Herisau
Freundliche Übernahme: Steinegg-Stiftung will Zukunft des Appenzeller Verlags sichern

Weil Verleger Marcel Steiner keine Nachfolge für seinen Betrieb fand, sprang eine Herisauer Stiftung ein. Sie will mit diesem Schritt etwas für die Identität des Appenzellerlands tun und Arbeitsplätze sichern.

Karin Erni
Drucken
Der Appenzeller Verlag soll seinen Sitz vorderhand in Schwellbrunn behalten.

Der Appenzeller Verlag soll seinen Sitz vorderhand in Schwellbrunn behalten.

Michel Canonica

Die Appenzeller Verlag AG in Schwellbrunn geht in neue Hände über. Wie kürzlich bekannt wurde, hat die Steinegg-Stiftung aus Herisau 60 Prozent der Aktien übernommen. 30 Prozent besitzt neu die Appenzeller Druckerei AG in Herisau. Die restlichen 10 Prozent bleiben im Besitz des Verlegerehepaars Marcel und Yvonne Steiner. Sie ziehen sich aus Altersgründen zurück. Die operative Leitung des Verlags übernimmt per 1. Juli eine Co-Geschäftsleitung, bestehend aus Christine König und Alexandro Isler. Christine König verfügt über zwanzigjährige Erfahrung als Journalistin und Lektorin und arbeitet seit sechs Jahren bei der Appenzeller Verlag AG. Die 41-Jährige wird wie bisher den publizistischen Teil des Unternehmens verantworten. Der 40-jährige Alexandro Isler ist Leiter Medien der Appenzeller Druckerei und wird neu im Mandatsverhältnis die Administration des Appenzeller Verlags leiten.

Marcel Steiner bleibt Präsident des Verwaltungsrates.

Marcel Steiner bleibt Präsident des Verwaltungsrates.

Karin Erni

Marcel Steiner bleibt Verwaltungsratspräsident. Der 68-Jährige hat den Verlag 2015 im Zuge eines Management-Buy-outs aus der Appenzeller Medienhaus AG herausgelöst und damit dessen Überleben gesichert. Seither sind unter dem Dach des Verlagshauses Schwellbrunn, zu dem auch der Orte-Verlag und die Edition punktuell gehören, 250 Buchtitel sowie Zeitschriften und Bildkalender erschienen.

Stiftung will Unabhängigkeit garantieren

Die Steinegg-Stiftung unterstützt im Rahmen ihrer Vergabetätigkeit auch immer wieder Buchprojekte. Es stellt sich die Frage, ob mit der Übernahme des Appenzeller Verlags nicht ein Interessenkonflikt entsteht. Stefan Sonderegger, Präsident des Stiftungsrates, verneint: «Die Steinegg-Stiftung verfügt über zwei Arme. Der philanthropische Teil unterstützt soziale und kulturelle Projekte mit kleineren, mittleren und grösseren Geldbeträgen. Pro Jahr werden so 1,5 Millionen Franken vergeben.» Die Steinegg-Aktiengesellschaft bilde den unternehmerischen Arm der Stiftung, so Sonderegger weiter. «Die Aktiengesellschaft, in welche der Verlag integriert wird, geht in besonderen Fällen aktiv vor, um im Sinne einer regionalen Wirtschaftsförderung Beteiligungen an Firmen einzugehen. Damit wollen wir regionale Arbeitsplätze sichern.» So gehörten beispielsweise Mehrheiten der Herisauer Firmen Hänseler und Cilander der Steinegg-Aktiengesellschaft, so der Stiftungsratspräsident weiter. «Aus der Rendite, die dabei erwirtschaftet wird, werden wiederum gemeinnützige Projekte unterstützt.»

Als Grund für die Übernahme des Appenzeller Verlags gibt Sonderegger an, dass diese in erster Linie kulturell und philanthropisch motiviert sei.

Stefan Sonderegger, Präsident Steinegg-Stiftung.

Stefan Sonderegger, Präsident Steinegg-Stiftung.

Benjamin Manser
«Nach dem Verlust von Landsgemeinde und Kantonalbank handelt es sich beim Appenzeller Verlag um eine der letzten identitätsstiftenden Institutionen in Ausserrhoden.»

Der Verlag sei zudem der einzige seiner Art in der Ostschweiz und habe eine Ausstrahlung weit über das Appenzellerland hinaus. Die Steinegg-Stiftung werde aber auch künftig Beiträge an andere Buchprojekte leisten, wenn diese die Vergabekriterien erfüllen, so Sonderegger. «Die Medienfreiheit ist uns wichtig, wir garantieren die Unabhängigkeit des Verlags und nehmen keinen Einfluss auf die Inhalte der Publikationen.»

Veränderungen gemeinsam meistern

Paul Zähner ist Verwaltungsratspräsident der Steinegg AG und hat die Verlagsübernahme organisatorisch umgesetzt. Der ehemalige Herisauer IT-Unternehmer kennt den Betrieb schon länger und ist von dessen Zukunftsfähigkeit überzeugt. «Der Verlag hat eine grosse Fangemeinde. Viele der Printprodukte leben von schönen Bildern, die Emotionen erzeugen.» Das Unternehmen operiere erfolgreich in einer Nische. «Diese sehr gut zu bewirtschaften, muss die Strategie sein.» Der Online-Verkauf der Bücher funktioniere bestens. Ob und wie die heute meist gedruckten Inhalte dereinst elektronisch genutzt werden, sei ein wichtiges Zukunftsthema, so Zähner.

Paul Zähner, Präsident Steinegg AG.

Paul Zähner, Präsident Steinegg AG.

Michel Canonica
«Im Mediengeschäft passieren aktuell starke Veränderungen. Verlage müssen flexibel bleiben und sich laufend an die Gegebenheiten und Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen.»

Die Übernahme durch die Stiftung bewahrt den Verlag nicht davor, rentabel sein zu müssen. Künftig könne man jedoch die Kosten senken, ist Zähner überzeugt. «Durch die Zusammenarbeit mit der Druckerei ergeben sich Synergien bei der Administration und der Akquisition von Abos und Inseraten.» Vorläufig bleibe der Verlag in Schwellbrunn domiziliert, so Zähner weiter. «Es hat sich hier eine Art Ökosystem mit dem benachbarten Floristen Walter Zellweger etabliert.»

Druckerei erhält zusätzliche Aufträge

Christof Chapuis ist designierter Geschäftsführer der Appenzeller Druckerei in Herisau. Er nennt als Grund für die Beteiligung am Verlag: «Wir wollen wieder zu dessen Hausdruckerei werden und dadurch Arbeitsplätze sichern.» Das Appenzeller- und das Toggenburger-Magazin sowie die Kalender werden bereits wieder in Herisau produziert. Bei der Buchproduktion beschränke man sich auf jene Titel, die rentabel ausgeführt werden können, so Chapuis. «Taschenbücher beispielsweise könnten wir nicht kostendeckend herstellen.»

Marcel Steiner freut sich über die gefundene Lösung. «Eine gute Nachfolge zu finden ist die Königsdisziplin des Unternehmertums.» Noch sieben Jahre will er im Verwaltungsrat mitwirken, «sofern ich gesund und guten Mutes bleibe».