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HERISAU: Geschichten schaffen Heimat

Am Samstag hat die Wandel-Bar ihren ersten Geburtstag gefeiert. Gast war der Autor Paul Steinmann. Er ermunterte die Anwesenden, Geschichten zuzulassen.
Patrik Kobler
«Es hat sich eine Magie entwickelt»: Autor Paul Steinmann hatte den Text für das Festspiel «Der dreizehnte Ort» verfasst. (Bild: pk)

«Es hat sich eine Magie entwickelt»: Autor Paul Steinmann hatte den Text für das Festspiel «Der dreizehnte Ort» verfasst. (Bild: pk)

Am Samstag kehrte Paul Steinmann ins Appenzellerland zurück. Er war Gast der WandelBar. Seit einem Jahr ist der mobile Dorfstammtisch auf Initiative der Stiftung Dorfbild unterwegs. Meistens wird diskutiert, wo Herisau hinwill. Das war dieses Mal anders. «Ob all der Zukunftsmusik geht unsere Herkunft vergessen», sagte Stiftungsrätin Corina Vuilleumier.

Über die Herkunft

Paul Steinmann hat den Appenzellern schon einmal etwas über ihre Herkunft erzählt. Der gebürtige Aargauer ist der Autor des Festspiels «Der dreizehnte Ort», das im Sommer 2013 fast 15 000 Besucher in Hundwil gesehen haben. Die Kulisse am Samstag im Einwohnerratssaal war bescheidener; knapp dreissig Leute besuchten den Anlass. Der Autor setzte nicht zur grossen Lehrstunde an. Vielmehr erzählte er etwas über seine eigene Identität. Er erinnerte sich an seinen Heimatort Villmergen, der zweimal Schauplatz von blutigen Schlachten war. Im Zweiten Villmergerkrieg vor 300 Jahren verloren über 4000 Soldaten ihr Leben. Seit 15 Jahren lebt er im Tösstal.

Als er sich an das Stück «Der dreizehnte Ort» machte, liess er die Einheimischen erzählen, wie sie das Appenzellerland erleben. Das sei zwar nicht spektakulär gewesen, aber interessant, sagte Steinmann. Mit der Zeit habe sich in Hundwil eine Magie entwickelt. Gut 170 Schauspieler und Musiker sowie rund 70 Helfer waren damals am Stück beteiligt. Das Festspiel forderte ihnen viel ab. «Wer etwas bewirken will, muss sich investieren», so Steinmann.

Das Beispiel Mocmoc

Dann schlug er einen Bogen zur Schlacht am Morgarten. Bis heute wisse man nicht, ob es die Schlacht überhaupt gegeben habe. Trotzdem gehöre sie zum Mythos der kleinen Schweiz, die sich gegen die Übermacht wehrt. Das stört Paul Steinmann nicht. «Es geht nicht darum, was passiert ist, sondern darum, was uns die Geschichte erzählen will», sagt er. Geschichten könnten Gefühle viel besser vermitteln als Fakten. Früher sei nicht so viel hinterfragt worden.

Als ein Beispiel aus jüngerer Zeit nannte er das Mocmoc-Denkmal in Romanshorn. 2003 hiess es im Vorfeld der Einweihung des Denkmals, ein Historiker habe bei Arbeiten im Gemeindearchiv ein Dokument aus den 1930er-Jahren mit der Legende eines Fischwesens namens Mogmok gefunden. Die Geschichte erzählt, wie Waisenbub Roman mit Mogmoks Horn die Einwohner vor einem Brand warnt. Später habe man das Dorf dann Romanshorn genannt. Später stellte sich das ganze als eine Erfindung des Künstlerduos Com&Com heraus. Auch wenn das Denkmal für Streit in Romanshorn sorgte, Steinmann ermunterte die Anwesenden, solche Geschichten zuzulassen und originellen Ideen den Boden zu bereiten.

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