HERISAU: Leben statt rosten

Plakate kündigen es an: Am 3. September ist Vorpremiere von «Aktiv ins Alter» im Cinétreff. Zwei Protagonisten erleben diese nicht mehr. Deren Tod gibt dem Film gemäss Regisseur noch eine andere Perspektive.

Roger Fuchs
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Hauptprotagonisten von «Aktiv ins Alter»: Sprinter Charles Eugster (verstorben), Showakrobat Fredi Lehmann, Wasserspringer und Gleitschirmpilot Peter Roseney, OL-Läuferin Verena Harzenmoser, Triathlet Sigi Amrein. Nicht auf Filmplakat: Pianistin Maria Keller (verstorben). (Bild: PD)

Hauptprotagonisten von «Aktiv ins Alter»: Sprinter Charles Eugster (verstorben), Showakrobat Fredi Lehmann, Wasserspringer und Gleitschirmpilot Peter Roseney, OL-Läuferin Verena Harzenmoser, Triathlet Sigi Amrein. Nicht auf Filmplakat: Pianistin Maria Keller (verstorben). (Bild: PD)

Roger Fuchs

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@appenzellerzeitung.ch

Senioren, bei denen das normale Altwerden nur Nebensache ist, stehen im Zentrum des Films «Aktiv ins Alter». Am 3. September ist Vorpremiere im Kino Cinétreff in Herisau. Konkret porträtiert der Film des Ostschweizer Regisseurs Manuel Schweizer sechs Menschen, die längst über dem Pensionsalter sind, dennoch aber aktiver leben als manch junge Person. Dazu gehört beispielsweise der siebzigjährige Peter Roseney aus Wil, der mit 66 Jahren das Gleitschirmfliegen erlernte. Weiterhin an bis zu dreissig Orientierungsläufen pro Jahr nimmt die 86-jährige Verena Harzenmoser aus St. Gallen teil. Auch ein Showakrobat und ein Triathlet kommen vor. Charles Eugster aus Uitikon wiederum hat noch mit 95 Jahren angefangen zu sprinten und Maria Keller aus Zürich begleitete selbst im Alter von 102 Jahren Ballettschüler am Klavier.

Während der Dreharbeiten verstorben

Maria Keller und Charles Eugster erleben den Kinostart nicht mehr. Sie sind im Verlauf der Dreharbeiten verstorben. Dass sie dennoch ein Teil des Films blieben, sei natürlich mit den Angehörigen abgesprochen worden, sagt Manuel Schweizer. Er gibt sich auch überzeugt, dass der Tod dieser zwei Menschen dem Film nochmals eine ganz andere Perspektive gibt. «Alles ist vergänglich», sagt Schweizer. «Man sollte die Zeit nutzen, solange man kann.» Die beiden Verstorbenen hätten bis zuletzt ihre Leidenschaft gelebt. Diese Möglichkeit würde er sich auch für sich selbst wünschen, so Manuel Schweizer.

Drei Jahre lang hat der 29-Jährige aus Lütisburg am Film gearbeitet. Material von über vierzig Drehtagen galt es zu einem Film zusammenzuschneiden. «‹Aktiv ins Alter› ist für mich längst mehr als nur ein gewöhnlicher Film», sagt er. «Ich durfte an vielen persönlichen Momenten teilhaben.» Kennengelernt hatte er seine Protagonisten teils durch Zufall. Den Wasserspringer habe er auf einem Sprungturm beobachtet und dann sogleich angesprochen. Die OL-Läuferin lernte er über eine Kollegin kennen.

Dass der Film das Potenzial zu einem richtigen Kinoknüller hat, ist spätestens seit dem Filmfestival in Locarno gewiss. Die Anzahl der Kinos, welche den Film zeigen wollen, hat sich an jenem Anlass von 15 auf 30 verdoppelt. Weitere Kinos sind seither dazugekommen, so dass der Film nun in 43 Schweizer Sälen zu sehen sein wird.

Damit der Film realisiert werden konnte, war ein Filmbudget von 140000 Franken notwendig. Zweimal habe er bei der Filmförderung in St. Gallen angeklopft, sagt Manuel Schweizer, beide Male sei er abgelehnt worden. Unterkriegen liess sich der Regisseur dennoch nicht. Alles in allem hofft Manuel Schweizer, dass es mit dem Film auch gelingt, ein negativ behaftetes Bild über die ältere Generation zu korrigieren. Vielfach herrsche der Eindruck vor, Ältere würden nur noch im Schaukelstuhl sitzen und Gelder vom Staat kassieren. Zuschauer sollen Zeugnis erhalten, dass dem nicht so ist. Ganz nach dem Motto von Charles Eugster: «Man kann in jedem Alter ein neues Leben anfangen.»

Der Regisseur ist auch als Stuntman bekannt

«Aktiv ins Alter» dauert 84 Minuten. Offizieller Kinostart ist am 7. September. Für Manuel Schweizer ist es der zweite Film als Regisseur. Nebst diesem Beruf war er in den letzten zehn Jahren auch als professioneller Stuntman tätig, beispielsweise für «Tatort», «Akte Grüninger «oder «Achtung, fertig, WK».

Aktiv ins Alter, Vorpremiere im Cinétreff in Herisau, 3. September, 17.15 Uhr.