HERISAU: Ein neuer Lastwagen für die Schiene

Im Rahmen einer Sammelbestellung beschaffen die Appenzeller Bahnen und die Matterhorn-Gotthard-Bahn gemeinsam fünf Zweiwegfahrzeuge. Eines wird als Baudienstfahrzeug im Appenzellerland eingesetzt.

Andy Lehmann
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Schwellbrunn auf dem Weg zur Schweizer Dorf-Schönheitskönigin 2017. (Bild: Roger Fuchs)

Schwellbrunn auf dem Weg zur Schweizer Dorf-Schönheitskönigin 2017. (Bild: Roger Fuchs)

In der Bahnbranche ist es gang und gäbe, gemeinsam Material wie etwa Schienen oder Schwellen anzuschaffen. So hat die Appenzeller Bahn mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MG-Bahn) im Rahmen von Railplus im Februar 2016 eine gemeinsame Ausschreibung über fünf Zweiwegefahrzeuge publiziert. Railplus ist eine Vereinigung zahl-reicher Meterspurbahnen der Schweiz. Diese möchte die Kräfte der Meterspurbahnen bündeln und deren Interessen vertreten. Den Zuschlag für die Herstellung der fünf Zweiwegefahrzeuge erhielt die Hilton Kommunal GmbH. Das gesamte Auftragsvolumen beläuft sich inklusive Reservematerial auf über sechs Millionen Franken. Die Appenzeller Bahnen AG beteiligt sich mit rund 1,3 Millionen Franken an dem Projekt. Alexander Liniger, Mediensprecher der Appenzeller Bahnen AG, unterstreicht die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit Railplus für Meterspurbahnen und fügt an: «Da wir dem öffentlichen Beschaffungswesen unterstehen, ist die Synergiennutzung bei Bestellungen von Fahrzeugen, Schienen oder anderem Material von zentraler Bedeutung.»

Die Zweiwegefahrzeuge werden unterschiedlich eingesetzt. Während die vier Fahrzeuge der MG-Bahn im Tunnelrettungswesen Verwendung finden, nutzen die Appenzeller Bahnen ihres als Baudienstfahrzeug, insbeson­dere für die Schneeräumung. «Wir haben ausser dem 700 Meter langen Ruckhaldetunnel keinen längeren Tunnel, wo Schienenrettungsfahrzeuge nötig sind. Der Ruckhaldetunnel wird mit einem kleineren Rettungsfahrzeug, welches in der Nähe stationiert sein muss, gesichert. Wir rechnen damit, dass unser Zweiwegefahrzeug im ersten Quartal 2018 einsatzbereit ist», sagt der Medien­sprecher.

«Der Umbau dauert drei bis vier Stunden»

Als Grundmodell dient bei allen fünf Fahrzeugen ein Mercedes Arocs 6 × 4 mit 421 kW Motorenleistung. Der Lastwagen verfügt über einen Hilfsrahmen, an ­welchem die beiden Dreh­gestelle des Schienenfahrwerks mon­tiert sind. «Das neue Zweiwege­fahrzeug kostet ohne Reserve­material eine Million Franken. Insbesondere das zweite Fahrwerk für die Nutzung auf Schienen ist teuer. Zudem können die Fahrzeuge auch auf Normalspurschienen (SOB/SBB) genutzt werden. Der Umbau dauert drei bis vier Stunden», sagt Liniger. Um von der Strasse auf die Schienen zu wechseln, eignet sich ein Bahnübergang am besten.

Das Zweiwegefahrzeug darf nur von einem Lokführer mit Lastwagenführerausweis gefahren werden. Das neue Fahrzeug werde im Winter vor allem auf der Strecke Trogen–Appenzell zum Einsatz kommen. Es kann auf allen Strecken, also auch auf der Strecke Rorschach–Heiden sowie Gais–Altstätten eingesetzt werden. Wegen der Bremsleistung müsse aber ein Motorwagen der AB ­vorgespannt werden. Das neue Fahrzeug ersetze somit zwei ­ältere Schneeschleudern, so der Mediensprecher. Das Zweiwegefahrzeug kann wahlweise mit einem Dreiseitenkipper bestückt oder mit einem Lastkran mit ­Ladebrücke versehen werden. «Auch schwere Lasten wie beispielsweise Schotterwagen kann das modular einsetzbare Fahrzeug ziehen. Es wird auch im Sommer zum Einsatz kommen.»

Andy Lehmann

andreas.lehmann@appenzellerzeitung.ch