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HERISAU: Mit Sälewie den Lifestyle optimieren

Zwischen dem 22. und 25. Februar gastiert das Cabaret Sälewie mit «Lifesteil» in der Stuhlfabrik — ein Blick über den Rand der Achterbahn des Lebens.

Mit «Lifesteil» des Cabarets Sälewie geht es 120 Minuten durch die Höhen und Niederungen optimierten Lebens. Katrin Schatz – sie ist und bleibt das langlebige Zugpferd des Sälewie – ist schauspielerisch und sängerisch in den allerbesten Jahren, wie die bisherigen Aufführungen zeigen. In der Nummer «So romantisch» gibt sie hinreissend die einsame Singlefrau, die ungeduldig auf ihr Date wartet. Es kommt dann der Mann von der Drohnen-Versicherung. Aber was soll’s. Mann ist Mann und der hier erst noch ein junger, knackiger. Die beiden männlichen Darsteller Thomas Frischknecht und Thomas Keller bringen frischen Wind ins Sälewie und laufen als Primarlehrer, die den Kindern «verschiedene Religionen» nahebringen müssen, zu Höchstform auf.

Rosanna Schmid, die das Quartett abrundet, auch sie ausgestattet mit viel Talent und einer hervorragenden Singstimme, feilt sich gelangweilt die Fingernägel. Ihr Mann, nicht minder dumpf, blättert in einer Zeitung. Weils Montag ist, käme nun bald die fein säuberlich datierte Beischlafnacht. Aber das Entsetzen in den Augen lässt darauf schliessen, dass die beiden eher den Frühstückseiern nachplanen.

In Einkaufstüten und Stuben geschaut

Cabaret, Satire, Persiflage gehen heutzutage kaum mehr ohne die Themen um ökologisches Handeln in allen Lebenslagen. Sei’s zwischen Laken oder am Esstisch. Zu den besten Nummern gehört die vom Einkauf im Bioladen. Der jungen Schonkostgängerin (Rosanna Schmid) erscheinen beim Auspacken Wüstlinge (Schatz, Frischknecht, Keller), die ihr die Einkäufe als Sündenfälle vermeintlicher Heimatproduktion um die Ohren fliegen lassen. Rot anlaufen tun die Lauschsegler auch beim penetranten abendlichen Überfall der Telefonwerbung. Rot kommt auch sonst als Textfarbe gut hin: Empörung über «fehlendes Desin­teresse» von solchen, die noch an Abstimmungen teilnehmen. Ärger am Zoll, wenn man vom günstigen Einkauf in Deutschland kommend von der deutschen Beamtin zum Bezahlen der Mehrwertsteuer an den Schweizer Übergang geschickt wird. Kon­sterniertheit, wenn die Partygäste, Veg- und andere -aner dank «Foodle», ihre Vorlieben, Allergien, ideologisierten Ess- und Trink(un)verträglichkeiten vorankünden dürfen.

Doch «Alles wird gut» singen die beiden Thomasse mit smartem Silbereisen-Grinsen. «Ich lebe heute und nicht morgen. Selber schuld, wer das nicht tut.» Auf der «Achterbahn» des Lebens schmaucht doch jeder dann und wann sein Egoisten-Pfeifchen und bei «Lifesteil» gehts einewäg nicht ums Teilen, sondern ums Austeilen. Wenn auch mit Samthandschuhen. Sälewie ist nicht auf Irokesen-Kamm-Boshaftigkeit aus. Und wo es, wie vielleicht andeutungsweise in «I wött i d Politik» die personale, oder in «Auf Sumpf gebaut» die städtebauliche Politik auffächelt, bleibt alles in der rosaroten Komfortzone des Spotts. Es ist einfach alles zum Lachen. Nicht mehr und nicht weniger. Regisseurin Sarah Fuhrmann choreografiert die Tempi und schafft szenisch Platz für die Plots. Simon Meier, der Pianist, begleitet sämtliche Singstücke leichthändig und bravourös.

Brigitte Schmid-Gugler

Hinweis

Mehr Infos und Tickets zu den Vorstellungen in Herisau:

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