Herisau
Neue Lösung in Sicht: Deckelisammlung für Blindenführhunde geht weiter

Weil zu viel Kunststoff gesammelt wurde, stieg der Logistikpartner der wohltätigen Aktion aus. Die Gründer sind optimistisch, bald eine neue Firma zu finden.

Karin Erni
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Martinus und Robin Aarts verladen die Sammelsäcke.

Martinus und Robin Aarts verladen die Sammelsäcke.

Bild: Karin Erni

Ist die Flasche einmal ausgetrunken, hat er wenig Nutzen, der farbige Deckel auf der PET-Flasche. Er landet oft unbeachtet im Abfall. Die Idee, diesen Kunststoff zu sammeln und den Erlös für einen guten Zweck zu spenden, hatten der Herisauer Martinus Aarts und sein Sohn Robin vor knapp drei Jahren. Sie unterstützen seither mit dem Geld die Anschaffung und Ausbildung von Blindenführhunden. Die Zusammenarbeit besteht mit den Hundeschulen von Goldach und Allschwil bei Basel. Ein geeigneter Welpe kostet 5000 Franken, dazu kommen noch Ausbildungskosten in der Höhe von 60’000 Franken. Wer einen solchen vierbeinigen Assistenten will, muss ihn selbst bezahlen. Für 80 Prozent der Blinden ein Ding der Unmöglichkeit. Spendengelder, wie jene aus der Deckel-Sammelaktion, helfen in solchen Fällen.

Acht Millionen Deckeli für einen Hund

Mit der Firma Innorecycling im thurgauischen Eschlikon hat das Gründerduo einen Abnehmer für das Sammelgut gefunden. 30 Rappen gibt es für ein Kilo Kunststoff. 16,7 Tonnen oder fast acht Millionen Deckeli müssten gesammelt werden, um einen Welpen zu kaufen. «Das tönt nach viel. Aber wenn jeder Schweizer nur ein Deckeli spendet, gibt das einen Hund», rechnet Martinus Aarts vor. Bis jetzt konnten durch das Sammeln bereits drei Hunde finanziert werden. Und das Netzwerk soll weiterwachsen. Die Facebookgruppe «Plastikdeckel-Sammelaktion für junge Blindenführhunde» hat aktuell 1455 Mitglieder. Gesucht werden Freiwillige in der ganzen Schweiz, die Zeit und Lust haben, Deckeli zu sammeln und bei sich zu lagern. Auch Leute, die regelmässig bestimmte Strecken zurücklegen und dabei Säcke im Auto mitführen könnten, sind gefragt.

Auch in der Luft wird gesammelt

Wer im Appenzellerland Deckeli sammeln möchte, kann diese bei der Landi Säntis AG (Schönengrund, Urnäsch, Teufen und Herisau) abgeben oder sich bei Martinus Aarts in Herisau melden. Auch Schulen, Vereine oder Firmen dürfen bei der Aktion mitmachen. So hat die Fluggesellschaft Edelweiss kürzlich angekündigt, sich an der Sammlung zu beteiligen. Fürs Recycling geeignet sind Plastikschraubdeckel von sämtlichen Gebinden, da diese in der Regel aus Polyethylen oder Polypropylen bestehen. Das saubere Sammeln sei wichtig, sagen Vater und Sohn Aarts. «Es darf keinen Abfall in den Säcken haben, sonst haben wir extrem viel Mehraufwand mit Aussortieren und die Recyclingfirma könnte eines Tages die Annahme verweigern.» Die Sammlung müsse auch ökologisch Sinn machen, findet Aarts. «Wir versuchen, die Transporte so zu koordinieren, dass keine unnötigen Fahrten entstehen. Die grossen Händler fahren diese Strecken ohnehin und können gut noch einen Sack Deckeli mitnehmen.» Eine Zusage durfte Aarts bereits von der Herisauer R+N Transporte entgegennehmen.

Das Ende drohte kurz vor Weihnachten

Der Flaschenhals des Unterfangens ist die Logistik. Es braucht einen Lagerstandort mit genügend Kapazität, von dem aus das Sammelgut weitertransportiert werden kann. Diese Funktion hatte der Tierbedarfshändler Petfriends inne. Er lagerte einen grossen Teil der gesammelten Deckeli und brachte sie nach Eschlikon. Doch kurz vor Weihnachten stieg die Firma aus. Der Grund: Weil immer mehr Deckeli abgegeben wurden, fehlten die Lagerkapazitäten. «Wir liefen Gefahr, Opfer des eigenen Erfolgs zu werden», sagt Martinus Aarts. Er wandte sich in der Folge über verschiedene Kanäle an die Öffentlichkeit und schrieb einige grosse Handelsunternehmen in der Schweiz an, die einen Bezug zu Tieren haben. Die Logistik mit den Deckeli ist nicht nur mit Aufwand verbunden. Die Firmen dürfen mit dem sozialen Engagement auch Werbung machen und die Leute, die Deckeli vorbeibringen, kaufen meist auch etwas im Laden. Er habe noch von keiner der angefragten Firmen eine definitive Zusage erhalten, sagt Aarts. «Aber ich hoffe auf ein Weihnachtsgeschenk.»

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