HERISAU: Sakrales aus Zinnbechern

Das Künstlerpaar Barbara und Hannes Irniger stellt seine Werke derzeit im Eingangsbereich des Spitals aus.

Drucken
Hannes Irniger alias «Hannes vo Wald» zeigt gleich zwei Ausstellungen in Herisau. (Bild: Karin Erni)

Hannes Irniger alias «Hannes vo Wald» zeigt gleich zwei Ausstellungen in Herisau. (Bild: Karin Erni)

«Hannes vo Wald» kennt man in der Ostschweiz vor allem als ­Bühnenkünstler. Doch Hannes Irniger, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, befasst sich auch mit der bildenden Kunst. Gemeinsam mit Ehefrau Barbara Zimmermann Irniger präsentiert er derzeit seine Werke in einer Aus­stellung im Spital Herisau.

Wer die Ausstellung betritt, wird sogleich in den Bann glänzender Objekte gezogen, die auf Podesten platziert sind. «Monstranzen» nennt sie der Künstler. Die sonnenartigen Gebilde glänzen geheimnisvoll silbern. Es sei kein Silber, verrät Irniger mit verschmitztem Lächeln. «Es sind eingeschmolzene Zinnbecher, sie stammen noch aus meiner Langlaufzeit.» Wie könnte es auch anders sein. Bei Hannes Irnigers künstlerischem Schaffen ist immer irgendwo Feuer im Spiel. Auch in seinen Bühnenshows knallt und raucht es regelmässig. Mit Schiesspulver habe er versucht, beim Schmelzen und Giessen des Metalls spezielle Effekte zu erzielen, so der Künstler.

Neun Monate sei er schwanger gegangen mit den Ideenumsetzungen für die Ausstellung, sagt Irniger. Sein ursprünglicher Plan sei gewesen, alte Medizinalgegenstände aus dem Familienfundus zu witzigen, zweckentfremdeten Objekten umzugestalten, so der Arztsohn. «Doch dann habe ich gemerkt, das würde wohl nur den Ärzten gefallen.» Er wollte etwas machen, das auch Besucher und Patienten anspricht. Zu den Monstranzen fühlte er sich immer wieder hingezogen und die Idee liess ihn nicht mehr los. So goss er eine um die andere aus Zinn in alte Bett­flaschen. Wer genauer hinschaut, erkennt im Metall die Strukturen von Naturmaterialien wie Muscheln oder Knochenfragmente. Hannes ­Irniger sammelt seit ­Jahren allerlei Kurioses und Ungewöhn­liches. Einen Teil der Fundstücke verwendet er für ­seine Bühnenarbeit, die anderen verarbeitet er in seiner Werkstatt. An sakralen Gegenständen faszinierten ihn die Gebrauchsspuren. «Abgegriffene Rosenkränze, abgeküsste Reliquien erzählten eine Geschichte, sie sind von den Energien der Gläubigen durchdrungen.»

Die bildende Kunst sei ein Ausgleich und eine Ergänzung zur Bühnenarbeit. Dort könne er seine Kreativität auch ausleben, so Hannes Irniger. In den Kunstwerken könne er die Ideen materialisieren. «Etwas ganz Neues zu schaffen, ist ein bisschen wie ‹Gott spielen›.»

Die ruhigen, flächigen, fast monochromen Bilder von Barbara Zimmermann Irniger liefern den Hintergrund und den Gegenpol zu den quirligen Objekten ihres Mannes. Beim Werk «Monstranz – erkenne dich selbst» stehen sich Objekt und Bild so nahe, dass sie beinahe zu einer Einheit verschmelzen. (ker)

Hinweis:

Die Ausstellung im Spital Herisau dauert bis zum 22. Oktober. Gleichzeitig ist in der Vitrine der Bibliothek Herisau noch bis am 28. Oktober die Ausstellung «Pseudoerfindungen» von «Hannes vo Wald» zu sehen.

Aktuelle Nachrichten