Komitee pro Bahnhof Herisau ist sich sicher: Herisauer Bahnhof ist aus der Zeit gefallen

Das Komitee pro Bahnhof Herisau informierte gestern über die Brennpunkte, die es am Verkehrsknotenpunkt gibt.

Astrid Zysset
Drucken
Teilen
Einwohnerrat Hans Hagmann bei seinen Ausführungen im Parkhaus beim Bahnhof. Bild: Astrid Zysset

Einwohnerrat Hans Hagmann bei seinen Ausführungen im Parkhaus beim Bahnhof. Bild: Astrid Zysset

Für Mathias Steinhauer, Kantonsrat und Mitglied des Komitees pro Bahnhof Herisau, ist die Ausgangslage klar: «Das Areal ist veraltet. Es ist prädestiniert für eine Entwicklung.» Er zeigt auf den Güterschuppen. Dieser habe schon längst nichts mehr mit Güterumschlag zu tun. Das Gebäude, welches mit «Appenzeller Bahnen» über dem Eingang angeschrieben ist, werde lediglich als Pausenraum für das Personal der Regiobus AG genutzt und im Postgebäude sind weder Schalter noch Postfächer in Betrieb. «Das steht alles sinnbildlich dafür, dass das Areal aus der Zeit gefallen ist.»

Diesen Eindruck wollten vergangenen Samstag Mitglieder des Komitees wie auch Partner des öffentlichen Verkehrs wie die Südostbahn, die Appenzeller Bahnen, Regiobus oder auch Postauto Schweiz vermitteln. An acht Stationen warteten Fachleute, die unterschiedliche Punkte beleuchteten, wo es in ihren Augen am heutigen Bahnhof harzt. Insgesamt über 100 Leute nahmen an den Führungen teil. Mit dieser Aktion wollte das Komitee Stimmung für die kommende Abstimmung machen: Am 20. Oktober befindet die Herisauer Stimmbevölkerung über den Teilzonenplan Bahnhof, der die Grundlage für eine gross angelegte Arealentwicklung schafft.

Beengte Verhältnisse für Busse und Fahrgäste

6900 Fahrzeuge passieren täglich das Bahnhofsareal. Die Appenzeller Bahnen zählen 900 Fahrgäste, die Südostbahn 4800, Postauto 500 und Regiobus über 2000, welche am Bahnhof Herisau Tag für Tag ein- und aussteigen. Solch hohe Frequenzen führen jedoch auch zu Problemen. Hanspeter Mazenauer, Produktmanager bei der Postauto AG, hält fest, dass die Bushaltestellen unzureichend ausgeschildert sind. Zudem seien die Platzverhältnisse für die Busse sehr beengt. Eine Problematik, die man auch bei der Regiobus AG kennt. Die Haltestellen am Bahnhof seien einst für zwei Busse ausgelegt worden. Heute stünden zu voller Stunde bis zu vier Fahrzeuge gleichzeitig dort. Was die Situation noch zusätzlich unübersichtlich mache, ist, dass bis zu 18 Meter lange Sattelschlepper, die Waren für den Verkaufsladen «avec» liefern, mitten auf der Strasse, direkt vor dem Wendeplatz der Regiobusse halten.

Einwohnerrat Hans Hagmann begrüsst die Teilnehmenden der Führung im Parkhaus. Hier oben offenbart sich der Blick auf den Kreisel. Dieser würde sich rauf zur Kirche verschieben. So zumindest sieht es ein Projekt des Kantons vor, über dessen Finanzierung kommenden Mai an der Urne befunden wird. Hagmann betont, dass die Kreiselverlegung nicht Gegenstand der Abstimmungsvorlage vom 20. Oktober ist, die Projekte aber miteinander in Beziehung stehen.

Jetziger Lift ist zu klein für Rollstuhlfahrer

Bauarbeiten am Bahnhof erfolgen bereits 2022, wie Klaus Bischof, Leiter Betriebsführung der Südostbahn, ausführt. Das Behindertengleichstellungsgesetz hält fest, dass der öffentliche Verkehr bis spätestens Ende 2023 den Bedürfnissen der behinderten und altersbedingt eingeschränkten Reisenden entsprechen muss. Auf dem Mittelperron würde das Dach verlängert werden und eine Rampe zur Unterführung entstehen, damit Rollstuhlfahrer diese benützen können, um zu den Bushaltestellen zu gelangen. Das ist aktuell nicht möglich. Der Lift zur Unterführung ist zu klein, als dass ein Rollstuhl darin Platz finden würde. Betroffene müssen sich somit um Personal bemühen, das sie oberirdisch über die Gleise begleitet.

Auch die Appenzeller Bahnen planen gross angelegte Bauarbeiten: Ein entsprechendes Projekt befindet sich aktuell im Bewilligungsverfahren in Bern. Der Entscheid soll bis zum Sommer vorliegen. Vorgesehen ist, dass sich die gesamten Gleisanlagen nach hinten zum Felsen verschieben. Damit würde eine grosszügige Fläche frei werden, auf welcher der künftige Bushof installiert wird. Die bestehende Unterführung Ost zu den Appenzeller Bahnen würde zudem verlängert werden. Ein Personenlift sowie eine Fussgängerpasserelle sollen gebaut werden, sodass die Distanz zum Ebnet in wenigen Minuten zurückgelegt werden könnte.