HERISAU: Einmal Emil – immer Emil

Emil Steinberger kann es immer noch: Auch mit 83 Jahren zieht er die Menschen in seinen Bann. Am Freitagabend gastierte er im Casino in Herisau. Das Publikum klatscht und lacht, wie wenn dieses die Gags zum erstenmal hörte.

Roger Fuchs
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Humor ist die beste Medizin: Diese Volksweisheit würde Emil Steinberger sofort unterschreiben. Zwei Stunden vor der Show trifft er im Casino in Herisau ein. (Bilder: Roger Fuchs)

Humor ist die beste Medizin: Diese Volksweisheit würde Emil Steinberger sofort unterschreiben. Zwei Stunden vor der Show trifft er im Casino in Herisau ein. (Bilder: Roger Fuchs)

HERISAU. Viele Künstler brauchen heutzutage Lichtshows, Soundeffekte und grosse Kulissen. Nicht so Emil Steinberger. Sein Trumpf sind seine Mimik, Gesten und Worte. Und seine Sketche als Emil. Ob als Babysitter, Angestellter eines Telegraphenamts, ob als Beifahrer beim Einparkieren, oder im Zug nach Göschenen – Emil schafft es, eine Figur nach der andern völlig authentisch zu mimen.

Jetzt beginnt das Leben B

Zwei Stunden vor der Show reist Emil an. So auch am Freitagabend im Casino in Herisau. Von Hektik keine Spur. Seine ebenfalls öffentlich bekannte Frau Niccel Steinberger kümmert sich um die Requisiten, während Emil die Mikrophonanlage testet. «Natürlich gebe es Momente, wo er auch mal müde sei», sagt der 83-Jährige. «Doch fahre ich bei einer Halle vor, beginnt das Leben B.» Da gelte es den Schalter umzustellen. Genau das schafft er um 20 Uhr auch beim Publikum. Als Garderobier startet er das Programm und sorgt bereits in den ersten Minuten für Lacher. Fast drei Stunden lang folgen dann Nummern und Gags, die teils Jahrzehnte alt sind. Dieses Alter sorgt denn auch für ungewollte Komik. Im Zug nach Göschenen öffnet Emil pantomimisch ein Fenster. «Heute gibt es kaum mehr einen Bahnwagen, in dem solches möglich ist», wird im Publikum gemunkelt.

Doch abgesehen von solchen Details funktionieren die Sketche bis heute. «Die Figur Emil ist einfach menschlich», erklärt sich Steinberger den Erfolg. «Emil ist wie ein Spiegel der Gesellschaft, er macht Fehler wie wir alle.»

Schwärmen für Appenzell

Jemals zuvor in Herisau aufgetreten zu sein, kann sich Emil Steinberger nicht erinnern. «Die Auffahrt hierher war mir fremd», sagt er. Nicht fremd ist ihm hingegen das Appenzellerland. Mitte letzter Woche gönnte er sich zusammen mit seiner Frau einen Ausflug nach Appenzell. Emil gerät ins Schwärmen: «Wir haben nur gestaunt über die schönen Häuser, die Architektur und Farben.» Speziell aufgefallen sei ihnen das Geschäft der Goba in der Hauptgasse. Unglaublich welch ein Mut dort herrsche, neue Flaschen zu kreieren.

Gedanken zum eigenen Alter macht sich Emil Steinberger nicht. Er lasse dem Schicksal seinen Lauf. Dass er auch mit 83 Jahren nochmals den Emil spielt, war nicht geplant. 1987 wollte er mit seiner Bühnenfigur für immer Schluss machen. Nachdem er aber im Jahr 2000 mit Lesungen durchstartete und zu seinem 80. Geburtstag ein Abendprogramm zusammengestellt hatte, nahm auch hier alles seinen Lauf. Und so steht er jetzt mit «Emil – no einisch» auf der Bühne.

Nach der Show geht alles schnell. Keine Autogramme, kein Stand mit CD- oder Videomaterial. Und doch sind die Menschen glücklich. Sie haben endlich den Mann live gesehen, dessen Kassetten sie einst als Kinder und Jugendliche hörten.

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