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HERISAU: Der Kapitän geht von Bord

18 Jahre lang unterrichtete Luzi Parpan an der Herisauer Privatschule SBW. Die letzten drei Jahre amtete er als Schulleiter. Nun steht er vor der Pensionierung. Für seinen Ruhestand hat er bereits sehr konkrete Pläne.
Karin Erni
Die Schifffahrt auf dem Meer habe für die Schüler etwas Symbolhaftes, sagt Luzi Parpan. «Nach der Schulzeit steht ihnen die ganze Welt offen.» (Bild: pd)

Die Schifffahrt auf dem Meer habe für die Schüler etwas Symbolhaftes, sagt Luzi Parpan. «Nach der Schulzeit steht ihnen die ganze Welt offen.» (Bild: pd)

HERISAU. Einen Interviewtermin mit Luzi Parpan kurz vor den Sommerferien zu finden, ist nicht ganz einfach. Der Schulleiter der SBW befindet sich dann nämlich jeweils auf hoher See. Seit 20 Jahren bricht er zum Abschluss der Schulzeit mit seinen Schülern zu einem Segeltörn auf. Die Zeit auf dem Schiff sei für die Jugendlichen prägend, sagt Parpan. «Sie waren ein Jahr lang Egoisten. Auf dem Schiff müssen wir als Team funktionieren. Hier treten wir den Beweis an, dass das kein Widerspruch sein muss.»

Der ungewöhnliche pädagogische Ansatz zeugt von einem ungewöhnlichen Lebenslauf. Gelernt hat Parpan Hochbauzeichner. Mit 25 Jahren sattelte er um und absolvierte die Zweitwegmatura. Es folgte die Ausbildung zum Primar- und anschliessend jene zum Oberstufenlehrer. Danach unterrichtete er ein Jahr lang an der Werk- und Berufsschule WBS, danach 14 Jahre an der Berufswahlschule BWS und seit 1998 an der SBW Herisau. Die letzten drei Jahre amtete er als Schulleiter. «Ich habe lediglich das <Erbe> meines Vorgängers Stefan Gander verwaltet», sagt Parpan bescheiden. Auf die Frage, was er in den Jahren an der SBW gelernt habe, antwortet Parpan: «Dienstleister sein.» Die Eltern schauten einem genau auf die Finger. Das sei legitim, findet er. «Sie bezahlen für die Leistung. Im Gegenzug sind sie sehr dankbar, wenn wir unsere Arbeit gut machen.»

Innovatives Schulmodell

Seit 1980 immer an Luzi Parpans Seite ist Ehefrau Monika. «Ohne sie hätte ich alles gar nicht geschafft.» Die gelernte Programmiererin büffelte im Lehrerseminar Mathematik mit ihm. Seine Stärken ortet Parpan im zwischenmenschlichen Bereich. «Das Kommunikationsmodell Themenzentrierte Interaktion (TZI) hat mich fasziniert. Es ist ein professionelles pädagogisches Konzept, das auf lebendiges Lernen und Arbeiten ausgerichtet ist. TZI war und ist einer der Hauptpfeiler dieses Hauses, und ich lebe danach.» Weitere Besonderheiten der SBW sind die gestaltete Umgebung und das autonome Lernen. Dabei lernen die Jugendlichen selbständig und in Lernschritten: Wenn sie ein Thema verstanden haben, absolvieren sie die Prüfung. «Nicht ich als Lehrer bestimme den Zeitpunkt, sondern der Schüler», erklärt Parpan den Unterschied zu herkömmlichen Schulmodellen. Das autonome Lernen sei ein Erfolgsmodell und werde von immer mehr öffentlichen Schulen kopiert, sagt Parpan. «Doch zu Beginn mussten wir verschiedene Widerstände überwinden. Bei den Schülern und bei uns selbst.» In einer Gruppe könnten sich die Schüler verstecken und vor der Arbeit drücken. Umgekehrt gehöre das Dozieren vor einer Gruppe zum Selbstverständnis des Lehrers. «Das autonome Lernen ist viel anspruchsvoller. Ich kann nicht mehr einfach ein Lehrmittel durcharbeiten, sondern muss den gesamten Stoff von vier Schulstufen jederzeit abrufen können. Das macht die Arbeit aber auch spannend und hält einen jung.»

Geplanter Unruhestand

Nach der Pensionierung von Luzi Parpan stehen der SBW mit der Einführung der Kunst- und Denkschule grosse Änderungen bevor. Die beiden neuen Schulleiter Jan Egger und Roman Rutishauser haben auf das neue Schuljahr hin ein neues Team zusammengestellt. Parpan musste deshalb fast allen Lehrpersonen kündigen. Doch er sieht die Entwicklung positiv: «Es muss sich etwas ändern. Die Kunst- und Denkschule ist eine Revolution. Das tut unserem Haus extrem gut. Damit sind wir den anderen Schulen wieder einen grossen Schritt voraus.»

Für ihren Ruhestand haben Monika und Luzi Parpan bereits konkrete Pläne. Sie haben in Herisau eine ehemalige Schreinerei gemietet. Hier wollen sie gemeinsam mit einer weiteren pensionierten Lehrperson eine Lernwerkstatt eröffnen. «Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Werkstatt. Wir räumen sie zur Hälfte aus, Werkzeuge und Maschinen sind noch vorhanden. Hier wird frei nach Pestalozzi mit Kopf, Hand und Herz gearbeitet und das Gelernte praktisch angewendet.» Die Jugendlichen werden mit 1:1-Betreuung bis zur Maturität begleitet. Doch ein 100-Prozent-Job soll es nicht werden. «Ich möchte auch für mich selbst praktisch tätig sein.»

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