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HERISAU: Laut gelebt, leise gestorben

Norbert A. Gschwend ist am 5. April im Alter von 88 Jahren verstorben. Sein ereignisreiches Leben im Rückblick.
Elias Eggenberger
Norbert Gschwend litt an Demenz. (Bild: PD)

Norbert Gschwend litt an Demenz. (Bild: PD)

Elias Eggenberger

elias.eggenberger@ appenzellerzeitung. ch

Die Fussballweltmeisterschaften 1970 in Mexiko, erstmals ist dort Bandenwerbung zu sehen. Wer hätte es gedacht: Diese Idee stammt aus Herisau. Norbert Gschwend ist mit seiner Firma Gloria International, die sich der Vermarktung der Bandenwerbung verschworen hatte, der Durchbruch gelungen. «Er war eine Kämpfernatur», sagt Samuel Hunziker, ehemaliger Direktor der Ausserrhoder Kantonalbank und langjähriger Geschäftspartner von Gschwend. Nicht von irgendwoher komme Gschwends Erfolg, er habe so lange gekämpft, bis er die Werberechte für die Weltmeisterschaften bekommen hatte. Das Prinzip der Firma war einfach, aber damals etwas völlig Neues: Die Gloria International kaufte Werberechte von Sportanlässen und verkaufte danach die Werbeplätze auf den Banden an entsprechende Firmen. Heute ist Werbung ein fixer Bestandteil an Sportanlässen. «Er war ein klassischer Pionier in jeglicher Hinsicht», beschreibt Hunziker ihn. Nicht nur im Werbegeschäft war er tätig, sondern auch in der Pharmazie. In den Sechzigerjahren kaufte er einem österreichischen Apotheker die Rechte für das Rheumamittel Polydynamon ab. Dies war auch der Grund, weshalb er nach Herisau kam.

Die Gesetzeslage für die Herstellung von Naturheilmitteln war damals gut im Appenzellerland. So konnte Norbert A. Gschwend seine Medizin von Herisau in die Welt liefern. Bald darauf gründete er sein Flagschiff, die Gloria International. Das Projekt Polydynamon wurde auf die Seite gelegt. Bis in die Neunzigerjahre boomte Gschwends Werbefirma regelrecht. Norbert Gschwend selber war ein Patron, dem nichts entging. «Alles lief über seinen Tisch. Kein Brief ging heraus, den er nicht gelesen hatte», sagt Samuel Hunziker. Er sei ein Workaholic gewesen. « Er war der Erste, der morgens im Büro stand, und der Letzte, der ging», so Hunziker. Auch als er eine Hüftoperation gehabt hätte, sei er bereits eine Woche später wieder im Büro gestanden. Sein gleichnamiger Sohn bestätigt: « Er war zu 100 Prozent Geschäftsmann.» Er hätte aber zwei Seiten gehabt, sagt Hunziker. Die geschäftliche Seite und die zwischenmensch­liche. Geschäftlich sei er knallhart gewesen und habe sich im­mer durchgekämpft. Zwischenmenschlich hingegen sehr liebenswürdig und grosszügig. Bei seinen vielen Immobilien habe er immer darauf geachtet, dass einheimische Handwerker daran arbeiteten, auch wenn es oft die teurere Lösung gewesen sei. Auch im Umgang mit den Mitarbeitern sei er vorbildlich gewesen. Doch seine Firma geriet in Schieflage, als die Ausserrhoder Kantonalbank einen wichtigen Vertrag platzen liess, berichtete die NZZ. Damit verlor die Gloria International ihre wichtigsten Kunden.

In einem gerichtlichen Prozess ging die Familie Gschwend gegen die Banken vor – ohne grösseren Erfolg. Danach zog sich Gschwend zurück aus den Geschäftstätigkeiten. Mit 80 erkrankte er an Demenz und verbrachte seine letzten Jahre im Psychiatrischen Zentrum Krombach in Herisau. Gschwend starb am 5. April mit 88 Jahren.

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