HERISAU: Die Krönung des Kinderfests

Für das Kinderfest werden noch private Mittagsquartiere für 1.- und 2.-Klässler gesucht. Dass die Kinder auswärts zum Essen eingeladen sind, hat seit 180 Jahren Tradition und ist einzigartig in der Schweiz.

Andy Lehmann
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Am Dienstag, 20. Juni, ist der erste Kinderfesttermin angesagt. (Bild: APZ)

Am Dienstag, 20. Juni, ist der erste Kinderfesttermin angesagt. (Bild: APZ)

Andy Lehmann

andreas.lehmann@appenzellerzeitung.ch

Punkt elf Uhr ertönt ein lauter Böllerschuss. Über 1000 Schülerinnen und Schüler haben nur darauf gewartet, denn dies ist das Zeichen, ihr Mittagsquartier am Kinderfest aufzusuchen. Minuten später ist der Platz vor dem Alten Zeughaus wie leergefegt.

Seit dem ersten Kinderfest 1837 hat sich am Ablauf nur wenig geändert. Der Festplatz befindet sich seit dem Bau des Sportzentrums auf dem Ebnet. Das Kinderfestlied wurde jüngst der neuen Zeit angepasst. Seit jeher hat sich auch die liebgewonnene Tradition erhalten, dass die Kinder auswärts zum Mittagessen eingeladen sind. «Wo darf ich zum Mittagessen?» «Was gibt es zu essen, und sind die Gastgeber nett?» Diese Fragen haben sich schon unzählige Herisauer Schülerinnen und Schüler am Kinderfesttag gestellt.

«Nun theilten die Schullehrer Billets aus, die jedem Kind das Haus im Dorfe bezeichneten, wo ihm ein Mittagessen bereitet war», heisst es 1837 im «Appenzellischen Monatsblatt». Zuvor hatte die Lehrerschaft abgeklärt, wo wie viele Kinder einquartiert werden können. Für die Schülerinnen und Schüler war das eine willkommene Abwechslung. So erinnert sich eine Frau im Buch «Herisauer Kinderfeste» an Braten und Kuchen zum Mittagessen. Das sei damals eine Seltenheit gewesen und deshalb die Krönung des Tages. Zwei Gründe waren einst massgebend, die Kinder am Kinderfestmittag auswärts zu verpflegen. Besonders für Kinder aus den Aussenquartieren wäre der Weg zu weit gewesen, um rechtzeitig nach dem morgendlichen Programm an den Umzug zu kommen. Zudem wollte man den ärmeren Kindern wenigstens am Kinderfest etwas Reichhaltiges auftischen. So nahmen besser betuchte Familien ärmere Kinder auf und schufen so einen sozialen Ausgleich. Im Jahr 1955 stiftete ein ausgewanderter Herisauer und Chef einer Konservenfabrik an jedes Mittagsquartier 1 Kilo eingelegte Pfirsiche. Dies dürfte der Grund gewesen sein, dass hundert Kinder mehr als in den Jahren zuvor ein privates Mittagsquartier besuchen durften.

Für alle, die in Herisau zur Schule gegangen sind, dürfte das Essen am Kinderfest zu den ­Höhepunkten des Tages gehört haben. In der untenstehenden Umfrage erinnern sich einige ­bekannte Herisauerinnen und Herisauer an diese Tradition.

Hinweis

Mittagsquartiere gesucht für 1.- und 2.-Klässler, welche privat verpflegt werden. Anmeldungen bis 13. Mai mit Anmeldekarte – wurde an alle Haushaltungen versandt – oder telefonisch an 071 351 13 53.

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