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HERISAU: Fundamentalismus im Rampenlicht

Morgen wird unter der Leitung von Regisseur Andrej Togni das Stück «Prophet 3.0» in der Stuhlfabrik aufgeführt. Es sorgte im Vorfeld für Diskussionen.
René Schnoz und im Hintergrund Zarina Tadjibaeva bei der Aufführung der Premiere in Zürich. (Bild: PD)

René Schnoz und im Hintergrund Zarina Tadjibaeva bei der Aufführung der Premiere in Zürich. (Bild: PD)

Der Weg zur Realisierung des Stückes war holprig: Wichtige staatliche Institutionen und Organisationen waren nicht bereit, finanzielle Unterstützung zu gewährleisten. Das Ganze sei in der heutigen Zeit einfach zu «heiss». Doch davon liess sich Andrej Togni, Regisseur und Schauspieler, nicht abbringen. In einem Video riefen er und die anderen Mitglieder der Theatergruppe zum Crowdfunding auf. Anfang November konnte so die Premiere in Zürich aufgeführt werden. Das Stück basiert auf einem Werk des aufklärerischen Philosophen Voltaire: «Fanatismus oder Mohammed der Prophet».

Darin wird Mohammed wegen eines Umsturzversuches gegen den Stadthalter Mekkas, Scharif Sopir, von diesem aus der Stadt verbannt. Mohammed schwört Rache und will den Glauben des Volkes nutzen, um die Welt in einen nach den Regeln des Koran funktionierenden Ort zu verwandeln. Er behauptet, er habe die zwei Kinder von Sopir getötet. Sie befinden sich jedoch in seiner Gefangenschaft. Palmire, die Tochter, und Séide, der Sohn, werden als Sklaven gehalten. Zwischen Mohammed, Palmire und Séide entwickelt sich eine dramatische Beziehung, geprägt von Macht, Begehren und Manipulation. Mohammed fanatisiert Séide und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Schon das Werk Voltaires sorgte für Furore: Als 1993 eine Gruppe dieses Stück aufführen wollte, formte sich Widerstand im Umfeld der Brüder Tariq und Hani Ramadan, was zur Unterbindung des Theaters führte.

Die Pflicht, eine Thematik zu hinterfragen

Auch heute fanden sich für «Prophet 3.0» nur wenige Aufführungsorte. Dabei ginge es laut Tongi nicht um Islam-Bashing, sondern um das Wiederbeleben einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Thematik des Fanatismus und des Fundamentalismus in monotheistischen Religionen. In einer Zeit, in der jegliche Kritik am Islam von vielen, meist linken, Politikern als antiislamisch abgestempelt und verteufelt wird, ist die Konfrontation mit eben dieser Kritik eine gewagte, aber spannende Herangehensweise seitens der Theatergruppe um Andrej Togni.

Die Verantwortung, sich mit dem Thema Religion differenziert auseinanderzusetzen, liegt bei der Aufführung von «Prophet 3.0» nicht alleine bei den Schauspielern, sondern wird auch an die Zuschauerinnen und Zuschauer übergeben. Das Stück soll anregen, kritisch zu denken und zu betrachten, und explizit zu unterscheiden zwischen Fundamentalismus und Religion.

Samira Hörler

samira.hoerler@appenzellerzeitung.ch

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