HERISAU: Guineas Bauern unterstützt

Sieben Jahre lang hat Daniel Berger Bauernfamilien in Guinea in Westafrika in landwirtschaftlichen Fragen beraten. Seine Erfahrungen machten nicht nur ihm, sondern auch der Bevölkerung vor Ort grosse Freude.

Martin Brunner
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Bäuerinnen und Bauern besuchen die Kurse gerne. (Bild: PD)

Bäuerinnen und Bauern besuchen die Kurse gerne. (Bild: PD)

Martin Brunner

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@appenzellerzeitung.ch

Die Landwirtschaft lag Daniel Berger schon immer am Herzen. Vor allem als ehemaliger Leiter des Landwirtschaftsamtes beschäftigte sich der Agronom täglich mit den Anliegen der Bauern in Appenzell Ausserrhoden. Dass er sein Wissen dereinst in Westafrika weitergeben würde, lag nicht gerade auf der Hand. «Vom Direktor der Entwicklungsorganisation ‹Sam global› wusste ich, dass er einen Agronomen für einen Einsatz in Guinea suchte», erzählt er. «Nach gründlichen Überlegungen stellten meine Frau und ich fest, dass der Auftrag zu uns passt. Wir sahen darin so etwas wie eine Berufung.»

So reisten Margrit und Daniel Berger nach Kissidougou in Guinea mit dem Anliegen, die Bauern professionell zu unterstützen. «Im Vordergrund stand, dass wir den Bauern zuhörten und konkrete Probleme angehen konnten», betont Berger. Bergers Ziel waren nicht Geschenke, sondern das Interesse zu wecken. Das scheint ihm gelungen zu sein. Er erzählt von einem herzlichen Verhältnis von Anfang an. «Die Achtung der Einheimischen vor weissen Menschen und dann noch mit weissen Haaren ist sehr gross. Wir trafen überall auf offene Türen. Fast unvorstellbar für sie war, dass wir als Weisse auf die Felder gingen und Erde in die Hand nahmen.» Mit zum Konzept gehört, dass die Bauern ein Kursgeld bezahlen und Geräte sowie Informationsmaterial kaufen müssen.

Kurse halfen weiter

Bergers Einsatzort war eine von Wald geprägte Region, in der Kleinbauern sich und ihre Familien selber versorgen. Das Problem war aber, dass die Böden durch den verkürzten Wanderfeldbau fast keine Erholung hatten und wenig Ertrag abwarfen. Also startete Berger mit Reisversuchen und baute einen Kurs auf, um junge guineische Agronomen in Theorie und Praxis auszubilden. Jedes Jahr werden nun rund 300 Kurse und etwas mehr als 300 Demonstrationsfelder organisiert. Schwerpunkte in dieser Ausbildung sind die Bodenfruchtbarkeit, die Verbesserung des Ertrags und die Steigerung der Produktion. «Die Bauern erlebten auf den Demonstrations- und ihren eigenen Feldern, dass sie mit dem neuen Wissen vorwärts kommen», erzählt er. Zusätzlich motivierend ist ein Wettbewerb, in dem es darum geht, wer auf 1000 Quadratmetern den grössten Ertrag an Reis erzielt. Sogar Spitzenerträge wurden möglich. Die Begeisterung der Bauern ist jeweils fast grenzenlos.

Berger ging aber noch weiter. Er wollte, dass die Bauernfamilien nicht immer wieder Opfer von Wucherern werden. Sie sollen einen Teil ihrer Ernte gemeinsam lagern, um dadurch Engpässe in der Versorgung zu vermeiden und bessere Preise zu erzielen. Er half deshalb mit, auf Warentausch basierende Getreidebanken aufzubauen, die durch die Bauerngruppen verwaltet werden. «Nicht alle diese Banken waren erfolgreich», erklärt er. «Es gab aber auch solche, die sogar ein neues Lagergebäude für ihre Erzeugnisse bauen mussten.» Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, die Qualität der Nahrung zu steigern, ohne gleich eine Ernährungsumstellung einzuleiten. Er begann, den Anbau von proteinreichen Pflanzen wie Soja und Moringa zu fördern. Auch dieser Teil seines Kurses stiess auf grosses Interesse. Nicht zuletzt erfuhr das Projekt durch die Bereiche Gemüse- und Kräuteranbau nochmals eine Erweiterung. Beeindruckend ist, dass das Projekt zum Anziehungspunkt für Bauern aus anderen Regionen wurde und sich weiter ausbreitet.

Dankbar schaut das Ehepaar Berger auf die Zeit in Guinea zurück. Der Erfolg der Einheimischen freute den Schweizer Agronomen, denn die Selbsthilfe war sein Ziel. «Das Schönste ist, dass wir damit den Menschen in Guinea an ihrem Ort eine Perspektive und eine Zukunft vermitteln», sagt er. Er wird das Projekt auch in Zukunft begleiten. Für ihn ist aber ganz wichtig: «Die Leitung war immer und bleibt bei der guineischen Partnerorganisation.»