HERISAU: Erfolgsrezept mit exquisiten Zutaten

Das Saumchörli hat das richtige Rezept: Man nehme appenzellisches Liedgut und den hiesigen Humor, Tradition und Innovation und serviere alles gekonnt mit dem nötigen Gespür für den Genuss.

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Das Saumchörli überzeugte mit hochstehendem Gesang. (Bild: PD)

Das Saumchörli überzeugte mit hochstehendem Gesang. (Bild: PD)

Das ist Tradition: Am zweiten und dritten Novemberwochenende lud das Herisau Saumchörli zu seiner alljährlichen Unterhaltung. Mit dabei je eine Gastgruppe, einmal aus dem Kanton Bern, einmal aus dem Kanton Freiburg. Der erste Teil des Abends bot einen musikalischen Genuss. Das Saumchörli überzeugte unter der Leitung von Ueli Koller mit gepflegtem Gesang, überraschte mit einem Quartett aus eigenen Reihen und offenbarte dem Publikum mit seinen Darbietungen ein Stück des Appenzeller Liedgut-Himmels. Der andächtigen Ruhe im Saal folgte nach der Pause eine muntere Stimmung. Dies ganz entgegen dem Theatertitel «De Schoss goht henne use». Der Schuss ging nicht nach hinten los, sondern traf exakt die Lachmuskeln des Publikums. Womit wir bei der Innovation wären. Unter der Regie von Werner Wanner inszenierte die Theatergruppe einen Schwank aus der Feder von Karin Koller, ihres Zeichens Präsidentin des Saumchörlis.

Bereits 2015 überraschte das Saumchörli anlässlich seiner CD-Taufen mit einem eigenen Stück. Auf Bitten des Dirigenten Ueli Koller verfasste Karin Koller heuer erneut einen Schwank, welcher der Theatergruppe auf dem Leib geschrieben und mit Aktualitäten gespickt war. Karin Koller: «Mir war wichtig, dass alle hinter dem Stück stehen können. Wäre dem nicht so gewesen, hätten wir auf ein fremdes Stück zurückgegriffen und dieses inszeniert.» Das Stück gefiel. Mit viel Herzblut gingen die Schauspieler und Schauspielerinnen in ihren Rollen auf und bescherten den Zuschauerinnen und Zuschauern einen abwechslungsreichen, um nicht zu sagen turbulenten zweiten Teil des Abends.

Viel Aufwand für das Theater

Im Zentrum des Schwanks standen Werkspionage und Sabotage im Zusammenhang mit der Herstellung von Schwingerhosen, welche am Wochenende vom 24. Juni 2018 am Jubiläumsschwingfest in Herisau zum Einsatz kommen sollen. Wenn nun zwei Tiroler Werkspione, getarnt als Japaner, in einem Suzuki auf die Bühne fahren und ein Schneider, der lieber mit seinem Kollegen auf die Jagd geht, zusammentreffen, dann sind überraschende und komische Momente vorprogrammiert. Zumal das Saumchörli auch heuer wieder keinen Aufwand scheute und die Bühne des Herisauer Casinos gleichzeitig in ein Schneideratelier, einen Waldabschnitt mit Hochstand und eine Gaststube verwandelte. Nicht zu vergessen das höchst spezielle Suzuki-Gefährt der Tiroler. Und es wäre nicht das Saumchörli, wenn nicht auch im zweiten Teil das Musikalische zum Zuge käme. Dies dürfte wohl mit einer der Zutaten sein, die das Erfolgsrezept ausmachen, welches auch heuer wieder zweifellos dem Geschmack der Gäste entsprach. (pd)