HERISAU: Gewerbe will politisieren

Der Gewerbeverein strebt 2019 mit einer eigenen Liste Sitze an – unter anderem im Einwohnerrat an. Ein weiteres Thema an der Hauptversammlung ist das Lädelisterben.

Jesko Calderara
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Gewerbepräsident Aldo Carrera verabschiedete Ursula Rütsche. Die Gemeinderätin ist noch bis zum 31. Mai im Amt. (Bild: CAL)

Gewerbepräsident Aldo Carrera verabschiedete Ursula Rütsche. Die Gemeinderätin ist noch bis zum 31. Mai im Amt. (Bild: CAL)

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

Die Gesamterneuerungswahlen im nächsten Jahr werfen ihre Schatten voraus. Der Gewerbeverein Herisau sucht bereits jetzt geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für den Einwohnerrat, den Kantonsrat und allenfalls gar den Gemeinderat. Dies kündigte Präsident Aldo Carrera am Mittwochabend an der Hauptversammlung im Hotel Herisau an. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt.

Konkret ist eine parteiübergreifende Gewerbler-Liste geplant. «Nur so können wir ein Zeichen setzten und aktiv am Geschehen mitwirken», sagte Carrera vor den 57 anwesenden Mitgliedern. Er sei gespannt, ob das Gewerbe in dieser Hinsicht etwas hinbekomme. Falls es nicht gelinge, Interessierte für politische Ämter zu finden, müsse das Jammern aufhören, betonte Carrera. Ihren letzten Auftritt vor den Herisauer Gewerblern hatte die scheidende Gemeinderätin Ursula Rütsche. Sie verteidigte die Vorgehensweise des Gemeinderates beim Referendum zum Parkierungsreglement und bei der Initiative für eine halbe Stunde Gratisparkieren, welche auch aus Gewerbekreisen lanciert wurde. Bei einem Nein an der Urne bleibe das bestehende Parkierungsreglement inklusive der Verordnung in Kraft. Der Gemeinderat werde die Vorlage danach nicht wieder beraten, gab sie zu bedenken. Viele hätten das Referendum unterschrieben, weil damit suggeriert worden sei, dass Anliegen wie die Bewirtschaftung des Parkplatzes bei der Badi und das Gratisparkieren über Mittag nochmals eingebracht werden könnten. «Diese Themen sind jedoch nicht im Parkierungsreglement geregelt.» Sie habe den Eindruck, dass dies nicht überall verstanden worden sei, sagte Rütsche.

Eine eigene App für das Gewerbe

Ein weiteres Thema an der Versammlung war das Lädelisterben in Herisau. Einer der Anwesenden zeigte sich besorgt, dass im Gutenberg-Zentrum und an der Bahnhofstrasse immer mehr Räumlichkeiten leerstehen würden. Der Gewerbeverein habe kein Patentrezept, um diesen Trend stoppen zu können, antwortete Carrera. Eine Ursache für diese Entwicklung sieht er in der Digitalisierung. «Jeder kann etwas dagegen machen, in dem er vor Ort einkauft.»

Zu Wort meldete sich auch Max Nadig. Er wies auf die grossen Herausforderungen hin, vor denen die Gewerbetreibenden stehen. Als Beispiel nannte Nadig die Digitalisierung. Es frage sich, was das Herisauer Gewerbe tun könne. Der Unternehmensberater regte die Entwicklung einer App als Ergänzung zur Hema an. «Damit könnten die dort präsentierten Produkte gezeigt werden.» Als zusätzliche Möglichkeit einer solchen App nannte Nadig die Terminbuchung bei Dienstleistern.