HERISAU: Mit Alufolie Rehkitze retten

Mähmaschinen sind für Rehkitze eine grosse Gefahr. Solche im hohen Gras zu erkennen, ist für Bauern oft nur mit Glück möglich. Jäger Peter Rieker wirbt deshalb für eine zeitgemässe Verblendungsmethode.

Roger Fuchs
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Jäger Peter Rieker (l.) zusammen mit Bauer Willy Preisig. Sie sind überzeugt von der Verblendungsmethode mit Alu und Spray. (Bilder: Roger Fuchs)

Jäger Peter Rieker (l.) zusammen mit Bauer Willy Preisig. Sie sind überzeugt von der Verblendungsmethode mit Alu und Spray. (Bilder: Roger Fuchs)

Roger Fuchs

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@appenzellerzeitung.ch

Der Herisauer Jäger Peter Rieker hat eine Mission: Er will verhindern, dass Wiesen zur Todesfalle für Rehkitze werden. Neugeborene Rehe finden in hohem Gras Schutz, während sich die Rehgeiss zur Nahrungssuche aufmacht. Startet der Bauer derweil den Motor seiner Mähmaschine, kann es für die Tiere sehr gefährlich werden. «Die Kitze sind so klein, dass man sie von der Maschine herab nur beim Blick zur Seite, aber nicht beim Blick nach vorne erkennt», bestätigt Landwirt Willy Preisig. Um die Rehe zu schützen und vor dem Mähen aus dem Gras zu vertreiben, wendet er seit einigen Jahren die von Peter Rieker propagierte Verblendungsmethode an. Dazu stellt er 1,4 Meter hohe Stecken in die Wiese. An deren Enden wird eine Alufolie befestigt und zugleich mit einem Geruchsstoff besprüht. Auf dreifache Art und Weise werden die Rehe so in der Nacht, bevor die Wiese gemäht werden soll, gestört. Zum einen raschelt und flattert das Aluminium, zum anderen blinkt und flimmert dieses im Mondlicht. Der zusätzlich aufgetragene Geruchsstoff signalisiert dem Muttertier Gefahr durch natürliche Feinde. So viele Störfaktoren veranlassen die Rehgeiss, einen neuen Unterschlupf für das Kitz zu suchen.

Ein vermähtes Kitz in zehn Jahren

Peter Rieker spricht bei dieser Verblendungsmethode von einer Erfolgsquote von rund 95 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren sei auf den Wiesen in Herisau, wo auf diese Methode gesetzt wurde, nur ein Rehkitz vermäht worden. «Derzeit wenden in der Gemeinde rund dreissig Bauern dieses System an», so Rieker. Gerne sähe er es, wenn noch mehr mitmachen würden, da diese Verblendungsart wesentlich effektiver sei als die alte Methode mit den Säcken. Die Aluminiumfolien verlieren ihre Wirkung nicht, wenn das Mähen beispielsweise wegen Wetterumschwungs nochmals um einen Tag verschoben werden muss. Säcke hingegen würden durch die Feuchtigkeit einfach noch wirkungslos dahängen und nicht mehr flattern. Auch das Auftragen des Geruchsstoffs sei hierbei nicht möglich.

Auch Nutztiere sind gefährdet

Letztlich lohnt sich das Verblenden nicht nur zum Schutz der Rehkitze, sondern es ist ebenso zum Schutz der Kühe. Geraten von einer Mähmaschine verschnetzelte Kadaver ins Silo, vermehrt sich durch den Gärprozess im Fleisch das Bakterium Clostridium botulinum. Dieses produziert das Nervengift Botulinumtoxin. Wird nun die Silage von den Kühen gefressen, erkranken sie an Botulismus. Sie zeigen Lähmungserscheinungen, Speichelfluss und ersticken schliesslich qualvoll an einer Atemlähmung.

Die Jäger stellen den Bauern alles für die zeitgemässe Verblendungsmethode notwendige Material zur Verfügung. In einem Waldstück nahe des Rechbergs hat Peter Rieker das Stecken- und Spraylager. Interessierte Bauern können sich bei ihm oder einem anderen Jäger melden. Für den Landwirt entstehen dabei keine Kosten. «Die Stecken wurden von den Jägern in Fronarbeit hergestellt», sagt Rieker. Spray und Aluminium würde der Kanton finanzieren. Pro Hektare machte dies einen finanziellen Aufwand von rund vier Franken.

Interessierte Bauern können sich bei Peter Rieker melden: 071 352 32 44.

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