HERISAU: Koch im Krisenherd

Marcel Stöcklin plant ein neues Abenteuer. 2006 ist der heute 60-jährige Herisauer mit dem Smart um die Welt gereist. Jetzt will er nach Myanmar – sofern Unruhen das nicht verunmöglichen.

Andy Lehmann
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Marcel Stöcklin möchte fremde Kulturen auch kulinarisch kennen lernen und sammelt auf seiner Reise Kochrezepte. (Bild: ALE)

Marcel Stöcklin möchte fremde Kulturen auch kulinarisch kennen lernen und sammelt auf seiner Reise Kochrezepte. (Bild: ALE)

Andy Lehmann

andreas.lehmann

@appenzellerzeitung.ch

Die Koffer sind gepackt. Am 9. April geht’s los. Marcel Stöcklin plant, auf dem Fluss Irawadi durch Myanmar, ehemals Burma, zu tuckern. Aber: «Derzeit rät das EDA von einer solchen Reise ab, denn im Land herrscht Bürgerkrieg», sagt der 60-Jährige. Aufgewachsen ist er mitten in Basel im Restaurant Hardeck. Das Leben als Wirtesohn prägte ihn nachhaltig, denn er erlernte selber den Wirteberuf. Interessiert an fremden Speisen und Rezepten, verliess er mit 18 Jahren die Schweiz und bereiste Latein- und Südamerika. «Ich habe überall als Koch gearbeitet und dabei sehr viel über Menschen und Natur gelernt. Während 25 Jahren war ich kochend unterwegs, und wo ich auch hinkam wurde ich freundlich empfangen», sagt Marcel Stöcklin.

Seine verrückteste Reise startete er im April 2006. Mit einem geschenkten Smart und einem vom Kinderdorf Pestalozzi gestifteten Anhänger machte er sich auf, die Welt zu umrunden. Während der Vorbereitung lernte er jedes Bauteil und jede Schraube seines Smart kennen. Er reiste ­alleine und musste den Wagen selber reparieren können. Sein angestrebtes Ziel, zwei Jahre später in New York einzufahren, erreichte er nicht. Denn nachdem er von der Schweiz via Österreich, Tschechien, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Mongolei gefahren war, konnte er in China nicht einreisen. «Selber fahren wäre unmöglich gewesen, denn die Verkehrsschilder sind nur in chinesischer Sprache beschriftet. Also reiste ich per Zug weiter nach Vietnam», erinnert sich Marcel Stöcklin. Drei Monate lang war er in Vietnam unterwegs. «Es war unglaublich. Ich brauchte nie ein Hotel, sondern war überall eingeladen. Es beeindruckte mich sehr, dass Leute, die selber kaum was zum Leben haben, mich wie einen guten Freund bei sich aufgenommen haben.» Leider endete in ­Vietnam sein Traum von der Weltumrundung. Die Ausreise wurde ihm, respektive seinem Smart, verweigert. So blieb ihm nichts anderes übrig, als zurück in die Schweiz zu reisen. Der Smart wurde nach zähen Verhandlungen in einem Schiffscontainer nach Rotterdam gebracht.

Das goldene Dreieck im Visier

Seit sechs Jahren lebt Marcel Stöcklin mit seiner Lebenspartnerin in Herisau. Die vergangenen zehn Jahre waren nicht einfach für ihn. Gesundheitliche Probleme verunmöglichten es dem Weltenbummler, auf grössere Reisen zu gehen. Er entdeckte das Malen sowie das Lesen von Krimis für sich. Seine Lieblingsautorin Petra Ivanov ist gut vertreten in seinem Bücherregal. Nun, da es ihm wieder besser geht, tritt er die Reise nach Myanmar an. Zuerst fliegt er nach Abu Dhabi und dann weiter nach Khon Kaen. Die Stadt liegt im Norden Thailands, an der Grenze zu Laos. Sollte die Flussreise durch Myanmar nicht möglich sein, wird er Länder wie Laos, Thailand, Kambodscha bereisen. Wie schon auf der Smart-Tour ist er alleine unterwegs, das mag er am liebsten. Mitte August möchte Stöcklin mit unzähligen Erinnerungen, geschlossenen Freundschaften und vielen Kochrezepten im Gepäck zurück in ­ die Schweiz reisen. «Vielleicht schreibe ich dann ein Buch über Kochrezepte aus aller Welt.»

Hinweis

Marcel Stöcklin wird in der Appenzellerzeitung mit Bildern und Texten von seiner Asienreise berichten.