Herisau
«Ich stehe quasi wieder vor vollendeten Tatsachen»: Kirchenparlamentarier fordert Mitspracherecht bei pastoralen Veränderungen

Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Herisau informierte über die Rechnung und den Kirchenpark Hinterland. Zu reden gaben jedoch die geplanten pastorale Veränderungen.

Lukas Pfiffner
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Die Kirche Herisau wird derzeit renoviert.

Die Kirche Herisau wird derzeit renoviert.

Bild: Lukas Pfiffner

Das Stichwort «Weitere Informationen: Pastorale Dienste» war im Programm der Veranstaltung der Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Herisau vom Donnerstag fast am Schluss aufgeführt, erst als Punkt vier. Aber das Thema löste – anders als die Rechnung und die Ausführungen zum geplanten Kirchenpark Hinterland – im Kirchgemeindehaus ein engagiertes und kritisches Votum aus.

Ulrich Sturzenegger, Mitglied der Synode der Landeskirche beider Appenzell.

Ulrich Sturzenegger, Mitglied der Synode der Landeskirche beider Appenzell.

Bild: APZ

Pfarrer Peter Solenthaler hatte unter anderem erklärt, dass ab Herbst ein Abendgottesdienst pro Monat in einfacher Form ohne Predigt sowie die Auflösung der bisherigen Pfarrbezirke geplant seien. Und man wolle weniger Sitzungen durchführen, dafür mehr nach dem Delegationsprinzip vorgehen. Darauf meldete sich Hans-Ulrich Sturzenegger, Mitglied der Synode der Landeskirche beider Appenzell. Er wolle der Kirchenvorsteherschaft sehr ans Herz legen, zuerst die Finanz- und Personalsituation nochmals in der Ganzheit anzuschauen. Es sei seiner Meinung nach falsch, jetzt etwas zu verändern, wenn ja in zwei Jahren der Kirchenpark komme. «Zudem schreiben Verfassung und Reglemente vor, dass die Kirchgemeinde bei bedeutenden Veränderungen ein Mitspracherecht hat. Und das wären doch wichtige Veränderungen.» Er stehe jetzt wieder (wie im November bei der Abstimmung über das Budget) quasi vor vollendeten Tatsachen und habe keine Möglichkeit, Stellung zu nehmen, ergänzte Sturzenegger. Präsidentin Uschi Hofmänner sagte, sie nehme diese Äusserung so entgegen und werde das Vorgehen in der Kivo besprechen.

«Grösseres Minus verhindert»

Am 25. April stimmen die Kirchenmitglieder über die Jahresrechnung ab. Sie weist ein Minus von rund 74'000 Franken aus. Der Voranschlag für 2020 hatte ein um rund 21'000 Franken grösseres Defizit vorgesehen. Zwar wurden 131'000 Franken weniger Steuern eingenommen als budgetiert; dafür waren in den Bereichen Personal, Ressorts/Veranstaltungen und Liegenschaften die Ausgaben deutlich tiefer als erwartet. «Dadurch konnte ein wesentlich grösseres Minus verhindert werden», sagte Kassierin Ursi Baumann. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage, der weiter sinkenden Steuereinnahmen und des stetigen Rückgangs der Mitgliederzahl (um etwa 100 pro Jahr) wird wohl eine Steuererhöhung für das Jahr 2022 ins Auge gefasst werden müssen.

Konkreter Vorschlag im Sommer

Kivo-Präsidentin Uschi Hofmänner.

Kivo-Präsidentin Uschi Hofmänner.

Bild: pf

Hofmänner gab den rund 20 Personen im Kirchgemeindesaal und den Nutzern der Liveübertragung im Internet einen Überblick über den Stand der Planung im Hinblick auf den «Kirchenpark Appenzeller Hinterland». Die Kirchgemeinden Schönengrund, Waldstatt, Schwellbrunn und Herisau arbeiten bekanntlich auf einen Zusammenschluss hin. Die Website www.kirchenpark.ch ist seit Dezember in Betrieb, ein Sekretariat in Herisau eingerichtet. «Für alle Angestellten gilt die Besitzstandwahrung; es wird keine Kündigung geben», sagte sie. Der gemeinsame Steuerfuss ist auf 0,6 Einheiten vorgesehen. Im Sommer 2021 soll ein konkreter Vorschlag für die neue Kirchgemeinde vorliegen und in die Vernehmlassung gehen. Es werden Informationsveranstaltungen folgen. Die Urnenabstimmung über den Zusammenschluss ist für September 2022 geplant. Ein Versammlungsteilnehmer stellte die Frage, ob denn die Bezeichnung «Hinterland» juristisch-formell korrekt sei. Die Kivo-Präsidentin sagte, man werde zusätzliche Abklärungen vornehmen.

Bauarbeiten im Plan

Geri Schurter, der Vizepräsident der Kivo, berichtete als Mitglied der Projektsteuerungsgruppe über die Innenrenovation der Kirche und die Errichtung des Nebengebäudes. Er zeigte einige Impressionen. «Ich bin begeistert und möchte Sie ‹gluschtig› machen, wie das Ganze dann einmal aussehen wird.» Bei den Kosten sei man «im Plan», und auch punkto zeitlicher Abläufe seien die Verantwortlichen guten Mutes. «Allerdings finden einige Arbeiten draussen statt; da sind wir vom Wetter abhängig.» Pfarrerin Esther Furrer informierte zum Stichwort «Begegnungsort»: So ist ein Gartenbautag am 24. April vorgesehen; der Gartensommer soll mit acht Terminen fortgeführt werden. Und an vier Samstagen wird die reformierte Kirchgemeinde in den Sommerferien mit einem Bistro auf dem Wochenmarkt vertreten sein.