HERISAU: Freie Bahn für die Frösche

Im Frühling sind die Amphibien auf Wanderung zu ihren Laichgebieten. Dank einem neuen Tunnel erreichen sie den Saumweiher dieses Jahr sicherer.

Simon Roth
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Hans Jörg Blaser steht vor dem neu gebauten Amphibienleitwerk beim Saumweiher. (Bilder: Simon Roth)

Hans Jörg Blaser steht vor dem neu gebauten Amphibienleitwerk beim Saumweiher. (Bilder: Simon Roth)

Simon Roth

simon.roth@appenzellerzeitung.ch

Dichte Klumpen säumen den Saumweiher. Frösche haben hier ihren Laich abgelegt. Im Frühling verlassen Frösche, Kröten und Unken ihren Lebensraum, wo sie überwintert haben, und machen sich auf den Weg zu ihren Laichplätzen. «Frösche sind ihrem Laichgebiet sehr treu», sagt Hans Jörg Blaser. Laut dem Leiter der Umweltschutzfachstelle der Gemeinde Herisau sei es deshalb umso wichtiger, solche Laichgewässer zu erhalten.

Seit vergangenem Jahr figuriert das Herisauer Naherholungsgebiet auf der Liste der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung. Weitere Stellen sind die Kiesgrube List in Stein, die Wissbachschlucht zwischen Herisau und Flawil sowie der Dorfweiher in Grub. Die Aufnahme ins Bundesregister hat die Sanierung des Saumweihers erleichtert. Das Gemeindebudget konnte durch Subventionen geschont werden.

Sanierung macht sich bezahlt

Bevor die Betreuung der hiesigen Amphibienwanderung an die Gemeinde übergeben wurde, kümmerte sich Hans Jörg Blaser gemeinsam mit freiwilligen Helfern des ornithologischen Vereins darum, dass die Frösche sicher zum Weiler gelangen. «Der Neubau stellt eine erhebliche Erleichterung dar», sagt der Biologe, der seit 30 Jahren in seiner jetzigen Funktion bei der Gemeinde tätig ist. Vor dem Neubau waren bis zu 15 Freiwilligen im Einsatz, stellten mobiles Leitwerk in Form von Zäunen auf und sammelten die damit eingefangenen Frösche ein. Der neu gebaute Hochwasserablauf macht dies überflüssig (siehe Infokasten). Er dient als Amphibienleitwerk, durch das die Frösche heute über den Bachlauf direkt zum Weiher gelangen. «Die Amphibien nutzen den Tunnel eher, wenn es feucht ist», sagt der 58-Jährige. Gefährliche Wege bleiben ihnen erspart. Blaser muss seit der Sanierung während der Wanderzeit nur noch einmal am Tag nach dem Rechten sehen.

Im Vergleich zu anderen geschützten Gebieten ist im Saumweiher auch aufgrund der klimatischen Verhältnisse die Artenvielfalt kleiner, dafür sind die Bestände gross. Vor gut zehn Jahren zählten die Freiwilligen alle Frösche, die sie mit ihren Kübeln eingesammelt haben. 14000 Tiere waren es insgesamt, die Mehrzahl Grasfrösche. Weitere Arten, die sich im Saumweiher aufhalten, sind der Bergmolch und die Erdkröte.

Trotz Sanierung – Gefahren bleiben bestehen

Dank der baulichen Massnahmen gelangen die Frösche nun sicherer an ihren Bestimmungsort. Die natürlichen Gefahren rund um den Weiher bleiben jedoch bestehen. In Ufernähe ist ein Reiher auf der Lauer und wartet, bis ein Frosch an die Oberfläche kommt. Und auch die Kaulquappen, die bis im Juli im Weiher bleiben, um sich zu Fröschen zu entwickeln, sind Teil des Nahrungssystems. «Libellen- wie auch Molchlarven haben es auf sie abgesehen», sagt Hans Jörg Blaser.

Für den Biologen stellt der Saumweiher ein attraktives Gebiet für Besucher dar und sei gerade auch für Kinder interessant. «Man sollte jedoch auf dem Damm und auf dem umzäunten Rastplatz bleiben und die geschützten Tiere in Ruhe lassen.»