HERISAU: Ideen statt Moneten zum Reisen

«Mit wenig Geld durch die Ostschweiz» lautete das Motto eines Angebots während der Sonderwoche der Herisauer Oberstufe. Elf Schüler erklärten sich vergangene Woche für das Abenteuer bereit. Eines, das sie nicht vergessen werden.

Stephanie Sonderegger
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Manuel Schiesser (2. v.r.) entschied sich mit seinen Schulkollegen für das Kickboard.

Manuel Schiesser (2. v.r.) entschied sich mit seinen Schulkollegen für das Kickboard.

HERISAU. Herisau – Frauenfeld – Altnau – Arbon – St. Gallen und zurück nach Herisau – und das möglichst ohne Geld. Unmöglich? Falsch. Elf Schülerinnen und Schüler der dritten Oberstufe in Herisau nahmen das Wagnis auf sich. Vier Tage waren sie vergangene Woche anlässlich einer Sonderwoche unterwegs. Tagsüber organisierten sie nicht nur das Vorankommen mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln, sondern auch ihre Verpflegung.

Reisen im Regenwetter

Hinter der Idee steckt Lena Kopp. Die Schulische Sozialpädagogin hatte sich dieses Jahr bereit erklärt, eine Sonderwoche anzubieten. «In meiner Ausbildung hatte ich das Fach Erlebnispädagogik», sagt sie. Sie sei fasziniert gewesen von der Idee, dass Jugendliche durch ein solches Projekt Erfahrungen sammeln und den Zusammenhalt stärken können. «Erst wollten wir durch die ganze Schweiz, dann haben wir uns auf die Ostschweiz beschränkt.» Elf Schülerinnen und Schüler meldeten sich für das Wagnis an. In Gruppen zogen sie mit einem Notfall-Sackgeld von zehn Franken los. Das Ziel wurde jeweils vorgegeben, kommuniziert wurde per Handy über eine WhatsApp-Gruppe. Die erste Etappe ging von Herisau nach Frauenfeld.

Die 15jährige Debora Eggmann entschied sich mit zwei Schulkolleginnen für das Velo als Fortbewegungsmittel. «Leider war der Regen so stark, dass wir die Velos in Gossau stehen lassen mussten», erzählt sie. Eine Lösung war schnell gefunden: Ein Grossvater fuhr die Schülerinnen nach Wil. Danach ging es mit dem Zug weiter – das Billett wurde aus dem Notfall-Sackgeld bezahlt. Die Tage darauf lief es für Debora Eggmann und ihre Mitschüler besser: Sie backten Guätzli und verkauften sie – mit Erfolg. Auch die Gruppe von Manuel Schiesser brauchte gute Ideen und Durchhaltevermögen. Sie reiste mit dem Kickboard. Der 16-Jährige hatte dabei einen Vorteil: Er kennt das Reisen ohne Geld von der Pfadi. «Wir haben die Leute nach Arbeit gefragt, damit sie uns etwas Geld geben können», erzählt er. Er habe unter anderem Küngeliställe gemistet und gejätet. «Einmal wollten wir in einem Restaurant Abwaschen, damit wir dafür etwas zu essen bekommen», berichtet Manuel Schiesser. Da sie wegen des Regens durchnässt gewesen seien, hätten die Restaurantbetreiber Mitleid gehabt. «Sie haben uns Schnitzel-Pommes spendiert und unsere Wäsche getrocknet, ohne dass wir arbeiten mussten.»

Zusammenhalt beeindruckte

Von der Hilfsbereitschaft überrascht zeigt sich Lena Kopp, die das Ganze mit Zivildienstler Patrik Würth begleitete. «Das habe ich in dem Ausmass nicht erwartet», sagt sie. Wo sie hätte nachhelfen müssen, sei bei den Unterkünften gewesen. «Bei den Hotels war es schwierig.» Doch auch da wurden Lösungen gefunden: Eine Nacht verbrachten die Schüler in der Garderobe eines Hallenbads, eine im Stall eines Bauerns und eine nächtigten sie in einer Turnhalle. Die Suche nach Verpflegung gestaltete sich hingegen einfach: Bei Bäckereien gab es kostenlose Eingeklemmte und Brot, manche durften sogar Pizza in einem Restaurant backen. Was sowohl Lena Kopp als auch Debora Eggmann und Manuel Schiesser beeindruckte, war der Zusammenhalt. «Und wie weit man mit wenig Geld kommt», fügt die 15jährige Schülerin hinzu.

Ein Sonderwoche der besonderen Sorte – für die Herisauer Oberstufenschüler ein einprägsames Erlebnis. (Bilder: pd)

Ein Sonderwoche der besonderen Sorte – für die Herisauer Oberstufenschüler ein einprägsames Erlebnis. (Bilder: pd)

Debora Eggmann (M.) beim Backen der Guezli, die sie danach verkauften.

Debora Eggmann (M.) beim Backen der Guezli, die sie danach verkauften.

Lena Kopp Schulische Sozialpädagogin Oberstufe Herisau (Bild: sso)

Lena Kopp Schulische Sozialpädagogin Oberstufe Herisau (Bild: sso)