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HERISAU: Retten, was zu retten ist

Seltene Orchideen kann man nicht nur im Botanischen Garten bestaunen. Manche wachsen direkt vor der eigenen Haustüre. Bedroht sind die Pflanzen durch Unkenntnis und Motorsensen.
Karin Erni
Nicolo Schwarzenbach mit dem «Roten Waldvögelein», einer einheimischen Orchideenart. (Bild: Karin Erni)

Nicolo Schwarzenbach mit dem «Roten Waldvögelein», einer einheimischen Orchideenart. (Bild: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Eine «botanische Sensation» hat Nicolo Schwarzenbach kürzlich mitten in Herisau entdeckt. «Es handelt sich um die Bocks-Riemenzunge, eine seltene Orchideenart, deren Vorkommen in der Ostschweiz bisher eventuell gar nicht bekannt ist», sagt der Herisauer Arzt und Hobby-Ornithologe. Umso grösser war seine Enttäuschung, als die geschützte Pflanze drei Tage später verschwunden war. Sie wurde unwissentlich mit dem 25 cm breiten Wiesenrand zwischen Schafweidezaun und Fussweglein abgemäht. Er hofft, dass sie im nächsten Jahr noch einmal erblüht. Hier scheint ein besonderer Flecken Erde zu sein, denn gleich nebenan wachsen einige ebenfalls sehr seltene Rote Waldvögelein. Dies sei ein trauriges Beispiel, wie übertriebener Ordnungs- und Sauberkeitssinn der noch vorhandenen Natur fast keine Überlebenschancen gebe, so Schwarzenbach.

Als Lösung sieht er einen ­sensibleren Umgang mit der ­Umwelt vor der Haustüre und etwas mehr Mut zur «ordentlichen Verwilderung». «Damit Pflanzen und Kleintiere ihre Lebenszyklen durchlaufen können, brauchen wir darauf abgestimmte Pflege- und Einsatzpläne, sowohl in der Gemeinde als auch unseren Privatgärten, der Ab­warte in den Siedlungen und auch der Landwirte in den Randstreifen der Wiesen, Hecken und Weiden.»

Schädliche Motorsensen und Ordnungswahn

«Wiesenstreifen und Blumenwiesen sollten erst spät gemäht werden, wenn sich die Blumen versamt haben oder gegen Ende der Vegetationszeit», so Schwarzenbach. Die oft verwendeten Motorsensen seien nicht nur schlecht für Pflanzen, sondern auch für die Tierwelt. «Heugümper und alle anderen Kleintiere werden mit diesen buchstäblich gehäckselt. Auch grössere Tiere wie Igel und Reptilien können schwer verletzt werden.»

Heutzutage würden die Siedlungsgebiete immer mehr zugebaut und verdichtet, umso wichtiger sei es, Oasen für Pflanzen und Tiere zu schaffen. Dafür eigneten sich vor allem die Privatgärten, aber auch die öffentlichen Parks, Schulanlagen, Friedhöfe und sogar Verkehrsinseln. Als gute Beispiele führt Schwarzenbach die Ruderal-Kiesflächen beim Staatsarchiv und um den Brunnen im Spitalgarten an. «Das Landwirtschaftsgebiet ist ökologisch in einem schlechten Zustand. Es ist eine Ironie, dass in den Städten und an Strassen- und Bahnborten die grössere Biodiversität besteht als auf den grünen Wiesen im umgebenden Landwirtschaftsgebiet.»

Viele Leute wollten etwas für sie Natur tun und kauften Wildbienen-Hotels, so Nicolo Schwarzenbach. «Doch gerade Wildbienen sind auf spezifische Futterpflanzen, Stein- und Asthaufen, Trockenmauern, Tümpel, offene Bodenstellen und vor allem einheimische Kräuter, Blumen Sträucher und Bäume angewiesen, sonst können sie nicht überleben.» Leider würden in Gartencentern fast nur Exoten angeboten, so Schwarzenbach. «Die meisten Gartenbesitzer halten das, was rundherum wächst, für einheimisch, dabei sind fast alle Gartenpflanzen Exoten.» Er nennt als Beispiel die omni­präsenten Thuja- oder Kirschlorbeerhecken, diese seien öko­logisch wertlos. Besser wären ­Holunder, Rosenbüsche und Schlehdorn, die viele Blüten und Beeren haben. «In einem Weissdorn leben bis zu 200, in einer Eiche bis zu 2000 Insektenarten, von denen sich ­Vögel und andere Lebewesen ­ernähren können», so Schwarzenbach. In spezialisierten Wildstaudengärtnereien finde man solche Pflanzen.

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