Herisau
Rückschlag für Neugestaltung des Herisauer Obstmarkts: Gemeinderat und Tiefgaragenbesitzer werden sich nicht einig

Seit Jahrzehnten möchte die Gemeinde Herisau dem Obstmarkt zwischen Regierungsgebäude und Kirche ein neues Erscheinungsbild geben. Im Oktober wurde ein Siegerprojekt gekürt, doch nun erhalten die Pläne einen Dämpfer: Die neue Idee, die Zufahrt zur Tiefgarage zu verlegen, findet bei den Besitzern keinen Anklang. Der Gemeinderat bedauert die verpasste Chance.

Mea McGhee
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Die Einfahrt zur Gutenberg-Tiefgarage liegt neben dem Regierungsgebäude: Die Zufahrt erfolgt über den Obstmarkt.

Die Einfahrt zur Gutenberg-Tiefgarage liegt neben dem Regierungsgebäude: Die Zufahrt erfolgt über den Obstmarkt.

Bild: Ralph Ribi

Seit bald fünf Jahrzehnten ist die Neugestaltung des Obstmarktes in Herisau ein Thema. Noch im vergangenen Oktober sah es danach aus, als sei der entscheidende Durchbruch auf dem Weg hin zu einem attraktiven Ort der Begegnung im Dorfzentrum geebnet. Damals präsentierte die Gemeinde das Siegerprojekt Hosestoss für die Sanierung und Neugestaltung des Obstmarktes.

Seither laufen die Abklärungen für den Planungskredit. Dabei wurde auch geprüft, ob die Einfahrt der Tiefgarage zu Gunsten einer zusätzlichen Attraktivitätssteigerung verlegt werden kann und ein barrierefreier Zugang zur Garage möglich ist. Diese Hoffnung hat sich nun zerschlagen, wie aus einer am Freitag versandten Medienmitteilung hervorgeht. Die Gemeinde schreibt:

«Im Lauf der Abklärungen hat sich nun gezeigt, dass für die Verlegung der Tiefgarageneinfahrt keine Lösung mit der Eigentümerschaft der Tiefgarage gefunden werden kann.»

Besitzerin der Tiefgarage ist die Miteigentümergemeinschaft Gutenberg, nachfolgend MEGG genannt. «Wir sind in den Gesprächen aufgelaufen», sagt der zuständige Gemeinderat Peter Künzle mit Bedauern. Es sei nicht gelungen, die MEGG von der Wichtigkeit der Verschiebung der Einfahrt zu überzeugen. Künzle spricht von einer verpassten Chance. Das Dorf und die Bevölkerung hätten mit der geplanten Neugestaltung einen attraktiven Platz mit Raum für Begegnungen für die kommenden 50 bis 100 Jahre erhalten.

Der Herisauer Obstmarkt soll nach der Sanierung ein Ort der Begegnung sein.

Der Herisauer Obstmarkt soll nach der Sanierung ein Ort der Begegnung sein.

Visualisierung: PD

Minderwert für die Miteigentümergemeinschaft Gutenberg

Die MEGG ihrerseits plant an der Gutenbergstrasse einen Neubau. Alt Regierungsrat Köbi Frei, der die MEGG präsidiert, sagt auf Anfrage: «Die Tiefgarage mit gut 300 Parkplätzen ist baulich auf die bestehende Ein- und Ausfahrt ausgerichtet.» Bei einer Verlegung würde die Wegführung in der Tiefgarage (speziell Abfahrt in das 2. Unterdeck) unübersichtlich und unlogisch. Zusätzlich würden Parkplätze wegfallen. Die Liegenschaften an der Ostseite würden abgewertet und die geplante bauliche Entwicklung (visierter Neubau) würde stark eingeschränkt oder sogar verunmöglicht.

«Eine Zu- und Wegfahrt über die Gutenbergstrasse scheint uns unübersichtlich und räumlich problematisch. Die Strasse mit Einfahrt in die Kantonsstrasse müsste ausgebaut werden.»

Und weiter: Seitens der Gemeinde seien keine Aussagen gemacht worden, wie der aus der Verlegung entstehende Mindernutzen finanziell ausgeglichen werden könnte. Der Gemeinderat wiederum findet, in den Gesprächen sei für die MEGG mehrfach die Rendite oberste Maxime gewesen.

Hindernisfreier Zugang nicht rund um die Uhr möglich

Das Siegerprojekt des Landschaftsarchitekturbüros BBZ Bern GmbH und des Bieler Büros Dudler für Raum- und Verkehrsplanung sah im Weiteren einen rund um die Uhr barrierefreien Zugang zur Tiefgarage an der Ostseite des Regierungsgebäudes vor. Heute ist dieser nur während der Öffnungszeiten des Gutenbergzentrums gewährleistet.

Laut Empfehlungen aller Planer hätte der neue, hindernisfreie Zugang die Tiefgarage aufgewertet, zumal der Grossteil der bestehenden Parkplätze auf dem Obstmarkt aufgehoben wird, sagt Gemeinderat Künzle. Die MEGG habe in den Gesprächen mit der Gemeinde klar signalisiert, dass die Bereitschaft zu einem zusätzlichen Nachtaufgang im Bereich des Regierungsgebäudes vorhanden ist, entgegnet Köbi Frei.

«Bei allem Bedauern aufhalten lässt sich der Gemeinderat nicht», sagt Peter Künzle. Die Erarbeitung des Projektierungskredites gehe voran. Im Idealfall könnte dieser dem Einwohnerrat im September oder Dezember vorgelegt werden.

Autofreier Obstmarkt gewünscht

1977 kam erstmals die Idee für eine Umgestaltung des Herisauer Obstmarktes auf. Ein Projektwettbewerb wurde durchgeführt. Fünf Jahre später stellte ein Initiativkomitee «Parkgarage Obstmarkt» dem Gemeinderat den Antrag, das Projekt einer Parkgarage an die Hand zu nehmen. Klar formuliert wurde damals, dass der Obstmarkt in seinem Charakter gewahrt bleiben und vom ruhenden Verkehr weitgehend entlastet werden soll. 2003 wurde eine Umfrage gestartet, um die Anliegen der Bevölkerung abzuholen. Während die einen von einer Nivellierung des Platzes sprachen, verlangten andere nach mehr Grünfläche. Weitere Ideen waren ein autofreier Obstmarkt und die Vergrösserung der Gutenberg-Garage oder die Verlegung der Garagenzufahrt.