Herisau siegt trotz 1:4-Rückstand

In der 52. Minute liegt der Erstligist SC Herisau gegen Seewen 1:4 zurück. In sieben Minuten drehen die Ausserrhoder das Spiel und gewinnen 5:4. Aerni und Diener erzielen je zwei Tore, Luca Homberger verbucht insgesamt fünf Assists.

David Scarano
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Die Doppeltorschützen Janick Diener und Philip Aerni bejubeln das 4:4. Die Stimmung der Innerschweizer wird später noch tiefer sinken. (Bild: dsc)

Die Doppeltorschützen Janick Diener und Philip Aerni bejubeln das 4:4. Die Stimmung der Innerschweizer wird später noch tiefer sinken. (Bild: dsc)

EISHOCKEY. Die emotionale Achterbahn an diesem Samstag lässt sich bestens am Verhalten der Fans aufzeigen: Aus Buh-Rufen und Pfiffen nach 20 Minuten wurden im Sportzentrum schliesslich freudetrunkene «Olé SC Herisau»-Gesänge. Die nicht mehr für möglich gehaltene Wende zugunsten des Heimclubs geschah zwischen der 52. und 59. Minute. Bis dahin hatte Seewen verdient 4:1 geführt. Zunächst erwischte SCH-Stürmer Philipp Aerni im Powerplay mit einem Backhandschuss den nicht immer sicheren Seewen-Goalie Fabio Balmer zwischen den Schonern (2:4). Das Ausserrhoder Stimmungshoch erhielt 24 Sekunden später durch Verteidiger Janick Diener weitere Nahrung. Gleich im Nachgang zu Aernis Anschlusstreffer wussten sich die Innerschweizer nur mit einem Foul zu helfen. Im Powerplay verkürzte Janick Diener auf 3:4. Der Druck des Gastgebers nahm zu, die Fehleranfälligkeit Seewens ebenfalls. In der 53. Minute landete Gull wegen eines Stockschlags auf der Strafbank. Wiederum Janick Diener erzielte nach 70 Sekunden Powerplay aus linker Position das 4:4. Die Stimmung im Stadion erreichte den Siedepunkt. Die Fans und die Spieler des SC Herisau wollten den Sieg. Nach einem erneuten Unterzahlspiel waren die Seebner angeschlagen. Philipp Aerni traf nach Abschluss der Strafe mit seinem Schuss ins obere Eck zum siegbringenden 5:4. Wie bei den anderen vier Herisauer Treffern zeichnete sich Luca Homberger als Assistgeber aus. Seewen setzte in den letzten 30 Sekunden alles auf eine Karte. Ohne Torhüter, dafür mit sechstem, Feldspieler versuchten sie die drohende Schmach zu verhindern. Am Ende jubelten aber die Herisauer so ausgelassen wie nach der Playoff- Halbfinal-Qualifikation im letzten Jahr.

«Grottenschlechter» Beginn

Die Leistung des SC Herisau war in mehrerer Hinsicht erstaunlich, nicht nur, weil er ein verloren geglaubtes Spiel noch drehen konnte. Ebenfalls erstaunlich war der tiefe Punkt, an dem der Steigerungslauf begann. In der Startphase trauten die Zuschauer ihren Augen nicht. Sie konnten es nicht glauben, dass die gleiche Mannschaft, die beim wichtigen Auswärtssieg gegen Uzwil überzeugt hatte, gegen Seewen so schlecht starten konnte. Die Spieler wirkten unkonzentriert, unmotiviert und überfordert, was sich etwa in der horrend hohen Fehlerquote bei den Pässen spiegelte.

In der Verteidigung war der SCH heillos überfordert. Die Seebner trafen bei ihren Sturmläufen auf wenig Gegenwehr. Einzig Herisaus Goalie Haller war in Normalform. Trotzdem konnte er die Gegentreffer nicht verhindern. In der 6. Minute traf Daniel Sigg zum 1:0. Mit einem Doppelschlag in der 16. und 18. Minute erhöhten Marco Suter (im Powerplay) und Stefan Schön auf 3:0. Die Herisauer enttäuschten auch im Spiel nach vorn. Bezeichnend war, dass ihnen erst in der 18. Minute, kurz vor dem dritten Gegentreffer, die erste nennenswerte Aktion gelang. Im zweiten Drittel steigerte sich der SCH, was angesichts der Leistung in den ersten 20 Minuten nicht schwer war. Die Seebner behielten in dieser Phase noch einen kühlen Kopf. Das 1:3 in der 37. Minute brachte sie nicht aus dem Konzept. Erzielt hatte es Jens Nater im Powerplay. Dieses kam kurios zustande. Weil Fabian Gull ohne Helm, den er nach einem Check verloren hatte, weiterspielte, schickte ihn der Referee wegen unkorrekter Ausrüstung auf die Strafbank. Seewen reagiert prompt auf den Ausrutscher. 87 Sekunden später stellten sie mit Michael Boll den Drei-Tore-Vorsprung wieder her. Doch wie das dritte Drittel zeigte, freuten sich die Gäste zu früh.

Übermorgen gegen die Pikes

Dank des Siegs und der Niederlage Uzwils gegen Arosa hat der SC Herisau den Abstand auf den Abstiegsplatz auf vier Punkte ausgebaut. Übermorgen Mittwoch, 20 Uhr, gastiert er bei den Pikes Oberthurgau. Mit einem weiteren Sieg könnte der SCH den Vorsprung weiter ausbauen, da sich die Schlusslichter Uzwil und Seewen im direkten Duell Punkte abnehmen.

Herisau – Seewen 5:4 (0:3,1:1,4:0) Sportzentrum. – 387 Zuschauer. – SR. Zweidler, Ammann/Betschart. Tore: 6. Sigg (Büeler) 0:1. 16. Suter (Zurkirchen, Ausschluss Breitenmoser) 0:2. 18. Schön (Gull) 0:3. 37. J. Nater (L. Homberger, Ausschluss Gull) 1:3. 38. Bolli 1:4. 51.12 Aerni (L. Homberger) 2:4. 51.36 Diener (L. Homberger, Ausschluss Schön) 3:4. 55. Diener (L. Homberger, Ausschluss Gull).4:4. 59. Aerni (L. Homberger) 5:4. Herisau: Haller; Peter, Diener; Hohl, J. Nater; K. Homberger, Crasemann; Volk, L. Homberger, Aerni; Jeitziner, Ammann, Breitenmoser; Popp, Steimer, T. Koller; Senn, Pace, Rotzinger. Seewen: Balmer; Sigg, Gull; Schnüriger, Schättin; Kryenbühl, Holdener; Nideröst, Bolfing, Schmidig; Schön, Suter, Zurkirchen; Oggier, Müller, Bolli; S. Brücker, R. Brücker, Büeler. Strafen: Herisau 5mal 2 Minuten. Seewen 9mal 2 Minuten. Bemerkungen: Herisau ohne Yves Diacon und Cyril Brunner (beide verletzt). Seewen ab 59.30 mit sechstem Feldspieler und ohne Torhüter.

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