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HERISAU: Glück bringen, Geld sammeln

In diesen Tagen sind Sternsinger unterwegs. Sie ziehen von Wohnung zu Wohnung, sagen Texte auf und zeichnen oder kleben Symbole an die Türe – alles für einen guten Zweck. Wir haben am Dreikönigstag eine Gruppe begleitet.
Lukas Pfiffner
Einer der Könige schreibt Buchstaben, Zahlen und Kreuze an die Türe. (Bild: Lukas Pfiffner)

Einer der Könige schreibt Buchstaben, Zahlen und Kreuze an die Türe. (Bild: Lukas Pfiffner)

Lukas Pfiffner

lukas.pfiffner@appenzellerzeitung.ch

Die Kleider gehören der Pfarrei. "Wir verteilen sie nicht jeden Tag gleich", erzählt Lea. Die Fünftklässlerin trifft sich am späten Samstagnachmittag mit Johanna und Leonie an der Herisauer Rondellenstrasse: Kaspar, Melchior, Balthasar. Eine(r) von ihnen trägt diesmal auch den Stern. Manchmal ergänzt ein viertes Kind die Gruppe. Eine Mutter begleitet sie, hat die Übersicht über Namen und Zeiten. Sie hält sich aber im Hintergrund, wenn die Kinder klingeln.

Die Häuser resp. Menschen, die aufgesucht werden, lassen sich in drei Kategorien einteilen. Da sind einmal die Personen, welche die Sternsinger telefonisch bestellt haben – etwa 30 in Herisau dieses Jahr. Zweitens: In manchen Eingängen ist mit einem Kleber oder mit Kreidezeichen sichtbar, dass vor zwölf Monaten die Sternsinger im Eingangsbereich gewesen sind. Und drittens (wenn zwischen den festen Terminen noch genug Zeit und Mut vorhanden sind) klingeln die Kinder auch aufs Geratewohl. "Vor allem bei Leuten, die wir kennen", sagen die Mädchen.

Die Zahl entspricht ungefähr jener des vergangenen Jahres

Gut 20 Kinder aus den 4. bis 6. Klassen seien in diesem Jahr in Herisau und Waldstatt unterwegs, sagt Thomas Schwarz. Er gehört dem Seelsorgeteam der katholischen Pfarrei an und koordiniert die Einsätze der Sternsinger. "Die Zahl entspricht ungefähr jener der vergangenen Jahre." Fünf Gruppen sind im Einsatz. Nur zwei Knaben machen diesmal mit, aber mit sehr viel Eifer, wie zu hören ist. Auch reformierte Kinder sind unter den Sternsingern; der Religionsunterricht findet ja ökumenisch statt. Mit einem Gottesdienst zur Aussendung hat am 2. Januar die Sternsingeraktion begonnen; im Gottesdienst vom gestrigen Sonntag trafen sich die Sternsinger wieder in der Kirche. "Einige Wohnungen werden voraussichtlich auch noch in den nächsten Tagen besucht", erzählt Thomas Schwarz.

In der ersten Wohnung ist niemand zu Hause. "Wir versuchen es später noch einmal." Beim zweiten Haus öffnet der Vater. Er empfängt die Gruppe sehr wohlwollend. Die Sternsinger singen: "Wir folgen dem Stern ..." Sie sagen Texte auf. Zum Beispiel: "Wir bringen in dieser Stunde frohe Kunde und wünschen Glück und Segen." Sie weisen darauf hin, dass ihr Zeichen zum Wohl des Hauses und der Bewohner beitragen soll. Der Mann wählt die Variante "Kreide" und nicht den Kleber. In Kombination mit Kreuzen und Jahreszahl wird C, M, B an die Türe geschrieben. Für die Buchstaben gibt es zwei Interpretationen. Einerseits stellen sie die Anfangszeichen der drei Königsnamen Kaspar, Melchior und Balthasar dar. Andererseits stehen die Buchstaben als Abkürzung für einen frühchristlichen Segensspruch in lateinischer Sprache: "Christus mansionem benedicat", was soviel bedeutet wie "Christus segne dieses Haus". Wenn die Bewohner des Hauses nicht angetroffen werden, können die Sternsinger Faltblätter mit Informationen, einem CMB-Kleber und einem Einzahlungsschein in den Briefkasten legen.

Gegen Kinderarbeit und für Bildung in Indien

Auch in Ländern wie Deutschland und Österreich sind mehrere Tausend Kinder unterwegs. Das Sternsingen hat historische, biblische Wurzeln. Mit dem Segen wurde Schutz vor Feuer, Seuchen und Unfällen erbeten. In der heutigen Art ist der Brauch hierzulande in den Achtzigerjahren wieder zu Leben erweckt worden. Materialien, Informationen, Hinweise für die Sternsinger erhalten die Gemeinden und Pfarreien von der Organisation "Missio". Das Projekt 2018 setzt sich gegen Kinderarbeit und für Bildung in Indien ein.

Im dritten Haus, das unsere Gruppe besucht, öffnet der Vater. Er wartet, bis auch der jüngste Sohn unter der Türe erscheint. Es wird ein Kleber angebracht. Nervosität ist nicht zu erkennen. Die Mädchen können die Texte und Lieder auswendig. Die Rollen, wer klingelt und wer welchen Vers sagt, sind nicht fix. Nun steht ein kurzer Spaziergang zur Bergstrasse an. Warum machen die Mädchen mit? "Es ist schön und macht Freude." "Ich helfe gerne mit, dass Kinder und Jugendliche in Indien zur Schule gehen können." "Man erlebt Lustiges." Zum Beispiel, erzählt eines der Mädchen, habe es bei einem Besuch gemeint, es werde während des Singens von der Kollegin ans Schienbein getreten. "Aber es war eine Katze." Und einmal habe eine Person Euro ins Kässeli gelegt, weil sie nicht gerade Franken im Portemonnaie gehabt habe.

Höheneinsatz mit einem Beitrag ins Kässeli belohnt

Eine Mehrheit der Leute bevorzuge den Kleber, berichten die Mädchen. Die nächste Wohnungsinhaberin wünscht allerdings Kreidezeichen. "Wenn schon, denn schon … Warte, ich hole dir einen Stuhl", sagt sie. Die Dimensionen des Eingangsbereichs und die vorgesehene Stelle erfordern in diesem Haus Höhenarbeit. Der Einsatz der Gruppe wird auch hier mit einem Beitrag ins Kässeli zu Gunsten des Projekts belohnt. Die Mädchen bedanken sich.

Eine gute halbe Stunde ist vorbei. Die Sternsinger zeigen noch keine Anzeichen von Müdigkeit. Sie sind in einem Quartier auch einmal zwei Stunden unterwegs. "Die nächste Familie weiss, dass ihr kommt. Sie freut sich ganz bestimmt", erklärt die begleitende Mutter. Der ältere Mann, der die Türe öffnet, hätte sogar gerne einen zusätzlichen Kleber. "Für eine zweite Wohnung; wenn das für euch in Ordnung ist." Das Ehepaar hört den Kindern richtig andächtig zu. Diesem würdevollen Teil folgt ein wenig "Small Talk" – zum Beispiel über die Schule.

Und der Mann holt einen Beutel mit Geschenken für die Kinder. In einem Brieflein erhalten sie zudem eine rührende Rückmeldung. Zurück auf dem Trottoir übernimmt die Mutter das Tragen dieser speziellen Sachen. Für die Sternsinger steht schliesslich schon der nächste Besuch an.

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