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HERISAU: Der stille Beobachter

Ralf Bruggmann ist der erste Gewinner des Ausserrhoder Literaturland-Schreibwettbewerbs. Seither verlässt er die Komfortzone seiner Schreibstube öfter. Am Donnerstag gastiert er in der Alten Stuhlfabrik.
Simon Roth
Stift und Notizblock sind Ralf Bruggmanns stete Begleiter. (Bild: Simon Roth)

Stift und Notizblock sind Ralf Bruggmanns stete Begleiter. (Bild: Simon Roth)

Simon Roth

simon.roth@appenzellerzeitung.ch

Weit über 700 Texte hat Ralf Bruggmann geschrieben. Die meisten davon Kurzgeschichten. Einige Romane. Die sphärischen Stillleben, die er einfühlsam beschreibt, sind auf seinem Online-Blog zu lesen. Bloss, zu kaufen gibt es nur wenige Werke des Ausserrhoder Schriftstellers. Gut möglich, dass es mit der zurückhaltenden Art des 41-Jährigen zu tun hat. Obwohl er als Werbetexter arbeitet, schaffe er es nicht, sich im Literaturbetrieb besser zu verkaufen, halten ihm die Kollegen im Büro vor.

Ganz so schlimm scheint es, um das literarische Treiben von Ralf Bruggmann aber nicht zu stehen. Schliesslich haben 29 Kurzgeschichten mittlerweile den Weg vom Bildschirm aufs Papier geschafft. «Hornhaut» ist vergangenen Herbst erschienen. «Vielschichtig, einfühlsam und mit viel Talent für Andeutungen und Stimmungen», rezensierte diese Zeitung das Werk. Am Donnerstag liest Bruggmann in der Alten Stuhlfabrik Herisau (siehe Kasten).

Jury und Publikum gleichermassen begeistert

Viele Ideen schnappt Ralf Bruggmann unterwegs auf. Ausgangspunkte einer Geschichte können Gedanken, Gelesenes oder Gesehenes sein. So etwa eine Person auf einer Bank: «Was denkt sie gerade? Wieso sitzt sie alleine da?», fragt sich der Autor. Daraus entstehen Texte wie jener, mit dem Bruggmann den ersten Literaturland-Schreibwettbewerb des Amtes für Kultur Appenzell Ausserrhoden gewonnen hat. «Ein Satz über einen, der auf einer Telefonzelle steht» hat die Jury und das Publikum gleichermassen begeistert. Das war vor zwei Jahren. Der Preis habe ihm einige Türen geöffnet, sagt Ralf Bruggmann.

Schon während der Kindheit in Herisau hat Bruggmann mit dem Schreiben begonnen. Anfangs schrieb er nur für sich. «Das hat mich aus vielen Tiefs geholt», sagt der Autor. Viele seiner Geschichten sind existenzieller Natur und berichten von Leere und Verlorenheit. Noch heute geht es ihm darum, Gedanken und Gefühle auszuloten und zu erforschen. Der Unterschied zu früher ist jedoch das Publikum: «Es interessiert mich, was meine Texte bei den Lesern auslösen.» Oft bleiben seine Texte bei der Andeutung und leben von den Zwischentönen. «Der Text muss atmen können.»

Das Unterbewusstsein sprechen lassen

Die Figuren in Ralf Bruggmanns Geschichten sind oft auf der Suche nach Halt in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Sie wollen nicht vor der Unsicherheit erdrückt werden. Der Text über jenen, der auf der Telefonzelle in die Weite starrt, nimmt den Leser mit in den Bewusstseinsstrom von dessen Psyche. Tagträumerei könnte man das nennen.

Wer dem Schriftsteller deshalb nun unterstellt, ein Träumer zu sein, der irrt. Seit einiger Zeit wohnt er mit Frau und Kindern in Speicher. «Familienidylle», wie er sagt. Ralf Bruggmann steht um fünf Uhr morgens auf und ist um 6.15 Uhr im Büro. «Wenn es ruhig ist, kann ich mich besser konzentrieren», sagt der Familienvater. Zeit für die eigenen Texte findet er vor allem dann, wenn die beiden Buben im Bett sind. Manchmal schreibt er bis um Mitternacht. Viel Schlaf und Zeit zum Träumen bleibt da nicht. Braucht Ralf Bruggmann auch nicht: «Schreiben ist wie Träumen.»

www.disputnik.com

Zwei Freunde lesen

LESUNGEs ist ein Wiedersehen der besonderen Art, das sich diesen Donnerstag in der Alten Stuhlfabrik ereignet. Schriftsteller Ralf Bruggmann und Patrik Kobler, Redaktionsleiter der «Appenzeller Zeitung» sind zu Gast bei Philipp Langenegger. Bei ihm erzählen sie von alten und neuen Zeiten. Die beiden kennen sich aus dem Sandkasten, haben zusammen auf dem Fussballplatz getschuttet und gemeinsam die Primarschule im Schulhaus Müli besucht. Dann haben sie sich jedoch aus den Augen verloren und gingen ihre eigenen Wege. Vor etwas über einem Jahr haben die beiden den Kontakt wieder aufgenommen und wagen mittels Postkarten, die sie einander vorlesen, einen Blick zurück. Den Bogen in die Gegenwart schlagen sie mit eigenen Texten. (sro)

Stuhlfabrik liest... Donnerstag, 25. Januar, Beginn 20 Uhr, Stuhlfabrik Herisau

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