Teil ungenügend ist oder an ihre Grenzen stösst. Damit wir unseren lokalen Kunden die bestmögliche Verbindung bieten können, ist es notwendig, dass die Netzabdeckung an besagten Standorten verbessert wird.

Gegen den Bau neuer Mobilfunkanlagen gibt es in der Bevölkerung starken Widerstand. Was unternehmen Sie, um beispielsweise wie im Fall Herisau die Einsprecher zu überzeugen?

Bei bestehenden Ängsten ist Salt stets bemüht, Aufklärungsarbeit zu leisten. Dem in Herisau vor kurzem gegründeten Verein Lebensqualität Ifang haben wir zum Beispiel vorgeschlagen, in einen konstruktiven Dialog zu treten. Die Vereinspräsidentin hat unser Angebot jedoch dankend abgelehnt. Zudem bin ich mit Regierungsvertretern vieler Kantone im regelmässigen Austausch. So haben wir Landammann Matthias Weishaupt und Regierungsrätin Marianne Koller-Bohl kontaktiert.

Haben Sie Verständnis für die Ängste der Anwohner?

Es ist schwierig, Emotionen mit Argumenten zu begegnen. Unser Land kennt einen sehr strengen gesetzlichen Rahmen, was nichtionisierende Strahlung (NIS) angeht. Gleichzeitig wird die Versorgung mit mobilen Diensten heute als Selbstverständlichkeit betrachtet, und die wenigsten Leute verzichten gänzlich auf die Benutzung eines Mobiltelefons. Dabei wird die vom Gerät ausgehende unmittelbare Strahlung häufig völlig ignoriert. Diese ist weit intensiver als jene von Mobilfunkantennen.

Welche Strategie im Bereich der Netzabdeckung verfolgt die Salt Mobile AG im Appenzellerland?

Wir alle leben heute einen digitalen Lifestyle und für die Schweiz hat der Bundesrat im April 2016 eine entsprechende Strategie gefordert. Im Appenzellerland hat Salt heute rund 30 Anlagen in Betrieb. Gegenwärtig führen wir drei Erweiterungen auf bestehenden Anlagen aus und eine komplett neue ist soeben in Betrieb genommen worden. Bis Ende Jahr planen wir, ein knappes Dutzend zusätzliche Anlageerweiterungen. Dazu sind bereits einige Baugesuche eingereicht worden. Salt ist ständig auf der Suche nach neuen Standorten.

Sind ländliche Gegenden wirtschaftliche überhaupt interessant für Ihr Unternehmen?

Die Leute sind heute sehr mobil und wollen ihr Smartphone überall nutzen können. Deshalb ist es wichtig, als Mobilfunkanbieter in der gesamten Schweiz präsent zu sein. Wir wollen nicht nur der lokalen Wohnbevölkerung, sondern schweizweit auch den Durchreisenden und den Touristen eine gute Versorgung mit mobilen Diensten anbieten. Dabei spielen ländliche Gegenden wie das Appenzellerland für uns eine wichtige Rolle.

Welche technologischen Entwicklungen erwarten Sie im Bereich Mobilfunknetz?

Mit der Überlagerung von Niedrigfrequenz und Hochfrequenz, der sogenannten 4G+ Technologie, können die zur Verfügung stehenden Frequenzbandbreiten besser ausgenutzt werden. Niedrigfrequenzen erlauben auch eine enorme Verbesserung der Netzabdeckung in den Gebäuden. Diese Technologie führt Salt seit über einem Jahr in allen Landesteilen ein. Zusätzlich zum Ausbau der bestehenden Antennen bauen wir auch neue. Dieser Netzausbau ist dringend notwendig, da sich das Datenvolumen jährlich mehr als verdoppelt. Denn die Digitalisierung der Gesellschaft schreitet weiter voran.

Das Parlament hat eine Erhöhung der Grenzwerte für Mobilfunkantennen diskutiert, sich dann aber dagegen ausgesprochen. Was halten Sie davon?

Leider lehnte der Ständerat diesen moderaten Schritt im Dezember 2016 ab, nachdem der Nationalrat Ja dazu gesagt hatte. Die Grenzwerte wären auch so noch immer auf einem deutlich tieferen Niveau als im umliegenden Ausland. Aus Sicht aller drei Mobilfunknetzbetreiberinnen ist eine Erhöhung zwingend notwendig. Im digitalen Zeitalter ist diese Infrastruktur sowohl für Grosskonzerne wie auch für innovative Jungunternehmen von zentraler Bedeutung. Diesen Standortvorteil in unsicheren Zeiten aus der Hand zu geben, wäre meines Erachtens fatal.

Offenbar will Salt künftig ins Festnetz-Geschäft einsteigen. Ist das auch in unserer Region ein Thema?

Dazu kann ich leider gegenwärtig nicht mehr sagen. Wir kommentieren erst dann ein neues Produkt, wenn es auf den Markt kommt. Allerdings empfehle ich den Kunden zurzeit kein längerfristiges Commitment mit einem anderen Anbieter einzugehen.

Wie wollen Sie gegenüber Branchenprimus Swisscom weitere Marktanteile gewinnen?

Wir stehen klar für eine Demokratisierung des Mobilfunks. Die Konsumenten sollen nicht mehr Monopolpreise bezahlen müssen. Zudem ist Salt bei der jungen und technologieaffinen Generation, welche die Zukunft unseres Landes darstellt, sehr erfolgreich.

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